Ob Erdapfel oder Tüfte - wir lieben die Kartoffel

Schöne Kartoffeln - Rainer Sturm Pixelio.de
Schöne Kartoffeln - Rainer Sturm Pixelio.de
Pommes frites, Kroketten oder Gnocchi, alle haben eines gemeinsam: ihr Hauptbestandteil ist unser beliebtestes Grundnahrungsmittel, nämlich die Kartoffel.

Namen wie Erdapfel (Österreich), Gromper (Luxemburg), Grumbeere (Pfalz), Potacken (Franken), Tüfte (Plattdeutsch), bezeichnen alle ein und dieselbe Pflanze: die Kartoffel, lat. Solanum tuberosum.

Die Kartoffel ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse und somit verwandt mit Tomate, Paprika und Aubergine. In erster Linie findet die Kartoffel Verwendung als vielseitiges Grundnahrungsmittel, aber auch als Futtermittel und Industrierohstoff ist sie begehrt.

Geschichtliches

Die Kartoffel stammt ursprünglich aus Südamerika. Auf der chilenischen Insel Chiloé fand man die ältesten bekannten Spuren von wilden Kartoffeln. Ihr geschätztes Alter liegt bei 13.000 Jahren.

In Europa tauchte die Kartoffel erstmals etwa Mitte des 16. Jahrhunderts auf den Canaren auf. Es dauerte aber noch ungefähr hundert Jahre, bis die Kartoffel auch in Deutschland bekannt wurde. Anfänglich zog man die Kartoffel wegen ihrer hübschen Blüten nur als Zierpflanze. Erst als Karl V seine Untertanen von der Genießbarkeit der unterirdischen Knollen überzeugen konnte, wurde die Kartoffel als Nahrungsmittel angenommen. Es heißt, dass die Menschen damals zuerst die grünen Teile, also Blätter und die kleinen runden Früchte der Kartoffel gegessen haben, was üble Vergiftungsfälle hervorgerufen hat. Die grünen Teile der Kartoffelpflanze enthalten das giftige Solanin, daher sollte man auch grüne Stellen an Kartoffeln, die zu lange dem Licht ausgesetzt waren, großzügig entfernen.

Kartoffelsorten, ihre Eigenschaften und Verwendung

Weltweit zählt man etwa 5000 Kartoffelsorten und immer noch kommen neue Sorten hinzu. In Lima, Peru, gibt es ein internationales Kartoffelinstitut mit einer Gendatenbank, die Informationen von 100 wilden und 3800 in den Anden kultivierten Kartoffelsorten gespeichert hat.

In Deutschland sind die Kartoffelsorten im Bundessortenamt in Hannover registriert und unterliegen einem dreißigjährigen Sortenschutz. Im Jahr 2008 haben die Vereinten Nationen sogar ein internationales Jahr der Kartoffel eingeführt, wozu die Schweiz eine Sonderbriefmarke herausbrachte.

Beim Kartoffelanbau unterscheidet man zwischen frühen, mittelfrühen und späten Kartoffelsorten. Die Frühkartoffel benötigt zwischen neunzig und hundertzehn Tage, um zu reifen. Sie wird, je nach Witterung, im März/April, wenn Nachtfröste nicht mehr zu erwarten sind, in die Erde gelegt. Bereits im Juni/Juli können die ersten Frühkartoffeln ausgegraben werden. Bekannte Sorten sind Frühgold, Augusta, Christa und Rosara.

Mittelfrühe Kartoffeln, wie Bintje, Nicola oder Hansa, werden ebenfalls im April gelegt, benötigen aber etwa hundertzwanzig bis hundertvierzig Tage um zu reifen.

Die Vegetationsperiode der späten Kartoffel beträgt zwischen hundertvierzig und hundertsechzig Tage. Bekannte Sorten sind Atlanta und Lady Rosetta.

Die heimische Kartoffelernte beginnt ab Ende Juni und dauert bis Oktober. Um den Kartoffelbedarf zu decken, sind vorher Importe unumgänglich. Im Januar werden Kartoffeln aus Marokko, Tunesien, Ägypten, Griechenland und Zypern eingeführt. Etwa im April kommen die Knollen aus Spanien und Italien, Ende Mai haben wir französische Kartoffeln auf dem Markt.

