Norddeutschland - "Natürlich Obst" bietet Tipps und Rezepte

Natürlich Obst - Rezepte aus Norddeutschland - Wachholtz-Verlag
Natürlich Obst - Rezepte aus Norddeutschland - Wachholtz-Verlag
E. Brandt und J. Bernhard präsentieren Geschichten und Rezepte, Traditionen, Gartentipps, Pflegehinweise und Ratschläge zur Lagerung alter Obstsorten.

Heimatliebe - wie klingt das? Ein bisschen altmodisch und verstaubt oder eher tröstlich und anheimelnd, nach Geborgenheit? - Immer mehr Menschen bevorzugen regionale Produkte, um ihren Einkaufswagen zu füllen. Man will wissen, wo her kommt, was demnächst auf dem heimischen Esstisch stehen soll. Diesem Verlangen trägt ein neues Buch aus dem Wachholtz Verlag Rechnung, ein Obstbuch aus dem Norden:: "Natürlich Obst - Sorten, Rezepte und Wissenswertes aus Norddeutschland".

Ein Jahresführer durch das Obstbauernjahr

Das Buch führt durch das ganze Jahr, Monat für Monat. Es beginnt mit der Beschreibung der Winterruhe im Januar und endet mit der richtigen Laerung und einer Beschreibung der Apfelsorten, denen als Weihnachtsäpfel besondere Ehre widerfährt. Drei Seiten am Schluss bieten Kontaktadressen für weitere Informationen und Service, für Ansprechpartner und Baumschulen, außerdem ein Verzeichnis weiterführender Literatur..

Apfelsorten mit Namen, wie man sie im Supermarkt kaum findet

Zahlreiche Apfelsorten werden vorgestellt und mit Abbildungen illustriert. Viele Apfelnamen wird man in den meisten Supermärkten kaum antreffen, zum Beispiel den

  • Seestermüher Zitronenapfel
  • Hadelner Rotfranch
  • Knebusch
  • Stahls Winterprinz
  • Hasenkopf
  • Doppelten Prinz, auch Doppelte Mlone oder Doppelte Nonne genannt
  • oder den Schmalzprinz, den der Autor noch aus seiner Kindheit kennt, als ein solcher Apfelbaum mit seinen "leuchtend rot gestreiften Äpfeln" in der Hofeinfahrt stand. - Leider fand sein Vater die außergewöhnlich weißfleischigen Früchte des langsam wachsenden doch fruchtbaren Baumes "langweilig und ncihtssagend" und sägte den Baum schließlich ab. Schade! Denn für allerlei Apfelkuchen wären seine Früchte sicher gut gewesen.

Vielfältig: Essbare Ebereschen, Apfelbeeren, Kornelfrüchte, Hagebutten und Nüsse im Garten

Dem Apfel, bekanntlich sehr gesund und so verführerisch, dass schon Eva schwach wurde, wird im vorliegenden Buch viel Raum gegeben. - Wer Äpfel liebt, dem sei auch das "Apfelbuch Schleswig-Holstein" ans Herz gelegt. - Aber auch andere in Norddeutschland wachsende Früchte finden Beachtung:

  • Pflaumen; Zwetschgen, Kirschpflaumen und Reinekloden
  • Birnen
  • Kirschen
  • Beerenfrüchten, wie Erd-, Brom-, Him-, Stachel- und Johannisbeeren
  • Apfelbeeren und Wilderdbeeren
  • Rhabarber
  • Schlehen
  • Kornelfrüchte
  • Hagebutten
  • die Früchte der "Essbaren Eberesche"
  • und Nüsse

Rezeptteil von J. Bernhard: Weihnachtseintopf Tautokes, Ägyptischer Kloß mit Stachelbeeren

Der von Judith Bernhard zusammengestellte Rezeptteil erstreckt sich über die letzten 35 Seiten des Buches und macht mit gelungenen Fotos Appetit auf Fruchtiges. Er bietet Klassiker, wie Bohnen, Birnen und Speck oder Steckrübeneintopf, wahrhaft Historisches wie das Rezept für "Rührey mit Äpfeln" oder das für "Tautokers", den traditionellen Weihnachtseintopf aus der Region Stade, und es stellt einige interessante Rezepte vor, von denen man wohl kaum je gehört hat. Ein Beispiel ist der "Ägyptische Kloß", ein Rezept der Pomologin Dr. Annette Braun-Lüllemann, in den (norddeutsche) Stachelbeeren hinein gehören. Und Hand aufs Herz: Kennen Sie etwa Apfel-Lasagne? - Alle Rezepte sind leicht nachzukochen und benötigen in der Regel nur wenige Zutaten.

E. Brandt - Obstbauer und Historiker erzählt über Wundheilungsmethoden und Nützlingspflege

Eckart Brandt erfreut mit Hintergrundinformationen und zeigt, wie ein Obstbauer denkt, der eben auch Historiker ist. Er hat viel zu erzählen über Ursprungsformen und Traditionen. Für Verletzungen der Obstgehölze, die bei der Pflege nicht ausbleiben, zeigt er dem Leser geeignete Wundheilungsmethoden und über die Nützlingspflege hat er gleich mehrere Seiten geschrieben. Zitat: "Die beste Grundlage für das Gelingen einer Obstkultur ist die Einbettung der Obstbaumpflanzung in eine Umgebung, in der eine große ökologische Vielfalt und ein biologisches Gleichgewicht herrschen. Bis zu 1000 Tierarten können auf einem Hochstamm-Apfelbaum existieren, aber nur, wenn er auf einer extensiv genutzten Umgebung steht ..."

Eckart Brandt ist von Haus aus Historiker, praktiziert aber als Bio-Obstbauer und kann auf eine fast 30-jährige Erfahrung verweisen, wenn es um das Obst seiner Heimatregion geht. Er weiß, welche Obstsorten besonders robust sind, und zeigt, welche Pflege sie benötigen. Seine Frau Judith Bernhard ist gelernte Hauswirtschaftsleiterin und passionierte Hobbyfotografin. Sie sorgte für die Zusammenstellung traditioneller sowie neuer Obstrezepte.

Eckart Brandt, Judith Bernhard, Natürlich Obst - Sorten, Rezepte und Wissenswertes aus Norddeutschland, gebunden, Wachholtz-Verlag 2011, 144 Seiten, 16,80 Euro.

Sigrid Ruth Stephenson, Sigrid Ruth Stephenson

Sigrid Stephenson - Als Zehnjährige begann ich, meiner kleinen Schwester aus dem Stegreif Geschichten zu erzählen. Etwas später setzte unser ...

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