
- Norbert Burgmüller - Jakob Becker, 1836
Heinrich Heine natürlich, Robert Schumann und Gustav Gründgens – das sind Künstler, die man mit Düsseldorf in Verbindung bringt. Doch Norbert Burgmüller, wer soll das sein? Der 1810 in Düsseldorf geborene Komponist geriet schon bald nach seinem frühen Tod 1836 in Vergessenheit. Mit einer Ausstellung anlässlich seines 200. Geburtstags ehrt ihn nun das Heinrich-Heine-Institut.
Die Familie Burgmüller
Die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche musikalische Karriere waren gegeben und der Anfang sah vielversprechend aus: Am 8. Februar 1810 wird Norbert Burgmüller in der Mühlenstraße 10 der Düsseldorfer Altstadt in eine hochmusikalische Familie hineingeboren. Der Vater Friedrich August ist Komponist, Musiklehrer, späterer Musikdirektor und ein bekannter Dirigent. Die Mutter Therese, geborene von Zandt, ist Sängerin, Klavierlehrerin und Musikjournalistin. Auch der ältere Bruder Friedrich wurde Musiker und ist heute noch für seine Klavieretüden bekannt.
Ausbildung in Kassel
Als der Vater 1824 starb, geriet die Familie in eine finanzielle Notlage. Hilfe kam von Graf Franz von Nesselrode-Ehreshoven, dessen Kinder die Mutter unterrichtet hatte. Der Graf sorgte auch dafür, dass Norbert Burgmüller 1826 nach Kassel gehen konnte, um dort bei Louis Spohr Violine und Theorie zu studieren. Dort wurde auch 1830 ein Klavierkonzert Burgmüllers aufgeführt, was einen ersten Höhepunkt in seiner Karriere markierte.
Die Krise
Bereits 1829 hatte er sich mit der sechs Jahre älteren Opernsängerin Sophia Roland verlobt. Diese löste die Verbindung jedoch ein Jahr später und starb kurz darauf in Aachen. Dieser Doppelschlag stürzte Burgmüller in eine tiefe künstlerische Krise, er begann zu trinken und auch seine epileptischen Anfälle begannen in dieser Zeit.
Freundschaft mit Mendelssohn Bartholdy und Grabbe
Burgmüller ging zurück nach Düsseldorf und lebte fortan mit seiner Mutter in der Bastionsstraße. Als 1833 Felix Mendelssohn Bartholdy als Musikdirektor nach Düsseldorf kann, freundeten die beiden sich an. 1834 wurde die 1. Sinfonie Burgmüllers aufgeführt, ein zweiter Höhepunkt seiner kurzen Karriere, doch diese Karriere nahm keine Fahrt auf. Eine lokale Berühmtheit wurde er stattdessen für seine Zechgelage, die zusammen mit dem Schriftsteller Christian Dietrich Grabbe in der Kneipe „Zum Drachenfeld“ stattfanden.
Die letzten Jahre
Burgmüller verlobte sich noch einmal, diesmal mit Josephine Collin, Gouvernante der Kinder von Graf Nesselrohde. Doch die Eheschließung verzögerte er, überhaupt sagte man ihm ein unentschlossenes Handeln und Unsicherheit nach. Einen Plan hatte er immerhin noch: Er wollte nach Paris gehen, wo bereits sein Bruder Erfolg als Musiker hatte. Doch bevor es dazu kam, reiste er 1836 zu einem Kuraufenthalt nach Aachen und ertrank dort am 7. Mai in einem Bad. Wahrscheinlich war ein epileptischer Anfall der Grund, vielleicht war es auch ein Freitod.
Anlässlich seiner Beisetzung komponierte Felix Mendelssohn Bartholdy den Trauermarsch a-Moll op 103. Das Grab Norbert Burgmüllers befindet sich heute auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof.
Schwierigkeiten mit dem Leben
Der belgische Komponist François-Joseph Fétis beurteilte Burgmüller als einen „sonderbaren Geist, Feind gesellschaftlicher Gepflogenheiten, sozialer Konventionen und allem Zwang“. Andere Zeitgenossen beschrieben ihn als zurückhaltend, bescheiden und melancholisch.
An seinen Freund Wolfgang Müller von Königswinter schrieb Burgmüller kurz vor seinem Tod: „...Hier nimm die Hand eines Freundes, der seine Freundschaft nur deshalb schwer beweisen kann, weil Leben und Kunst sich verbunden zu haben scheinen, ihm beides möglichst schwer zu machen... [...] denn ich war auf Menschen nicht vorbereitet, glaubte nur an Musik, kannte daher erst nicht die Notwendigkeit, war dann zu dumm, und bin jetzt zu eigensinnig oder vielleicht auch zu stolz, um mich in das Wesen und Treiben der Menschen hineinzufinden“.
Doch so lebensungeeignet er auch gewesen sein mag, an seinem Talent hat keiner gezweifelt. Robert Schumann und Johannes Brahms schätzten ihn; dass er vergessen wurde, konnten seine Bewunderer nicht verhindern. Seit den 1980er Jahren wird er wieder etwas stärker wahrgenommen, doch noch immer gilt: „Aus biedermeierndem Normalnull ragt diese Musik wie eine Kathedrale in der Wüste: kaum zu begreifen, dass sie bisher so wenig beachtet wurde.“ (Stereoplay, 2000).
Ausstellung im Heinrich-Heine-Institut
In der Ausstellung im Heinrich-Heine-Institut werden 130 Exponate ausgestellt, darunter Autografen, Erstdrucke, Porträts und andere Lebenszeugnisse, die den Menschen und Musiker sichtbar machen. Sein Freund Wilhelm Müller von Königswinter hat einen biografischen Text über Burgmüller geschrieben, der 1840 in mehreren Teilen in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ erschien. Zur Ausstellung wird dieser Text nun zum ersten Mal komplett veröffentlicht. Das musikalische Begleitprogramm sieht zahlreiche Termine vor, an denen Burgmüllers Werke zu Gehör gebracht werden. Herauszuheben ist das Gesprächskonzert am 10. April 2010 um 15 Uhr im Heinrich-Heine-Institut mit Tobias Koch, dem führenden Burgmüller-Interpreten.
Einen ersten akustischen Eindruck kann man auf den Seiten der Burgmüller-Gesellschaft gewinnen.
Die Ausstellung „Ich glaubte nur an Musik“ ist zwischen dem 8. Februar 2010 und dem 14. April 2010 im Heinrich-Heine-Institut, Bilker Straße12-14, zu sehen.
Die Öffnungszeiten des Museums
Dienstag bis Freitag, Sonntag 11:00 bis 17:00 Uhr
Samstag 13:00 bis 17:00 Uhr
Quelle: Burgmüller Gesellschaft
