
- Beiderlei Korea: bis an die zähne bewaffnet - Public Domain Pictures
Am 19.Dezember 2011 frühmorgens flog eine Eilmeldung um den Globus. Kim Jong Il, Herrscher über Nordkorea, ist tot. Jener Mann, der in aller Welt als Inbegriff des Alleinherrschers galt und den der frühere US-Präsident George W. Bush zur „Achse des Bösen“ rechnete, starb den offiziellen Meldungen zufolge während einer Zugfahrt an Herzversagen.
Kim Jong Il: Von Beruf Playboy?
Obwohl 1942 geboren, war Kim Jong Il der Weltöffentlichkeit bis 1997 nahezu unbekannt. Er war nämlich der Sohn des nordkoreanischen Staats- und Parteichefs Kim Il Sung – und unter dessen Politik hatte sich die „Volksrepublik Korea“ derart abgeschottet und in einen Personenkult hinein gesteigert, dass der ganze Welt jahrzehntelang nur zwei Persönlichkeiten aus Nordkorea ein Begriff waren: Kim Il Sung – und der Fußballspieler Pak Do Ik, der 1966 bei der Fußball-WM in England das sensationelle Siegtor gegen Italien schoss.
Wie es mit den Söhnen reicher und/oder mächtiger Väter oft geschieht – Kim Il Sung erwarb sich den Ruf eines verwöhnten Playboys, der für französischen Cognac, Hollywood-Filme und schöne Schauspielerinnen schwärmte und überhaupt ein Luxusleben führte. Diese Manieren soll der „große Führer“ auch nach seiner Amtseinführung als Staatschef nicht abgelegt haben.
Nordkorea: Mit „Juche“ in den Untergang?
Die Politik der Familie Kim fand weltweit fast nur Verachtung. Kim Il Sung wie auch sein Sohn setzten in Form von „Juche“ (Koreanisch für Autarkie) auf eine Karte, die schon Nazi-Deutschland in den Zweiten Weltkrieg und Ceausescus Rumänien in den Bankrott getrieben hat: Der Irrglaube, ein Land könne sich ausschließlich selbst versorgen, ließ schätzungsweise allein in den 1990er Jahren fast zwei Millionen Koreaner elendig verhungern. Wer gegen dieses Los aufmuckte, bekam die harte Hand der Regimes zu spüren: In den Arbeitslagern Nordkoreas sind derzeit vermutlich fast 200.000 Menschen inhaftiert.
Dass Nordkorea trotz seiner kaum zu kaschierenden nackten Armut als „Schurkenstaat“ gilt, hat seine Wurzeln in seiner Atompolitik: Nicht nur innerhalb des Landes witterte die Staatsführung Feinde und Verräter, die es abzuschrecken galt. Im Jahre 2006 schockte Nordkoreas allererster Atomwaffentest nicht nur die asiatische Welt: Hatte US-Präsident Bush mit seinen belächelten Pauschalverurteilungen der „Achse des Bösen“ doch recht gehabt, jedenfalls was Nordkorea betraf?
Kim Jong Un: Der neue „große Führer“?
Kim Jong Un, der jüngste Sohn des Kim Jong Il (der Älteste reiste ohne Erlaubnis nach Japan, um sich Disneyland anzusehen, der zweitälteste gilt als „nicht männlich genug“, was immer das heißen mag) soll bereits in den letzten Jahren zum Nachfolger seines Vaters aufgebaut worden sein, als es diesem offenbar immer schlechter ging. Erst im September 2010 wurde er ins Politbüro der kommunistischen Partei und zum Vizechef der Militärkommission berufen: Vier-Sterne-General mit 27 Jahren. Die staatliche Nachrichtenagentur KNCA rief ihn bereits zum „Großen Nachfolger und herausragenden Führer“ der Staatspartei aus, dem alle Beamten, Bürger und Parteimitglieder bedingungslos zu folgen hätten.
Kim Jon Un ist im Ausland bislang ein ebenso unbeschriebenes Blatt, wie es sein Vater einst gewesen war. Und obwohl Kim Jong Il noch selbst "die Weichen gestellt" hat, ist die Herrschaft des Sohnes noch keineswegs wirklich gesichert: Es sei fraglich, so informierte Kreise, ob ihn die Alte Garde der Parteiführung akzeptieren wird.
Nicht nur an der Wortwahl der KNCA und den oben beschriebenen Mitteln der Machterhaltung lässt sich ablesen, dass der angebliche „Kommunismus“ Nordkoreas mit sozialistischen Wurzeln längst nichts mehr gemein hat und sich fast schon eher mit faschistoiden Systemen vergleichen ließe. Die „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“- Einstellung der Staatsführung machte bislang jeden Kompromiss etwa mit Südkorea kurz über lang zunichte: Beide Staaten befinden sich nach offizieller Lesart bis heute im Kriegszustand, denn der Koreakrieg endete 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand, nicht mit einem Friedensvertrag.
Südkorea und Japan: Truppen in Alarmbereitschaft
Solange der „junge Kapitän“ seine Machtstellung festigt, heißt es, sei mit neuen Provokationen im Konflikt mit Südkorea nicht zu rechnen. Weil aber, um einen Ausspruch Konfuzius´ abzuwandeln, „Vernunft noch nie die erste Eigenschaft war, die einem beim Stichwort Nordkorea einfällt“, sind sich die bewaffneten Streitkräfte Südkoreas seit der Todesnachricht ebenso in Alarmbereitschaft wie das Verteidigungsministerium in Tokio: Japan und Korea sind sich seit Jahrhunderten nicht wirklich grün, die japanische Besetzung der Halbinsel in der Mitte des 20. Jahrhundert ist speziell in Nordkorea nicht vergessen: Staat und Partei Nordkoreas haben das Reich der aufgehenden Sonne noch stets als potentiellen Feind Nr.1 aufgebaut.
Auch China beobachtet die Entwicklung, wenn auch offiziell „Beileid“ bekundet wird, mit Sorge. Schließlich ist das Reich der Mitte das unmittelbare Nachbarland Nordkoreas. Hinter Japan und Südkorea aber stehen die Vereinigten Staaten; Präsident Barack Obama hat sich persönlich in die Beratungen eingeschaltet. Erst im März 2010 hatte ein Aufflammen des Bruderkrieges in Korea gerade noch verhindert werden können.
Internet: tagesschau.de vom 19.12.2011, heute.de vom 19.12.2011, n-tv.de vom 19.12.2011
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