Die Hymnen an die Nacht sind ein aus Trauer entstandenes Werk. Es beinhaltet die Gefühle und Gedanken des Novalis als autobiographische Elemente. Es behandelt den Tod- im Bild der Nacht- als Thema sowie die innige Religiosität im Sinne der Romantik. Die Religion spielte für Novalis eine sehr große Rolle. Zum Beispiel ruft er zur Rückkehr der katholischen Einheit Europas auf.
Romantische Motive
Durch Novalis Lebenserfahrungen, die er in die Hymnen mit einbezieht, lassen sich einige romantische Motive in diesem Werk finden.
Das Thema der Geliebten wird hier aufgegriffen. Die Geliebte ist eine zentrale Rolle des romantischen Werkes. Durch ihren Verlust strebt das lyrische Ich nach dem Tode, aber es findet das ewige Leben im Jenseits. Dadurch kann es eine ewige Vereinigung mit seiner Geliebten erreichen. Die Geliebte hat also eine Mittlerfunktion zwischen ihm als Mensch und Gott. Durch ihre Auferstehung gibt sie den Menschen die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und somit ein ewiges Leben mit ihr. Hier vermischt sich das religiöse Bild der Auferstehung Jesu mit dem Bild der Geliebten. Auch in anderen Werken Novalis spielt die Geliebte eine wichtige Rolle. Zum Beispiel beschäftigt sich „Das Märchen von Hyazinth und Rosenblüte“ ebenfalls mit diesem Bild. Die Geliebte ist hier auch ein Teil des eigenen Bewusstseins. Damit dieses vervollständigt wird, muss die Geliebte gefunden werden. Die Geliebte trägt damit fundamental zu der eigenen Selbstfindung bei und das lyrische Ich kann nun den Sinn des Lebens erkennen, in das der Tod mit einbezogen wird.
Das Motiv der Sehnsucht ist ebenfalls ein typisch romantisches Motiv. Das unbefriedigte Verlangen nach einer Person wird in den Hymnen auch thematisiert. Das lyrische Ich verlangt es nach seiner Geliebten. Da sie verstorben ist, ist sie für ihn unerreichbar. Deshalb wird der Nachsterbewunsch entwickelt. Durch die Sehnsucht wird auch der Gedanke der Nacht vorangetrieben. Die mystische Nacht, als Synonym des Todes, der Einsamkeit und der Wehmut, bekommt nun einen ganz anderen Charakter. Sie wird zur Mutter, zur Verbündeten und zum Raum in dem man seinen geliebten Menschen treffen kann. Das bedeutet, dass die Sehnsucht nun nicht mehr hoffnungslos ist, sondern das sie im Jenseits erfüllt werden kann.
Der religiöse Gedanke
Die Frühromantiker lebten in einer religiösen Aufbruchsstimmung, deshalb war für Novalis der religiöse Gedanke- besonders der Katholische- in seinem Werk sehr wichtig. In den Hymnen ist der Jenseitsgedanke sehr bedeutend, da er von irdischen Zwängen befreit. Es ist eine Befreiung durch den Tod. Ebenso ist das Jenseits ein Versprechen die Familie, Freunde oder Geliebten wiederzusehen, um in alle Ewigkeiten mit ihnen zusammen zu sein. Denn die Aussicht auf eine glückliche Ewigkeit wirkt tröstlich und unterstützt die Hinterbliebenen bei ihrer Trauer. Ebenso werden „das heilige Grab“ und „Jesus“ thematisiert. Das heilige Grab hat eine Doppelbedeutung: es kann für das Grab Jesus, aber auch für das Grab der Sophie stehen. Allerdings ist das Grab ein Bestandteil der Auferstehung, die mit Jesus in Verbindung gebracht wird. Sophie und Jesus stehen hier auf der gleichen Ebene. Beide durchleben die Auferstehung und sind die Verbindung zwischen den Menschen und Gott. Man muss jedoch sehen, dass Sophie nur aus rein persönlichen Motiven diesen Status erhält. Jesus jedoch gehört der gesamten Menschheit und ist für alle auferstanden.
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Quellen:
Josef Haslinger, Die Ästhetik des Novalis. Literatur in der Geschichte, Band 5 Hain 1981,
