Die Suche nach geeigneten Vorstandsmitgliedern erweist sich in vielen NPOs als sehr schwierig. Zwar müssen Vorstandsmitglieder keine Fachleute oder Experten sein, aber sie sollten einen gesunden Mix an persönlichen oder beruflichen Erfahrungen und Fähigkeiten mitbringen. Eine NPO braucht außerdem Menschen mit hoher sozialer Kompetenz und Teamfähigkeit. Hier erhalten Sie fünf Tipps wie Sie neue Vorstandsmitglieder für Ihre NPO gewinnen können.
Erster Tipp – die potenziellen Vorstandskandidaten persönlich ansprechen
Sprechen Sie die Personen, die Ihnen für die Vorstandstätigkeit geeignet erscheinen, persönlich an. Vermeiden Sie die "Überrumpelungstaktik" auf der Mitgliederversammlung. Die Kandidaten fühlen sich dann genötigt, das Amt des Vorstandes anzunehmen. Von der Überrumpelungstaktik ist dringend abzuraten, denn diese Taktik endet meist in ein Desaster.
Zweiter Tipp – erläutern Sie den Organisationszustand der NPO
Beschreiben Sie in einem persönlichen Gespräch mit den Vorstandskandidaten den derzeitigen Organisationszustand Ihrer NPO mit all seinen Stärken und Schwächen. Verschweigen Sie nichts. Seien sie offen und ehrlich auch bei unangenehmen Themen. Erklären Sie:
- wie die NPO organisiert ist,
- welche Projekte gerade aktiv sind und wie der Stand der Dinge ist,
- wie die derzeitige finanzielle Situation der NPO ist,
- vor welchen Problemen die NPO derzeit steht,
- wie die Mitgliederentwicklung derzeit ist,
- wo die NPO ihre Schwächen hat und
- wo ihre Stärken liegen.
Dritter Tipp – was bedeutet Vorstandsarbeit?
Beschreiben Sie genau, was Vorstandsarbeit bedeutet. Seien Sie auch hier ehrlich. Auch die Vorstandskandidaten selbst sollten ehrlich sein, ob sie neben ihrer Haupttätigkeit diese enorme Verantwortung übernehmen wollen und, ob sie die Arbeit in ihrer Freizeit überhaupt leisten können. Denn Vorstandsarbeit bedeutet:
- hoher Zeitaufwand,
- hoher Arbeitsaufwand,
- die eigene Satzung kennen und satzungsgemäß handeln,
- Beschlüsse der Mitgliederversammlung umsetzen,
- hohe Erwartungen an das Engagement eines Vorstandes seitens der Mitglieder,
- aktive Teilnahme an den internen Sitzungen der NPO,
- Aktivitäten in externen Ausschüssen,
- aktive Teilnahme an besonderen internen und externen Terminen.
Vierter Tipp – Erwartungen an die neuen Vorstandsmitglieder
Klären Sie in einem offenen Gespräch, was Sie von den potenziellen Vorstandskandidaten erwarten. Während des Gesprächs gehen Sie mit den Kandidaten eine Checkliste durch. So loten Sie gemeinsam aus, ob sie die hohen Erwartungen, die eine NPO an die Vorstandsmitglieder stellt, erfüllen. Die Checkliste sollte folgende Punkte enthalten:
- Sind die Vorstandskandidaten teamfähig?
- Sind sie belastbar?
- Sind sie kritik- und lernfähig?
- Verfügen sie über eine hohe soziale Kompetenz?
- Treffen sie Entscheidungen immer zum Wohle der NPO?
- Sind sie offen für neue Trends und Entwicklungen?
- Handeln sie verantwortungsvoll?
- Sind sie bereit, viel Zeit für die NPO zu investieren?
- Sind sie bereit, sich immer den Problemen und Aufgaben zu stellen?
- Können sie strukturiert Arbeiten?
- Haben sie ein hohes Verantwortungsbewusstsein?
- Handeln sie Kunden (Kunden = Mitglieder) orientiert?
- Haben sie Durchsetzungsvermögen?
- Handeln und treten sie selbstbewusst auf?
- Handeln sie immer lösungsorientiert?
Fünfter Tipp – Präsentation externer Vorstandskandidaten
Finden sich keine Kandidaten, präsentieren Sie externe Vorstandskandidaten beispielsweise auf einer internen Veranstaltung der NPO. Der Vorstandskandidat kann sich dann selbst ein Bild von der NPO machen. Im Gegenzug kann der amtierende Vorstand, der/die Geschäftsführer, Abteilungsleiter und so weiter sich einen Eindruck vom externen Kandidaten verschaffen. Fragen können von beiden Seiten gestellt und sich so kennengelernt werden. Natürlich können Sie dem externen Kandidaten weiteres Hintergrundmaterial zur Verfügung stellen (z. B. Jahresberichte, Magazine, Zeitungsberichte, Rundbriefe, Newsletter etc.).
Wichtiger Hinweis: Wenn die Satzung explizit nur Mitglieder als Vorstandskandidaten vorsieht, dann ist dieser Tipp nicht umsetzbar. Es sei denn, die Satzung wird durch die Mitgliederversammlung dahin gehend geändert.
Quellen:
- Kursbuch „Vereinsmanagement“, Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter, 1999
- Fernstudium „Social Management“ SGD 2010-2011
- Eigene Erfahrungen, 2001-2011
