
- Norbert Röttgen - Deutscher Bundestag
Die rot-grüne Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen unter der Sozialdemokratin Hannelore Kraft regiert zum Ausgang des Jahres 2010 ziemlich reibungslos, unauffällig. Sogar mit den oppositionellen Christdemokraten hat es, beispielsweise in der Frage finanzieller Unterstützung der Kommunen, Übereinkünfte gegeben. Allerdings ist der Haushalt noch nicht verabschiedet. Das ist der eigentliche Dollpunkt. Doch seit dem 31. Oktober 2010 mag es der Sozialdemokratin auf dem Regierungsstuhl in Düsseldorf etwas unbehaglicher mit Blick in die Zukunft werden: Denn an diesem Sonntag haben die Christdemokraten in einer Mitgliederbefragung, entgegen allen Prognosen und auch entgegen den Wünschen mancher christdemokratischer Strippenzieher im Lande, den 45 Jahre alten Bundesumweltminister Norbert Röttgen zum neuen Landeschef erkoren.
Mitgliederbefragung als neues Instrument
Eine solche Mitgliederbefragung war neu als Instrument zur Bestimmung des Landeschefs. Zähneknirschend hatten sich etliche alt gediente Landespolitiker im vergangenen August 2010 dem Vorschlag des Berliner Ministers gebeugt, auf diesem Weg einen neuen Landesvorsitzenden in der Nachfolge des nach bitterer Wahlniederlage zurückgetretenen Ex-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zu küren. Für den 6. November 2010 stand dann satzungsgemäß die Wahl auf einem Landesparteitag in Bonn an. In Bonn, und nicht in Düsseldorf.
Duell Röttgen - Laschet
Norbert Röttgen hat die Mitgliederbefragung gegen den früheren Landesminister Armin Laschet gewonnen, der – so sagen Insider – die Nase klar vorn gehabt hätte, wenn es nur ein Votum innerhalb der Parteigremien gegeben hätte. Der frühere Integrationsminister, so schrieb es beispielsweise die Tageszeitung „Die Welt“ bereit im vergangenen August, werde „von den Granden der NRW-CDU unterstützt, nämlich von Fraktionschef Laumann und Generalsekretär Krautscheid“. Und der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth, selbst altgedientes CDU-Mitglied und eng vertraut mit innerparteilichen Strömungen, prophezeite seinerzeit im Gespräch mit Welt online: „Röttgen fordert die gesamte Spitze der Landespartei heraus. Sie besäße im Fall seiner Wahl keine Autorität mehr und müsste ausgetauscht werden, wenn Röttgen Parteichef würde“.
Der „grüne“ Bundesumweltminister
Jetzt wird es der „grüne“ Bundesumweltminister, der nicht aus Düsseldorfer Dunstkreis stammt, sondern aus dem „Bönnsche“. In Meckenheim bei Bonn ist er geboren worden, im benachbarten Rheinbach hat er Abitur gemacht, und an der Universität Bonn studierte er Rechtswissenschaften. Das Thema seiner Doktorarbeit: „Die Argumentation des Europäischen Gerichtshofs – Typik, Methodik, Kritik“. Seit 1994 gehört er dem Deutschen Bundestag an, von 2005 bis 2009 war er dort Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seit dem 28. Oktober 2009 ist er Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit; zunächst von manchem als Leichtgewicht gewertet, inzwischen aber als ein kantiger Politiker – auch in der eigenen Fraktion - anerkannt. Einer, der auch einmal gegen die Parteilinie argumentiert.
„Deutschlands beste Jahre“
Im vergangenen Jahr hat er unter dem Titel „Deutschlands beste Jahre kommen noch“, sein erstes Buch geschrieben. Er nennt es ein „Plädoyer für eine Renaissance, für eine neue Blüte der Politik“. Der Verlag wirbt mit der Schlagzeile „Es ist eine Zeit, die nach politischer Gestaltung schreit“. Diese Schlagzeile hingegen, sagen Spötter am Rhein, könnte von Röttgen selbst stammen und gemünzt sein auf die CDU in Düsseldorf.
