Das ausgedehnte amerikanische Festland erstreckt sich von der Arktis bis nahe an die Antarktis. Im Westen wird es vom Pazifischen, im Osten vom Atlantischen Ozean begrenzt. Amerika besteht aus zwei Kontinenten, die ungefähr seit zwei bis drei Millionen Jahren durch eine Landbrücke miteinander verbunden sind. An ihrer schmalsten Stelle wird diese Brücke heute vom Panamakanal durchschnitten. Nordamerika ist nach Asien und Afrika der drittgrößte Erdteil. Im Westen wird es von zwei rieisgen Gebirgsketten durchzogen: das Küstengebirge und die Rocky Mountains. Auf der schmalen Landbrücke nach Südamerika vereinigen sie sich zu den Kordillieren oder Anden und bilden bis zur Südspitze Südamerikas einen mächtigen Wall gegen den Pazifik.
Ein kleinerer Gebirgszug, die Appalachen, erhebt sich bis in 2000 m Höhe an der Ostküste Nordamerikas. Zwischen ihm und den Rocky Mountains liegen die großen Prärien. Einst wimmelte es hier von Bisons, Präriehunden, Gabelböcken, Präriewölfen und Pumas. Mächtige, wasserreiche Flüsse durchqueren das Land - der Mississippi ist mit seinem großen Nebenfluss, dem Missouri, mehr als 6000 km lang. Zahlreiche Süßwasserseen breiten sich vom Osten bis hoch hinauf in den Nordwesten. Sie entstanden, als die Gletscher der Eiszeit schmolzen. Nordamerika erstreckt sich vom Nordpolarmeer bis an die tropische Zone.
Die Inuit ernähren sich hauptsächlich vom Fleisch der Karibus
So unterschiedlich wie die geografische Lage seiner Gebiete ist auch das Klima und die Pflanzen und Tiere, die dort leben. Hoch im Norden an den Küsten und auf den vielen vorgelagerten Inseln befindet sich die arktische Tundra. Bis auf Zwergbirken und Zwergweiden ist sie baumlos und nur während einer kurzen, eisfreien Sommerzeit gedeihen dort Gräser, Moose und Flechten. Die Inuit, die hier leben, ernähren sich hauptsächlich vom Fleisch der Karibus und der großen Meeressäuger wie Robben und Walrosse. Früher lieferte auch der Moschusochse viel Fleisch und Wolle. Vom Aussterben bedroht, wurden die Restbestände unter Naturschutz gestellt.
An die Tundra schießt sich südwärts eine breite Nadelwaldzone an, die sich über den größten Teil von Alaska und Kanada erstreckt. Hier ist die Heimat vieler Pelz- und Nagetiere. Wo der Nadelwald aufhört, beginnt im westlichen Teil des Kontinents die Prärie. Das östliche Tiefland Nordamerikas ist reich an Laubwäldern und bildet den Lebensraum für Füchse, Hirsche und Biber.
Vor 20.000 Jahren war Nordamerika mit Asien verbunden
Zwischen den beiden großen Gebirgszügen und an der Ostküste der Rocky Mountains besteht das Land größtenteils aus Wüsten. Die feuchtwarmen Luftmassen, die vom Pazifik kommen, regnen sich meist am hohen Küstengebirge aus. Darum leidet der Westen Nordamerikas - mit Ausnahme eines schmalen Küstenstreifens - unter Trockenheit. Dennoch leben hier Bighornschafe, Nabelschweine, Pumas, Nagetiere, Schlangen und viele Vögel. Im Süden sorgt die feuchtwarme Luft aus dem Golf von Mexiko hingegen für eine tropische Flora und Fauna.
Noch vor etwa 20.000 Jahren war Nordamerika mit Asien verbunden. Zwischen Alaska und Sibirien bestand damals eine Landbrücke, über welche manche Tiere und später auch Menschen gewandert sind. Eine Vorreiterrolle übernahmen die Vereinigten Staaten von Amerika beim Artenschutz. Um den Bestand selten gewordener Tiere zu erhalten, wurde im Jahr 1872 der Yellowstone Park gegründet. Er war der erste von 35 Nationalparks. In vielen anderen Ländern wurde die Idee aufgegriffen. Heute gibt es viele Hundert Nationalparks, wo den Tieren ihre natürlichen Lebensbedingungen soweit wie möglich erhalten werden. Außerdem stehen zahlreiche Tierarten unter Schutz.
Quelle: "Großes Handlexikon in Farbe", Verlagsgruppe Bertelsmann, Gütersloh