Der finnische Handyriese Nokia wankt bereits seit einigen Monaten. In der jüngsten Vergangenheit hat selbst der Chef des Marktführers für Handys sein Unternehmen als leckgeschlagenes Schiff bezeichnet. Gerade im Bereich des Betriebssystems Symbian haben die Kunden in den vergangenen Jahren viel und scharfe Kritik am Hersteller geäußert. Das soll sich mit der künftigen Kooperation mit Microsoft nun ändern.
Während Microsoft händeringend nach Abnehmern für sein neues mobiles Betriebssystem sucht, verspricht sich Nokia von der Zusammenarbeit vor allem eine rettende Entwicklung in diesem Segment. Doch die Zusammenarbeit mit Microsoft stößt von Anfang an auf Kritik.
Windows Phone 7 nun auch auch in günstigen Handys
Das neue Betriebssystem von Microsoft ist Anfang 2011 nur in Smartphones der gehobenen Preisklasse erhältlich. Die Hersteller HTC und LG setzen in ihren neusten Modellen auf Windows Phone 7 welches in den ersten Tests auch durchaus annehmbare Kritiken bekommen hat. Doch beide Hersteller sind eher auf dem Markt der kostenintensiven Smartphones vertreten. Nokia baut hingegen seit jeher ganz unterschiedliche Modelle. Im Sortiment sind Smartphones der gehobenen als auch der günstigen Preisklasse vorhanden. Auf diese Weise profitiert Microsoft auf dem ersten Blick deutlich mehr von diesem Geschäft. Das neue Betriebssystem findet sich somit immerhin auf den Geräten des Marktführers für mobile Datengeräte wieder.
Nokia reagiert mit der Kooperation auf die massive Kritik an der Entwicklung - oder eher Nicht-Entwicklung - seines bisherigen Betriebssystems Symbian. Gerade im Vergleich zu Android oder dem Apple-System iOS konnte es bereits seit einiger Zeit nicht mehr mithalten. Durch die Nutzung des als durchaus gut eingestuften Windows Phone 7, könnte dieser Hauptkritikpunkt nun ausgebügelt werden. Und im Gegensatz zum Symbian OS könnte man tatsächlich wieder mit regelmäßigen Updates und Neuerungen auf den Nokia-Handys rechnen.
Kritik an Firmenpolitik
Allerdings sieht sich Nokia nach Ankündigung der Zusammenarbeit auch massiver Kritik ausgeliefert. Sowohl Aktionäre als auch Kunden sehen das Geschäft mit Microsoft mit Misstrauen. Der Vorstoß von Microsoft auf den Smartphone-Markt wird bereits seit Beginn des Engagements mit HTC als Versuch gesehen, Google auch in diesem Segment Konkurrent zu sein. Das Betriebssystem kommt zwar bisher recht gut an, weist aber noch deutliche Kinderkrankheiten auf. Auch muss sich Nokia fragen, warum sie nicht direkt in Kooperation mit Google gegangen sind. Das Android-System gilt schon seit längerer Zeit als Favorit für die meisten Kunden und ist nicht an solch deutliche Hardware-Beschränkungen gebunden wie Windows Phone 7.
Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Zusammenarbeit in den nächsten Monaten entwickelt. Wenn es Microsoft gelingt, dem Betriebssystem das richtige Image zu geben und die Kunden von seiner Funktionalität zu überzeugen, könnte sich die Kooperation zur Win-Win Situation entwickeln. Auf diese Weise könnte sich Nokia noch einmal retten. Sollte die Zusammenarbeit aber nicht den gewünschten Erfolg bringen, könnte sie den endgültigen Todesstoß für den Handyriesen aus Finnland bedeuten.