Man unterscheidet die Kartoffel auch nach ihren Kocheigenschaften. Festkochende Sorten, wie Hansa, Cilena, Nicola und Sieglinde, eignen sich besonders für Kartoffelsalat, Bratkartoffeln und Kartoffelgratin. Die vorwiegend festkochenden Sorten, beispielsweise Rosara und Gloria, können beim Kochen etwas zerfallen, eignen sich aber trotzdem für Salz-, Brat- und Pellkartoffeln. Will man Kartoffelpüree, Kartoffelsuppe, Reibekuchen oder Folienkartoffel zubereiten, sollte man zu mehlig kochenden Kartoffeln greifen, wie zum Beispiel Augusta und Melina.

Richtige Kartoffelfans sollten einmal ein Kartoffelpüree aus dem "Blauen Schweden" zubereiten. Sie erleben dann tatsächlich ihr "Blaues Wunder", denn Schale und Fleisch des Blauen Schweden sind blauviolett. Ein blauviolettes Kartoffelpüree neben einer Portion Sauerkraut sorgt sicherlich für Aufsehen bei Tisch.

Kartoffeln, die nicht auf dem Speiseplan stehen, sind Futterkartoffeln, die zur Schweinemast dienen, Pflanzkartoffeln und Wirtschaftskartoffeln. Pflanzkartoffeln werden angebaut, um den Bedarf an Saatgut zu decken. Biologen sind ständig damit beschäftigt, dieses Saatgut zu verbessern und neue Sorten zu entwickeln.

Wirtschaftskartoffeln dienen zur Gewinnung von Stärke, unter anderem für die Lebensmittelindustrie.

Übersicht über einige Kartoffelsorten

  • Augusta, Frühkartoffel mit hellgelbem Fleisch, mehlig kochend
  • Christa, sehr frühe Kartoffel mit gelbem Fleisch, vorwiegend festkochend
  • Rosara, sehr frühe Kartoffel mit roter Schale und gelbem Fleisch, leicht nussiger Geschmack, vorwiegend festkochend
  • La Ratte, sehr frühe Kartoffel mit gelbem Fleisch, Hörnchenform, festkochend
  • Hansa, mittelfrühe Kartoffel, hellgelbes Fleisch, festkochend
  • Blauer Schwede, mittelfrühe Kartoffel, blaue Schale und blauviolettes Fleisch, festkochend
  • Rosa Tannenzapfen, sehr späte Sorte mit rosa Schale und hellgelbem Fleisch, festkochend
  • Vitelotte, späte Sorte mit blauvioletter Schale und violettem Fleisch, festkochend

Kartoffelprodukte

Heutzutage ist die Kartoffel wegen ihrer Vielfältigkeit aus unseren Kochtöpfen nicht mehr wegzudenken. Der Kartoffelverbrauch beträgt, statistisch gesehen, 50 kg pro Bundesbürger im Jahr.

Auch die Industrie hat sich die Beliebtheit dieses Nahrungsmittels zu Nutze gemacht und unzählige Fertigprodukte aus Kartoffeln auf den Markt gebracht. Fast jeder kennt

  • Salzkartoffeln in Gläsern
  • Bratkartoffeln in Tüten
  • Kartoffelbreipulver
  • Knödelpulver und Knödelfertigteig
  • Gnocchi und Kroketten
  • Pommes frites und Westernkartoffel
  • Chips
  • Kartoffelstärke und Puddingpulver

Nicht ganz so bekannt ist die Tatsache, dass auch Wodka aus Kartoffeln hergestellt wird, ebenso wie Klebstoffe, Pappe und Papier.

Quellen: Erfolgreich gärtnern, Reader's Digest

Biosicherheit, Bundesministerium für Bildung und Forschung

Anke Obst - Hallo zusamen! Mein Name ist Anke Obst und ich bin noch recht frisch bei suite101. Von Beruf bin ich Beamtin bei der Stadt Essen und in ...

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