Ob Dioxin oder Gammelfleisch - die Wahl liegt beim Verbraucher

Wieviel ist qualitatives Fleisch wert? - Daryn Nakhuda, CCA2.0 Generic Licence
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Guten Appetit! Egal ob Dioxin-Skandel oder Gammelfleisch: Die Entwicklungen sind die logische Konsequenz aus dem Verbraucherverhalten. Hauptsache billig.

Vielen ist seit den letzten Nachrichten über den sich ausweitenden Dioxin-Skandel gehörig der Appetit auf Fleisch- und Tierprodukte vergangen, andere zucken die Achseln und schließen mit der Feststellung, dass ohnehin fast alles krebserregend oder irgendwie gesundheitsgefährdend sei. Über die Skandalisierung kann durchaus gestritten werden: Eine derartige Offenbarung in Futtermittelbetrieben und anderen Massenproduzenten von Nahrung wird aufgedeckt, sollte aber kaum überraschen. Immer wieder machen Berichte über Skandale in Massentierhaltung die Runde, werden aber in den allermeisten Fällen verdrängt.

Der Dioxin-"Skandal"? Die Spitze des Fleischberges

Ebenfalls verdrängt wird, dass die Lebensmittel-Skandale auch und vor allem eine Konsequenz aus dem veränderten Lebenswandel und gesteigerten Konsumverhalten der modernen Gesellschaft darstellen. Denn für viele lautet das Motto: „Große Auswahl, möglichst billig“. Da der Preis für viele Menschen das einzige Auswahlkriterium bei Lebensmitteln darstellt, ziehen die Massenproduktionsbetriebe natürlich nach und ihre Konsequenzen daraus: Es ist nicht so wichtig, was nun genau in Wurst und Ei drin ist – wichtig ist vor allem das Preisetikett. Ein sogenannter Dioxin- oder Gammelfleisch-“Skandal“ kann da kaum noch für Empörung sorgen, sondern sollte eine logische Schlussfolgerung darstellen.

Wieviel ist gutes Essen wert?

Das zeigt auch das Ausgabeverhalten der deutschen Verbraucher. Während in den 1950er Jahren noch etwa die Hälfte des Einkommens der Deutschen für Lebensmittel ausgegeben wurde, waren es im Jahre 2008 nur noch 14,5 Prozent, im Jahre 2009 sogar nur noch 11,2 Prozent. Tendenz: sinkend. Unter diesen Umständen ist es überdeutlich, dass nachhaltige und ökologisch geführte Nahrungsmittelproduzenten kaum konkurrenzfähig sind, denn die Produktion von natürlichem Fleisch (oder anderen tierischen Produkten) ist wesentlich kostenintensiver als mit Zusatzstoffen, Antibiotika und Dioxin versetztes Fleisch aus der Massentierhaltung.

Auch das Verhältnis zu Fleisch als Nahrungsmittel selbst hat sich vollends gewandelt. Der Begriff „Sonntagsbraten“ drückte ursprünglich aus, dass Fleisch eine besondere Delikatesse darstellte, die man sich am familiären Sonntagstisch gönnen konnte. Heutzutage jedoch ist Fleisch nahezu eine selbstverständliche und tagtägliche Zutat und gehört zu den billigsten Nahrungsmitteln überhaupt. Und die meisten Verbraucher möchten nicht auf das Leberwurstbrot am Morgen, die Hackfleischpfanne am Mittag und die Schnittsalami am Abend verzichten. Dafür verzichten sie lieber auf Transparenz, Kontrollen und Qualität ihres Fleisches.

Ein Fleischer aus Schleswig-Holstein drückte es folgendermaßen aus: Weil die Deutschen lieber auch für hohe Benzinpreise den Wagen volltanken aber beim Fleisch nicht bereit sind, mehr zu investieren, scheint ihnen die Versorgung ihres Autos wichtiger zu sein, als die Versorgung ihres eigenen Körpers. Neben der Schweinemast bestimmen auch in der Hähnchenzucht Dumpinglöhne und minimale Gewinnspannen den Handel weil die Preise unermüdlich gedrückt werden. Weil der Verbraucher eben das Billigste kauft.

Mehr Fleisch für wenig Geld

Mit der Lust auf Fleisch stehen die Deutschen nicht alleine da, denn weltweit steigt die Nachfrage enorm an und damit auch die allgemeinen Lebensmittelpreise. Denn für die Produktion von einem Kilo Fleisch werden acht Kilo Weizen als Futter benötigt. Durch das Wachstum in Ländern wie Indien und China wollen nun auch deren Verbraucher zunehmend mehr Fleisch konsumieren, was die Rohstoffpreise erhöht. Spekulanten besorgen den Rest – so dass sich der Weizenpreis in dem letzten Jahr beinahe verdoppelte.

Fleisch ist gesund und nahrhaft – es enthält wichtige Eiweiße in großen Massen, Vitamine, Zink, Eisen, Spurenelemente und Mineralstoffe. Aber die irrsinnige Steigerung seiner Produktion zu immer billigeren Preisen haben seinem Ruf geschadet und es von einer Delikatesse zu einem alltäglichen Billigprodukt degradiert. Sowohl im Supermarkt als auch in der Gastronomie gehören Fleischprodukte (Schnitzel, Hackfleisch, Würste) zu den billigsten Waren während Gemüse im Verhältnis und Kilopreis oftmals sogar teurer ist.

Mehr Menschen beginnen – durch Skandale zunehmend sensibilisiert – auf Biokost und Fleisch aus lokalen Produktionsstätten vom örtlichen Bauern auszuweichen. Auf transparentem Weg produziertes, natürliches Fleisch hat seinen Preis, doch die allermeisten Verbraucher haben die Wahl ob sie ihr Geld dafür ausgeben möchten und stattdessen an anderer Stelle sparen, das machen die Statistiken (siehe oben) deutlich. Solange jedoch der immer niedriger werdende Preis das einzige Gütekriterium darstellt, ist der nächste Lebensmittelskandal kein „Skandal“ sondern nur eine Kalkulation – schlichtweg eine Frage der Zeit.

D.Harwardt, D.Harwardt

Darius Harwardt - Mein Name ist Darius Harwardt, ich bin 27 Jahre alt, Hochschulabsolvent der Ruhr-Universität Bochum in den Fächern Geschichte, ...

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