
- Schleswig-Holstein-Flagge - Thies Völker 2009
Friesisch ist eine westgermanische, mit Englisch, Niederdeutsch und Altsächsisch verwandte, Sprache mit zahlreichen, sich zum Teil erheblich unterscheidenden Dialekten. Der friesische Sprachraum umfasste zur Zeit seiner größten Ausdehnung im frühen Mittelalter die, abgesehen vom schleswig-holsteinischen Dithmarschen, gesamte Nordseeküste von dänischen Tondern bis zur heutigen niederländisch-belgischen Grenze. Heute wird Friesisch von etwa 300.000 bis 400.000 Einwohnern der nordniederländischen Provinz Friesland in der Varietät Westfriesisch gesprochen. Das im eigentlichen Ostfriesland seit den 1930er Jahren ausgestorbene Ostfriesisch hat in einigen abgelegenen, von ostfriesischen Bauern gegründeten Dörfern des zu Oldenburg zählenden Saterlandes überdauert. Der auch „Saterfriesisch“ genannte Dialekt hat noch etwa 500 ständige Sprecher und steht damit, realistisch betrachtet, kurz vor dem Aussterben.
Vom Aussterben bedrohtes Nordfriesisch
Auf dem nordfriesischen Festland zwischen Eider und Tondern (inklusive des etwa fünf Kilometer breiten, nördlich der deutsch-dänischen Grenze liegenden „Dänisch-Frieslands“) und vor allem auf den nordfriesischen Inseln konnte sich (Nord-)Friesisch als lebendige und geschützte, wenn auch in ihrem Bestand ernsthaft gefährdete Sprache noch halten.
Nordfriesisch wird zur Zeit von etwa 10.000 der etwa 170.000 im Kreis Nordfriesland, auf der zum Kreis Pinneberg gehörenden Insel Helgoland und in Dänisch-Friesland lebenden Menschen gesprochen beziehungsweise verstanden. Dabei konzentriert sich das eigentliche Sprachgebiet auf das küstennahe Festland zwischen Bredstedt und dänischer Grenze sowie auf die Inseln und Halligen. In den jüngeren Generationen wird Nordfriesisch kaum noch gesprochen, lediglich in der Festlandsgemeinde Risum-Lindholm sowie in einigen Dörfern der Inseln Amrum und Föhr gibt es noch viele Familien, in denen Friesisch als generationenübergreifende Alltagssprache von Bedeutung ist.
Zwei Hauptformen und ein halbes Dutzend Unterdialekte
Das viele dänisch-jütische Lehnwörter aufweisende Nordfriesisch wird in die Hauptdialektformen Inselfriesisch und Festlandsfriesisch unterteilt. Zum Festlandfriesischen gehören die Dialekte Wiedingharder, Bökingharder, Karrharder, Nodergoesharder und Mittelgoesharder Friesisch sowie das Halligfriesisch. Syltring, Föhring-Amring und Halunder (Helgoländisch) bilden die Gruppe der inselfriesischen Dialekte.
Bemühungen zum Erhalt des Nordfriesischen
Die Gründe für den quantitativen Rückgang des in der Mitte des 19.Jahrhunderts noch von etwa der Hälfte der regionalen Bevölkerung gesprochenen Nordfriesischen sind vielfältig. Neben dem Einfluss von Tourismus und elektronischen Medien war die Schulpraxis des 19. und 20. Jahrhunderts, die lediglich Hochdeutsch als Unterrichtssprache zuließ, trotz der seit den 1920er Jahre zunehmenden sprachpflegerischen und kulturellen Initiativen wie „Foriining for nationale Friiske“ (1923) von entscheidender Bedeutung für den Rückgang der nordfriesischen Sprache. Seit etwa 40 Jahren wird auch von staatlicher Seite in Verbindung mit Einrichtungen wie dem 1965 gegründeten, wissenschaftlichen „Nordfriisk Instituut“ in Bredstedt versucht, Nordfriesisch als kulturelles Identitätsmerkmal der Region im Bewusstsein der Bewohner verstärkt zu verankern. So werden in den Schulen mittlerweile Nordfriesisch-Kurse angeboten. Der akademische Nordfriesen-Auftritt umfasst an der Universität Kiel neben der seit 1950 an der Universität Kiel arbeitenden „ „Nordfriesischen Wörterbuchstelle“ seit 1978 einen Lehrstuhl für Friesisch.
Friesisch- Gesetz
Daneben wurde durch verschiedene gesetzgeberische Maßnahmen wie dem Ende 2004 in Kraft getretenen „Gesetz zur Förderung des Friesischen im öffentlichen Raum“ (Friesisch-Gesetz) der rechtliche Rahmen zum Schutz des Friesischen erweitert. So ist Friesisch eine im Behördenverkehr zu akzeptierende Sprache geworden, offizielle Bekanntmachungen werden oft zweisprachig veröffentlicht, die Ortsschilder und sonstigen offiziellen Beschilderungen im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland sind ebenfalls zweisprachig und die Beherrschung der friesischen Sprache gilt als Einstellungsmerkmal für spezielle Verwendungen im öffentlichen Dienst auf Landes- und Kommunalebene.
Literatur:
- Harald Haarmann, Soziologie und Politik der Sprachen Europas, München 1974
- Horst Haider Munske, Handbuch des Friesischen, Tübingen 2002
- Thomas Steensen / Christina Tadsen, Friescih und die Mehrsprachigkeit im Sprachenland Nordfriesland; in: Thomas Steensen (Hrsg.), Das große Nordfriesland-Buch; Hamburg 2000, S.234-241
