Noumea und Ile des Pines – Neukaledoniens mondäne Südsee-Perlen

Ile des Pines, Baie d'Upie - Nouvelle-Calédonie Tourisme
Ile des Pines, Baie d'Upie - Nouvelle-Calédonie Tourisme
Noumea und die Ile des Pines sind zwei der schönsten Reiseziele der Südsee, ein gelungener Mix aus melanesischer Kultur und der Exotik der Lagunen-Inseln.

Im Kontrast zu den konservativen Kanaken der Loyautés, die sich nur zögerlich für Touristen begeistern, sind die Einheimischen der Île de Pins abgebrühte Profis. Auf diesem „Juwel des Südpazifiks“ floriert schon seit Jahrzehnten das Geschäft mit südseesüchtigen Urlaubern. Gut, die ersten Gäste kamen unfreiwillig – Deportierte des Pariser Kommuneaufstands (1871) und rebellische Berber (1881) – aber gefallen hat es ihnen auf der Pinieninsel. Jetzt kommen die ausländischen Besucher aus Lyon, Berlin, Melbourne, Auckland und Tokio. Besonders beliebt bei den Japanern sind Kurz-Trips mit dem Wasserflugzeug, inklusive Schnorcheln und Champagner-Picknick. Die winzige paradiesische Insel (17 mal 14 Kilometer), nur ein Zwanzig-Minuten-Hopser mit dem Flieger von Nouméa entfernt, ist das Territorium der Kuniés, Austro-Melanesiern, die sich im 17. Jahrhundert. mit Einwanderern aus Wallis und Futuna vermischten.

Ile des Pines, Neukaledoniens paradiesische Pazifik-Insel

Die polynesische Integration änderte Kultur und Sprache, und bescherte den Kuniés als einzige Nation Neukaledoniens die Kunst der Astro-Navigation, und die Gabe, große Doppelrumpfkanus (pirogues) zu bauen, mit denen sie ausgedehnte Kriegszüge gegen Stämme auf Grand Terre durchführten. Gefangene wurden für ausschweifende Fressorgien gut durchgekocht und verspeist. Diese Zeiten sind vorbei. Heute isst man bougna, Taro-, Kassava- oder Batatenscheiben, mit Fleisch, Fisch und Kokoscreme vermischt, in Bananenblättern gewickelt und im Erdofen gegart. Oder Salade Tahitienne (roher marinierter Fisch). Dazu schlürft man den Trend-Drink Kava, aufgegossener Wurzelextrakt eines Pfefferstrauches (aus Vanuatu importiert) oder Number One, das lokale Bier aus der Hauptstadt Nouméa.

Pirogen in den Lagunen, ein perfektes Bild der Südsee

Die Pirogen segeln noch immer, im Südosten der Insel, in den fischreichen Lagunen rund um Koutono. Ein Anblick voller Stille und Schönheit, wenn eine Flottille von sechs bis acht Booten mit geblähten Lateinsegeln vor dem Wind läuft, die Fischer Treibjagd machen auf Tune, Doraden und Barrakudas. Zwei Kilometer westlich: das Dorf der Fischer – Vao, größte Ansiedlung der Pinieninsel. Romantisch, idyllisch, bescheiden. Hier möchte man bleiben. Am Hang des Pic N’ga steht die alte katholische Kirche, die wie eine Glucke über Menschen und Mauern wacht und wohlwollend auf Schulkinder schaut, die zum Mittagessen ins Missionshaus rennen. Feuerrot das Blütenmeer der Flammenbäume. An den Zweigen hängen Bojen und Netze, flattert die Wäsche fröhlich in der steten Seebrise. Unten am Strand eine merkwürdige, im Kreis angeordnete Formation silbergrauer verwitterter Totempfähle: Tiergesichter, Dämonenfratzen mit raus gestreckter Zunge, Phallussymbole. Sie schützen die Heiligenstatue von Saint Maurice, die auf einer Korallenplattform thront.

