Nordpol schon in wenigen Jahren eisfrei

Expedition bringt neue Erkenntnisse über die Folgen des Klimawandels

Polarkreis - low500
Polarkreis - low500
Die Ergebnisse einer britischen Polarexpedition prognostizieren ein durch den Klimawandel bedingtes Abschmelzen des Arktiseises bis spätestens 2040.

Man hat sich ja eigentlich schon dran gewöhnt: an die schlechten Nachrichten über Klimawandel und Umweltzerstörung. Hier ist mal wieder eine: Der deutsche Expeditionsleiter und Abenteurer Arved Fuchs hat Mitte Oktober 2009 in Hamburg von den Beobachtungen seiner letzten Arktisexpedition berichtet. Dabei wird mal wieder deutlich: Der Klimawandel schreitet rasant voran, viel schneller als von vielen Forschern prognostiziert. So weit nichts Neues. Schockierend wirkt hingegen die Prognose einiger Forscher, dass die Arktis bereits 2030 in den Sommermonaten eisfrei sein könnte. Die dazu passende plastische Vorstellung ist beängstigend: Die Arktis eisfrei, das „ewige Eis“ verschwunden – was vor kurzer Zeit noch undenkbar erschien, könnten jetzt viele von uns noch direkt erleben!

Die Wucht dieser Vorstellung hat den voranschreitenden Klimawandel dann auch mal wieder in die Medien katapultiert. Und das zum ersten Mal seit Langem - hatte doch die globale Wirtschaftskrise den Eindruck vermittelt, dass es wichtigere Dinge auf der Welt gibt, als sich um unsere Überlebensgrundlagen zu kümmern.

Studie belegt Auswirkungen des Klimawandels

Während Arved Fuchs in Hamburg von seinen Erlebnissen berichtet, stellt der britische Forscher Pen Hadow in London eine Studie vor, die die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Polarexpedition zusammenfasst. 73 Tage hatte diese Expedition gedauert, bei der das Eis- und Packeis systematisch vermessen wurde. Dabei wurden mehr als 6.000 Daten über die Dicke und Dichte der Eisschichten gesammelt. Aus dieser fundierten und belastbaren wissenschaftlichen Studie geht hervor, dass der Nordpol durch die Erderwärmung bis spätestens 2040 zumindest im Sommer vollkommen eisfrei sein wird. Es gibt offenbar quantitative Unstimmigkeiten zwischen den verschiedenen Prognosen, aber die qualitative Aussage bleibt immer gleich: Das Eis am Nordpol schmilzt schnell und es wird ganz verschwinden.

Die Folgen des Abschmelzens des Polareises

Das Abschmelzen der nördlichen Polarkappe würde vielschichtige und weitreichende Konsequenzen haben: So könnte das Nordpolarmeer in weniger als zehn Jahren eine gefahrlos passierbare Wasserstraße werden. Europa, Kanada, Russland und die USA würden im Norden enger zusammen rücken. Neue Handelsrouten müssten erschlossen werden.

Aber man darf sich nichts vormachen: Die gravierendsten Konsequenzen des Klimawandels würden negative Konsequenzen sein, verheerende Konsequenzen. „Das Abschmelzen der Polarkappen könnte Überschwemmungen nach sich ziehen, von denen ein Viertel der Weltbevölkerung betroffen sein könnte“ befürchtet Martin Sommerkorn, Klimaexperte des WWF. Auch ist es wahrscheinlich, dass das Schmelzen dieser gigantischen Eismassen weitere Kettenreaktionen hervorruft. Beispielsweise könnte dies auch Auswirkungen auf den Golfstrom im Nordatlantik haben – und was dies bedeutet, kann und mag man sich nicht vorstellen.

Falsche Schlussfolgerungen aus den Warnsignalen

Es ist unstrittig, dass das Abschmelzen des Polareises eine Folge des menschengemachten Klimawandels ist. Durch Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle haben sich große Mengen des Klimagases CO2 in der Atmosphäre angesammelt, die nun ein Aufheizen des globalen Klimas bewirken. Die Folgen dieses Prozesses sind bereits weltweit spürbar – und können nun auch in der Arktis beobachtet werden.

Das Einzige, was einigen Menschen dazu einfällt: Bald kann man nun in der eisfreien Arktis nach Öl bohren. Große Mengen Öl und Gas werden unter der dicken Eisschicht im Norden vermutet. Der Run darauf hat bereits begonnen: Die neuen Ölbohrlizenzen und Explorationsgenehmigungen sind heiß begehrt. Viele Menschen haben offenbar noch immer nicht verstanden, was passiert, warum das passiert und was auf dem Spiel steht. Und sie ziehen falsche Schlüsse aus den Warnsignalen: Das Abschmelzen des Polareises kann und darf nicht bedeuten, dass noch mehr Öl verfeuert wird. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass das Zeitalter der fossilen Energien bald endgültig zu Ende geht, zu Ende gehen muss.

Stefan Heimann, Stefan Heimann

Stefan Heimann - Ich habe Elektrotechnik und Philosophie in Aachen und Berlin studiert und beschäftige mich sehr viel mit Umwelt- und Klimaschutz und ...

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