Nollywood – Nigerias Traumfabrik

Nollywood ist die zweitgrößte Filmindustrie der Welt mit ca. 900 Filmproduktionen im Jahr. Mit Filmen über Afrika ist es ein 200-Millionen-Dollar Geschäft.

Der größte Name der Filmindustrie ist immer noch Hollywood. Obwohl die Firma, die „The American Dream“ produziert, noch die bekannteste im Geschäft ist, ist sie lange nicht mehr die einzige, die Millionen Fans zu sich ruft. Das indische Bollywood exportiert erfolgreich Filme mit hübschen und exotischen Schauspielern und hat bereits eine größere Filmanzahl im Jahr, als ihr westlicher Konkurrent. Wenige wissen aber, dass Hollywood nicht einmal auf dem zweiten Platz im Rennen ist, denn dazwischen steht noch das nigerianische Nollywood.

In Nollywood werden keine Blockbusters produziert, dafür aber Filme über Afrika.

Seit 1992 ist Nollywood, früher als Nigerianischer Film bekannt, ein wahrer Erfolg in Afrika. Die Filme handeln von Liebe, Geistern, Kannibalen und Öl, ebenso werden Prostitution, Familie, Ehre und Aids behandelt. Themen, die die Gesellschaft Afrikas widerspiegeln. Pro Jahr werden mindestens 900 Filme in Nollywood produziert und kosten je rund 20.000 US-Dollar. Kaum zu glauben und dennoch interessant, denn in einem Land, in dem noch immer mehr als die Hälfte der Bevölkerung mit weniger als einem Euro am Tag auskommen muss, ist ein 200-Millionen Geschäft ein wahres Wunder.

Weltstars haben in Nigeria eine andere Bedeutung. Hollywood-Lieblinge sind für Nigerianer weniger wichtig.

Namen wie Brad Pitt, George Clooney und Nicole Kidman sorgen in Nigeria für weniger Aufregung, denn das Hollywood-Kino spielt in diesem Land so gut wie keine Rolle. In Nigeria heißen die Stars unter anderem Omotola, Ramsey Nouah und Regina Askia. Gedreht wird mit einer einzigen Kamera, meist in nur einer Woche und ohne das schöne Farben- und Täuschungsspiel der Super-Computer.

Die Schauspieler arbeiten fast pausenlos, denn die Professionalität der Filmbranche, wie wir sie kennen, ist in Nigeria nicht wirklich verbreitet. Sich am Set in Nollywood mit Whisky zu betrinken, scheint gar kein Problem darzustellen. Das Benehmen der Crew soll aber kein großer Umstand sein, da die Filme in Nigeria trotzdem sehr erfolgreich sind. Na ja, so viel zum Thema Vernunft.

Die „schauspielerische Werkstatt“ Nigerias heißt „Winnies“, das früher ein einfaches Gasthaus in Lagos war, wo sich Regisseure, Filmemacher und Schauspieler trafen, um Ideen auszutauschen und zusammen zu träumen. Heute ist „Winnies“ so etwas wie eine Bühne, wo Nachwuchsschauspieler des ganzen Landes ihr Glück im großen Filmgeschäft versuchen. Ein Ort, an dem sie versuchen können Stars zu werden.

Die Filme Nollywoods werden für das so genannte Homevideo produziert. Teure Kinokarten sind unvorteilhaft in einem armen Land. So schaffen Filmproduzenten einen neuen Markt, der zu funktionieren scheint. Die Homevideos stehen als DVDs und VCDs in den Regalen der Händler und werden in einfachen Märkten der Städte verkauft. Die Produktionen werden nach Südafrika, Sierra Leone und Ghana exportiert. Mittlerweile können aber Nollywood Filme auch in Afro-Shops in England, den USA und sogar Deutschland gefunden werden. Einer der bekanntesten Filmproduktionen heißt „Living in Bondage“ aus den 1990er. Die Geschichte handelt von einen Mann, der von Mitgliedern des schwarzen Magie Kults gefangen genommen wird.

Der riesige Erfolg der nigerianischen Filmindustrie in Afrika reicht dem Produzenten Dickson Iroegbu, Gewinner des African Movie Academy Award, jedoch nicht. Er wünscht sich, die Geschichte seines Volkes der ganzen Welt zu zeigen. Für sein neuestes Projekt „Child Soldier“, eine Geschichte über Kindersoldaten, will er zwei Millionen Dollar umsetzen, da er hofft, für dieses Projekt eine große Anerkennung der Filmgiganten zu bekommen und natürlich auch einen Oscar mit nach Nigeria nehmen zu können.

Ariane Saltoris, Ariane Saltoris

Ariane Saltoris - Ich bin in Rio de Janeiro geboren und in Hamburg „erwachsen“ geworden. In meinem kurzen, zugleich reichen Leben sammelte ich ...

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