Ile des Pines – Südsee pur und die Exotik Melanesiens

Endstation Sehnsucht könnte Kuto sein, ein (fast) perfektes Bild vom Paradies: zwei puderfeine Sandsicheln an jadegrünen Buchten. Kerzengrade bohren sich Araukarien (Pinien) in das Kobaltblau des Himmels. In der seichten Lagune ziehen Schnorchler ihre Bahnen, auf der Suche nach Einhornfischen, Meeresschildkröten und Nautilusgehäusen. La Roche, der pilzförmige Felsen in der Baie de Kanumera ist nachts Liebestreff sinnesfreudiger Honeymooner, denn einen besseren Platz gibt es auf der ganzen Insel nicht. Tagsüber ist er das meistfotografierte Motiv japanischer Reisegruppen. Nummer zwei in der Beliebtheitsskala ist die Baie d’Oro, zwar abgelegen und erst seit einigen Jahren zugänglich – aber wunderschön. Man watet einige hundert Meter durch das knietiefe, lauwarme Wasser eines Sundes, folgt einem verschlungenen Pfad durch Pinien, Mangroven und Maulbeerbäumen und gelangt zu einem weiten natürlichen Bassin, das durch eine Riffbarriere vor dem anbrandenden Meer geschützt wird. Die Destination für Muschelsucher, Sonnenanbeter, Verliebte und Fischfütterer – trotz gelegentlichen Auftauchens gestreifter hochgiftiger Seeschlangen einer der zauberhaftesten Flecken der Südsee.

Neukaledoniens Hauptstadt Noumea ist das Paris des Südpazifiks

Nouméa, die Hauptstadt, das Paris des Pazifiks, ist so französisch wie Eiffelturm und Champs-Élysées. Boule-Spieler in schattigen Parkanlagen, Windsurfer in der Bucht von Anse Vata und am Strand Sonnenhungrige aus aller Welt. Auf der Promenade hupende Autos, Jogger, Mountainbiker, gut durchgestylte Damen, die sich und ihre Pekinesen Gassi führen, Kids auf Skateboards und Inline Skates, Mofagepäckträger mit meterlangen Baguettes. Man glaubt in Sète, Perpignan oder Nizza zu sein. Mon dieu, es fällt schwer das Besondere dieser quirligen Großstadt herauszufiltern. Alles ist so neu, so zweckmäßig, so südfranzösisch: Banken, Bistros und Boutiquen entlang der Rue de Sébastopol, Haute Coiture in der Rue de la Somme und Cafés an der Avenue du Maréchal Foch, wo man bei Tee, Rotwein und Sahnetörtchen über den neusten Klatsch aus dem fernen Paris parliert.

Anse Vata, der schönste Strand Noumeas

Der Hafen am Port Moselle protzt mit millionenschweren weißen Luxusyachten und einigen grauen Kanonenbooten. Die blau gefliesten Kuben der neuen Markthallen funkeln sauber und fein im Sonnenschein. Wenigstens drinnen ein Hauch von Exotik: bergeweise Ananas, Litschis, Bananen und Grüngemüse, fangfrische Mondfische, Schmetterlingskrebse und Riesenmuscheln. Dazwischen wuseln Vietnamesen, Walliser, Tahitianer, Mischlinge, Weiße und Kanaken, die kaufen als ob morgen die Welt untergehen würde. Die Jungen, Sportlichen und Schönen treffen sich an der Anse Vata oder am kultigen Zitronenstrand (Baie des Citrons).

Quellen: Neukaledonien Tourismus, eigene Recherche in Neukaledonien

Bernd Keiner, Reisejournalist; Fotograf und Filmem, Reiner Pohl

Bernd Keiner - Bernd Keiner, geboren in Wuppertal, Sternzeichen Schütze, ist Abenteurer und Globetrotter aus Leidenschaft. Nach abgeschlossenem ...

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