Boofen in der Sächsischen Schweiz

Notwendigkeit oder Naturerlebnis?

Das Boofen ist für die einen schlichte Übernachtungsmöglichkeit nach einer harten Wandertour und für die anderen eine neue Naturerfahrung.

Romantisch bis pragmatisch erklärt gehört das Boofen zu einer Tradition, die sich in den letzten 100 Jahren mehr und mehr von der Notwendigkeit hin zum Naturerlebnis entwickelt hat. Die Ursprünge des Boofens sind ebenso vielseitig wie notwendig: Die ersten Boofen wurden als Unterschlüpfe für Raubüberfälle genutzt, später hielten die Höhlen als Versteck für die Herstellung von Flugblättern her und gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fanden Einige im Sandstein einen sicheren Zufluchtsort vor der drohenden Einberufung.

Boofen aus unterschiedlichen Gründen

Mit der zunehmenden Popularität des Bergsportes wurden die Felsüberhänge zur Alternative für damals kaum vorhandene Übernachtungsmöglichkeiten in der Region. Die morgendliche Nähe zum Berg scheint auch heute noch einer der Hauptgründe für das Nächtigen in freier Natur zu sein. Zwar gäbe es laut Dr. Jürgen Stein, Leiter des Nationalparkamtes Sächsische Schweiz, kein "Monitoring" über Boofaktivitäten, Befragungen aus den Jahren 1997 und 2000 hätten jedoch ergeben, dass bis zu 80 Prozent der "Freilandübernachtungen" im Zusammenhang mit Bergsport erfolgten. Die Gründe für das übrige Fünftel, sich mitten in den Wald zu legen, sind unterdessen tatsächlich eher romantischer Natur. Roman M., Student und Gelegenheitsboofer begründet den Reiz mit der unmittelbaren Nähe zur Natur: "Man ist in einem Rückzugsgebiet aus Stress und Lautstärke des Alltags, nur mit dem Wetterschutz, den dir die Natur bietet."

Früher war es populärer

Das sind aber auch scheinbar Gründe für die in den letzten Jahrzehnten weiter zurückgehenden Zahlen der Boofer. "Die Menschen sind einfach zu bequem geworden, man kann nicht mit dem Auto an die Boofen ran fahren und Feuer sind auch verboten", so Ludwig Trojok, Vorstand des Sächsischen Bergsteigerbundes. Ob die zurückhaltende Informationspolitik der Ämter und Bergsportverbände ein weiterer Grund für diese Zahlen sein könnten, bleibt unklar. Fakt ist, dass im Zusammenhang mit der Bergsportkonzeption 2002, die die Nationalparkverwaltung mit den Bergsportverbänden entwickelte, neben der Legalisierung auch eine Liste mit 57 amtlich genehmigten Boofen erstellt wurde. Fakt ist aber auch, dass besonders jene, die von der Legalisierung am ehesten profitieren, die Bergsteiger und Boofer, die größten Vorbehalte gegenüber besagter Liste haben. "Diese Listen sind Bewerbung und wir sind uns mit dem Sächsischen Bergsteigerbund einig, dass wir das Werben fürs Boofen unterlassen", erklärt Ludwig Trojok und fügt hinzu: "Es war ein langer Kampf, dass es überhaupt wieder legal wird." Er steht mit seiner Meinung nicht allein. Die Boofer beziehen Informationen über gute Boofen lieber durch Mund-zu-Mund-Propaganda: "Boofen sollte nicht vermarktet und beworben werden, denn die Gefahr, dass die Natur darunter leidet, ist zu groß", begründet Roman M. seine skeptische Haltung. Es bestünde die Gefahr, dass die Leute weniger wegen des Naturerlebnisses boofen gingen, sondern nur aus Spaß.

Nicht für jeden?

Dass das Naturerlebnis zunächst nur den Kletterern erlaubt war, stieß vielen sauer auf und so wurde der Absatz in der Bergsportkonzeption, der das Boofen nur in Verbindung mit Klettersport gestattet, ein Jahr später novelliert und abgeschafft. Die Gefahr der Elitenbildung sieht Roman M. nicht: "Boofen sollte jedem zugänglich sein, nicht nur den Bergsteigern, aber man sollte stets die Naturerfahrung und den Umgang mit der Natur als wichtigstes Element in den Vordergrund stellen" und jene, die sich für das Thema interessieren finden Mittel und Wege, an die entsprechenden Informationen zu gelangen.

Die Sache mit dem Feuer

Herrscht bei der Thematik der Liste noch Einigkeit unter den Parteien, sind die Positionen bei der Problematik Feuer dagegen genauso unterschiedlich wie fest. Überzeugte Boofer begründen ihren Wunsch nicht nur mit einer Tradition, sondern auch mit der Tatsache, dass es im Winter ohne ein wärmendes Feuerchen sehr ungemütlich sei. Die Nationalparkverwaltung hingegen verweist auf § 15 des Sächsischen Waldgesetzes, wonach das Entfachen eines Feuers überall verboten ist. Die Strategien der Boofer reichen von Verständnis ("Ich halte das durchaus für vertretbar", Roman M.), über Geduld ("Wir sind da hartnäckig dran", Ludwig Trojok) bis hin zu Ignoranz. So wurden nach Aussage von Matthias Böttger, Sachgebietsleiter der Nationalparkwacht im Jahr 2005 62 Ordnungswidrigkeiten wegen Feuers festgestellt. Die Dunkelziffer hält er für größer: "Das ist nur der Teil, der sich erwischen lassen hat. Das wirkliche Potenzial ist wesentlich höher." Ob sich aus den Verhandlungen zwischen den Bergsteigern und der Nationalparkverwaltung konkrete Ergebnisse für eine Lagerfeuererlaubnis ergeben, ist nicht absehbar, und so wird man sich wohl weiter auf Kleinkochgeräte und Teelicht beschränken.

Eines scheint dagegen klar: Die Natur profitiert auf jeden Fall von den strengen Regelungen und der zurückhaltenden Informationspolitik der Ämter und Verbände. Eine extreme Müllsituation habe es laut Ludwig Trojok sowieso nur zu DDR-Zeiten gegeben und Roman M. hat Müll und Schmutz in den letzten Jahren kaum bemerkt. Die Boofen seien sauber und ordentlich, was dazu führt, dass man seinen Müll automatisch mitnimmt. Und so wird die ominöse Liste auch weiterhin einen sehr mystischen Charakter haben und das Boofen als solches kaum über die Grenzen der Region hinaus bekannt werden - was im Bezug auf die Auswirkungen auf Natur und Umwelt letztendlich sogar wünschenswert ist.

Julia Hoffmann - - seit 2004 freie Journalistin - zuhause in den Themen IT, Lokales, Familienpolitik, Kultur und exklusiv für Suite101 im ...

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