Oberbayern: Kunstpreisträger 2010 aus dem Tölzer Land

Geehrt wurden für ihr Lebenswerk Kinderbuchautorin Sigrid Heuck, der Lenggrieser Kirchenmusiker Anton Bocksberger und der Jazz-Schlagzeuger Andreas Haberl

Ein Kunstpreis, drei Preisträger – nein, so einfach ist das nicht. Es sind vielmehr drei verschiedene Preiskategorien, in der je ein Preisträger gewürdigt wird. Den Kulturehrenbrief bekommt ein Künstler für sein Lebenswerk. Der Kunstpreis zeichnet Menschen aus, die älter als 30 Jahre sind und mit ihrer künstlerischen Arbeit bereits überregionale Bedeutung erlangt haben und der Kunstförderpreis, den es 2010 zum ersten Mal gab, würdigt den hochtalentierten Nachwuchs. Erst zum fünften Mal und im Turnus von zwei Jahren, vergibt der Landkreis diese Ehrung an einheimische Kulturschaffende, aus den Bereichen Literatur, der Bildenden Kunst, der Darstellenden Kunst und Musik (siehe Textende). Die Auswahl trifft nicht der Landrat oder ein Kulturausschuss. Es sind die Menschen, die in ihrer Heimat andere Menschen vorschlagen, von denen sie überzeugt sind, dass sie mit ihrem Können ein anzuerkennendes Engagement geleistet haben.

Kulturehrenbrief 2010 des Tölzer Landkreises ging an Kinderbuchautorin Sigrid Heuck

So ist auch die Kinderbuchautorin Sigrid Heuck ein solcher Mensch. Sie liebt den weiten Himmel, die Tiere im Wald, die Ponnys auf ihrem Hof. „Das Leben auf dem Land ist mir ein Bedürfnis“, sagt sie. Und diese Liebe zur Natur und den Tieren beschrieb die heute 78-Jährige in ihren Kinder- und Jugendbüchern auf ihre ganz eigene Weise in Wort und Bild. Denn die gelernte Grafikerin ersetzte illustrativ die Schlüsselworte in den Textstellen, so dass Vorschulkinder spielerisch zum Lesen geführt werden. Mit dem Bilderbuch „Pony, Bär und Apfelbaum“ schaffte Sigrid Heuck 1977 den internationalen Durchbruch. In 16 Sprachen wurde das Buch übersetzt und mehr als 500.000 Exemplare wurden bis heute verkauft. Doch die Zeit hat sich geändert, heute fasziniert die Kinder die rosarote Zauberwelt einer Prinzessin Lillifee. „Meine naturnahen Geschichten sind leider nicht mehr gefragt“, sagt sie, nicht verbittert, ein wenig traurig vielleicht. Sigrid Heuck hat in ihrem Lebenswerk rund 70 Bücher vorwiegend in der Kinder- und Jugendliteratur veröffentlicht, aber auch im Erwachsenenbereich. Sie wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, zuletzt mit dem Bundesverdienstkreuz 2002. Für ihr beeindruckendes Lebenswerk erhielt sie jetzt den Kulturehrenbrief des Tölzer Landkreises, indem sie seit 50 Jahren auf einem alten Hof in der Gemeinde Dietramszell lebt.

Kirchenmusiker Anton Bocksberger aus Lenggries erhielt den Tölzer Kunstpreis 2010

Mit seiner Annahme lag der Kirchenmusiker Anton Bocksberger aus Lenggries allerdings falsch, heißt es doch, der Prophet gilt am wenigsten im eigenen Vaterland. Und, dass dem nicht so ist, zeigt nun die Ehrung mit dem Kunstpreis 2010. „Ja, ich habe mich sehr gefreut“, bestätigt Bocksberger. Seine Leidenschaft als Kirchenmusiker gilt dem minimalistischen Arrangement musikalischer Werke großer Komponisten. „Kurz und Klein können auch ein Bach und ein Mozart sein“, sagt er schlicht. Anders als viele seiner Kollegen strebe er nicht nach den großen Inszenierungen, wie etwa der Messiah-Vertonung von Georg Friedrich Händel. Gemeinsam mit den ortsansässigen Sängern und Instrumentalisten schafft es Bocksberger mit geringem finanziellem Budget aus jeder Sonntagsmesse etwas musikalisch Besonderes zu machen, und das häufig mit nur wenigen Instrumenten, wie etwa nur zwei Saxofonisten, oder er selbst an der Orgel mit einem Trompeter. Anton Bocksberger ist ein herausragender Musiker und für den Lenggieser Bürgermeister Werner Weindl, der die Laudation auf der Preisverleihung hielt, ist er sogar „der König an der Orgel“.

Jazz-Schlagzeuger Andreas Haberl bekam den Kunstförderpreis 2010

Der 28-jährige Jazz-Schlagzeuger Andreas Haberl aus Holzhausen bei Münsing lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Er begeisterte sich schon im Gymnasium für das Schlagzeug und die Jazzmusik. Er gründete 1999 die heute überregional bekannte und preisgekrönte Jazz-Formation Max.BAB und spielte bereits mit Klaus Doldinger und Konstantin Wecker zusammen. Heute ist der junge Berufsmusiker weltweit musikalisch auf Tour. Zum Beispiel war er 2008 mit „No Twist“ in USA unterwegs und mit Max.BAB tritt Haberl bundesweit auf. Seit 2006 gehört der Schlagzeuger als festes Mitglied zum „Andromeda Mega Express Orchestra“. Das zwanzig-köpfige Ensemble macht aus der Mischung von klassischen und Jazz-Instrumenten eine „Neue Musik“, die sie selbst als „Musik von einem anderen Stern“ bezeichnen. Trotz aller Erfolge bleibt Andreas Haberl mit beiden Füßen auf dem Boden dieser Welt und freut sich über die Anerkennung aus seiner Heimat, dem Tölzer Land. „Das motiviert mich, weiter Musik zu machen.“

Bisherige Kunstpreisträger des Tölzer Landes

2002

  • Klaus Doldinger, Musiker aus Icking (Kulturehrenbrief)
  • Leonhard Westermayr, Pianist aus Lenggries (Kunstpreis)

2004

  • Vicco von Bülow, alias „Loriot“, Humorist aus Münsing (Kulturehrenbrief)
  • Maximilian Fliessbach, Maler aus Bichl (Kunstpreis)

2006

  • Professor Josef Alois Zilch, Kirchenmusiker aus Egling (Kulturehrenbrief)
  • Philipp Amelung, Dirigent aus Icking (Kunstpreis)

2008

  • Professor Gerhard Schmid-Gaden, Dirigent und Gründer des Tölzer Knabenchors aus Benediktbeuern (Kulturehrenbrief)
  • Sophia Herbig, Geigerin aus Icking (Kunstpreis 2008)

2010

  • