Noomi Rapace über Lisbeth Salander aus der Millennium-Trilogie

Eindrucksvoll: Noomi Rapace als Lisbeth Salander - Copyright Yellow Bird Pictures, Foto Knut Koivisto
Eindrucksvoll: Noomi Rapace als Lisbeth Salander - Copyright Yellow Bird Pictures, Foto Knut Koivisto
Die Rolle der Lisbeth erforderte viel Mut; enormer Druck lastete auf Noomi Rapace. Im Interview erzählt die Schauspielerin von der Arbeit und über Lisbeth

Zur Welt kam sie 1979, erste Schauspielerfahrung sammelte sie mit 20 am Stockholmer Teater Plaza. Acht Jahre später dann der Durchbruch: Noomi Rapace erhält für die Hauptrolle im Film ‚Daisy Diamond‘ (2007) die beiden wichtigsten dänischen Filmpreise Robert und Bodil als beste Darstellerin – die Produzenten der Millennium-Trilogie werden auf sie aufmerksam.

Die Romane liegen bereits vor, und es ist klar, dass die Rolle sehr viel Mut erfordern wird – Mut, den die Produzenten Noomi Rapace zutrauen. Mit ihrer mentalen Stärke und ihrem Talent würde sie genau die richtige Lisbeth Salander abgeben. Als sie ihr die Rolle anboten, nahm Noomi Rapace sofort an – und unterzog sich einem radikalen Wandel, der fassungslos machte ob seiner Radikalität.

Im Interview berichtet sie über ihre Vorbereitungen auf die Arbeit und über die Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen Lisbeth Salander und ihr.

Noomi Rapace über die Figur der Lisbeth Salander

„Lisbeth ist eine Überlebenskünstlerin, eine Kämpferin in jeder Hinsicht. Ich denke, sie hat eine Entscheidung gefällt als Kind und beschlossen: ‚Ich werde nicht das Opfer der Umstände sein; ich werde selbst die Kontrolle über mein Leben nehmen.‘ Ich glaube, Lisbeth ist ein kleiner Soldat, der seinen eigenen Krieg führt gegen nahezu jeden.“

Dabei besitzt Lisbeth eine eigene Auffassung von Gerechtigkeit. Wenn sie jemanden mag oder ihn respektiert, ist sie sehr loyal. Aber sie vergibt keinem, der ihr etwas angetan hat. Und so denke ich, Lisbeth birgt eine große Empfindsamkeit in sich, trägt aber zugleich diese harte Muschel um sich.“

Noomi Rapace über die Lisbeth, die sie selbst in sich trägt

„Ich habe mich immer als eine Art Außenseiter gefühlt. Mit 15 bin ich weg von meiner Familie. Seit dieser Zeit gehe ich meinen eigenen Weg, bin erwachsen und weiß selbst am besten, was gut für mich ist. So gesehen, haben Lisbeth und ich schon ein paar Gemeinsamkeiten.“

Noomi Rapace über ihre Vorbereitung auf die Rolle der Lisbeth Salander

„Ich wusste, ich würde mich ändern müssen. Ich hatte eine ganz klare Vorstellung, wie Lisbeth war und aussah. Dann begann ich die Trainings, viel Thai-Boxen und Kick-Boxen. Ich war mir nicht wirklich sicher, aber ich wollte alles Weibliche an mir loswerden, meine ganze Weichheit.“

„Im Buch agiert Lisbeth nicht in jeder Situation menschlich. Manchmal erscheint sie als eine Art Cartoon-Figur, eine Action-Heldin, und so wollte ich sie ‚vermenschlichen‘. Und weil ich es für ungeheuer wichtig halte, glaubhaft zu sein in den Actionszenen, habe ich wirklich sehr hart trainiert. Nicht, um einfach nur stark zu sein, sondern eher wie ein Junge in einem, meinem weiblichen Körper. Ganz allmählich wuchs ich in Lisbeth hinein. Ich habe mein Haar geschnitten, habe mich selbst gepierct und habe den Motorradführerschein gemacht. Ich mag keine Täuschung, ich möchte, dass die Dinge ehrlich und echt sind. Alles in allem war es eine Menge an Vorbereitung, die ich etwa sieben Monate etwa vor der ersten Aufnahme begonnen habe.“

Noomi Rapace über die Herangehensweise an ihre Rolle der Lisbeth Salander

„Ich muss meinen Rolle, den Charakter der Figur vollkommen verstehen. Ich kann nicht zur Arbeit kommen und nur so tun, als ob ich eine andere wäre – ich muss es in mir finden, muss all meine Erfahrung nutzen, alles von mir: meinen Hass, meine Furcht, meine Aggressionen und Aggressivität. Alles das muss ich größer machen und es herauslassen. Lisbeth ist in vielerlei Hinsicht extrem, aber andererseits trägt jeder von uns all diese Aspekte und Gefühle in sich, und so war es nicht unmöglich für mich, Lisbeth zu verstehen. Nur das Level musste ich erhöhen.“

Noomi Rapace über die Besonderheit, eine so populäre Figur wie Lisbeth Salander zu spielen

„Das war erschreckend. Aber ich entschloss mich, den Druck zu ignorieren, die Erwartungen, all das, was andere dachten, wer oder was Lisbeth sei. Ich habe mich in eine Art Blase begeben, geradezu hineingezwungen, um meine eigene Wahrheit über sie zu finden. Damit ich etwas schaffen würde zusammen mit dem Regisseur, der Crew, den anderen Schauspielern. Ich konnte und wollte nicht akzeptieren, dass wir die Sklaven der Erwartungen werden sollten. Alle Augen waren auf uns gerichtet, jeder hatte uns im Blick. Jeder sprach über den Film, in Blogs, in den Zeitungen, und ich musste mich zwingen, das alles nicht an mich ranzulassen, es nicht Raum greifen zu lassen.“

Noomi Rapace über ihr persönliches Verhältnis zu der Figur der Lisbeth Salander aus der Millennium-Trilogie

„Ich mag sie. Aber nach einer Weile“, hier zögert Noomi Rapace im Interview und setzt neu an: „Ich war mir nicht mehr sicher, welcher Anteil Noomi war, welcher Lisbeth. Ich fühlte mich wie in deiner besonderen Mixtur – aber, ja: Ich mag sie. Ich mag ihren Kampfgeist.“

Nachtrag: Am 12. Januar kommt ein amerikanisches Remake des ersten Teils der Trilogie in die deutschen Kinos. Die Rolle der Lisbeth übernimmt die hierzulande unbekannte Rooney Mara, den Journalisten spielt James-Bond-Darsteller Daniel Craig.

(Das Interview wurde auf Englisch geführt und als Video von der betreuenden Pressestelle filmpresskit dem Autor zur Verfügung gestellt. Übersetzung: Autor)

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