Nordkorea muss verhandeln

Kim Jong-il und sein Atomwaffenprogramm

Es ist eines der ärmsten Länder der Welt. Während die Bevölkerung hungert, investiert Diktator Kim Jong-il alles in sein Atomwaffenprogramm und das Militär.

George Bush zählt es zur Achse des Bösen, Journalisten haben es immer noch schwer, über das Land zu berichten und die Bevölkerung leidet seit Jahren unter Hunger und absoluter Armut. Die Rede ist von Nordkorea, dem abgesehen von Kuba letzten realsozialistischen Staat dieser Erde. Sowohl Kim Jong-il, als auch sein verstorbener Vater Kim Il-sung prägen mit ihrem Familienclan seit Jahrzehnten das politische Bild der Demokratischen Volksrepublik Korea. Das Atomwaffenprogramm, aber auch Waffenlieferungen haben Nordkorea in den letzten Jahren immer wieder auf die Agenda der Vereinten Nationen gebracht. Wenn nicht eine Lösung im Konflikt um das Atomwaffenprogramm gefunden wird, könnte es zu einer größeren internationalen Krise kommen, eventuell zu einem ähnlichen Einsatz wie im Irak. Doch wie kam es überhaupt zu diesem Programm und den Provokationen Richtung Westen?

Zwischen China und der Sowjetunion

Die Geschichte Nordkoreas beginnt mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die koreanische Halbinsel wurde bis dato von Japan regiert und das Volk unterdrückt. Da Japan zu den Kriegsverlierern zählte, wurde Korea unter den USA und der Sowjetunion in zwei Besatzungszonen aufgeteilt. Seitdem trennt Nord- und Südkorea die demilitarisierte Zone. Der Norden Koreas stand seit dem Zweiten Weltkrieg vor allem unter dem Einfluss der Sowjets, aber auch der Chinesen.

Bereits im Jahre 1946 trat Kim Il-sung an die Spitze der Kommunistischen Partei, ab 1949 war er Vorsitzender der neu gegründeten „Partei der Arbeit Koreas“. Wie gesagt, wollten sowohl die Sowjetunion als auch China ihre Philosophie des Kommunismus in Nordkorea durchsetzen. Kim Il-sung schlug sich nach der Kubakrise 1962 auf die Seite der Chinesen, da er die sowjetische Politik als zu schwach empfand. Ähnlich wie Mao Tse-tung schuf Kim Il-sung um seine Person einen Kult sondergleichen. Dafür spricht nicht nur, dass das Amt des Staatspräsidenten nach seinem Tod 1994 nicht wieder besetzt wurde. Denn Kim Il-sung gilt als „ewiger Präsident“. Sein Sohn Kim Jong-il übernahm nach seinem Tod den Posten des Generalsekretärs der „Partei der Arbeit“ sowie den Vorsitz der Verteidigungskommission. Somit herrscht seit Gründung Nordkoreas der Clan der Kims.

Letzte kommunistische Bastion

Nachdem die Sowjetunion zusammengebrochen ist und sich China immer mehr dem Westen öffnet, hält Kim starr an seinem kommunistischen Konzept fest. Dies trieb Nordkorea noch mehr in die internationale Isolation. Um die Stärke des Landes und damit des Kommunismus zu demonstrieren, investiert Nordkorea fast ausschließlich in das Militär und in sein Atomwaffenprogramm. Immer wieder werden daher in der Hauptstadt Pjöngjang große militärische Paraden abgehalten. Ein Indiz für die Konzentration auf die militärische Stärke ist die mit über eine Millionen Soldaten zweitgrößte Armee ganz Asiens.

Nordkorea versteht sich als letzte Bastion des Kommunismus und möchte diese auch weiterhin wehrhaft verteidigen. Daher sind die Verhandlungen über das Atomwaffenprogramm auch sehr schwierig und bis vor kurzem nur von wenig Erfolg gekrönt gewesen. Während die Regierung das meiste Geld für das Militär ausgibt, muss die Bevölkerung schon seit Jahren Hunger und Armut leiden.

Armut und Verhandlungen

Eine wirklich verlässliche Studie zur Armut in Nordkorea ist nicht vorhanden, da Nordkorea sich völlig abschottet. Dennoch geht die Welternährungsorganisation davon aus, dass etwa acht Millionen Menschen in Nordkorea chronisch unterernährt sind. Die letzte Hungersnot führte indes dazu, dass Kim Jong-il eingestand, über sein Atomwaffenprogramm zu verhandeln. China erklärte sich bereit, 400.000 Tonnen Reis zu liefern. Im Gegenzug legte Nordkorea eine wichtige Nuklearanlage still. Im letzten Jahr gab es dann weitere Fortschritte in den Verhandlungen.

Sollte Nordkorea von der Liste der Terrorstaaten genommen werden und die USA zu bilateralen Gesprächen bereit sein, wäre Kim Jong-il wohl bereit, über die Atomwaffen zu verhandeln. Außerdem entspannte sich die Lage zwischen Nord- und Südkorea. Im Herbst letzten Jahres trafen sich beide Staatsoberhäupter bereits zum zweiten Mal. Bei diesem Treffen wurde vereinbart, dass Friedensverhandlungen aufgenommen werden sollen. Dass Nordkorea diesen Weg einschlägt und eventuell auch internationale Hilfe annimmt, wird höchste Zeit. Denn das Land ist absolut heruntergewirtschaftet, es gibt keine Meinungs- oder Pressefreiheit und jedes Jahr sterben tausende Menschen an Hunger oder Krankheiten.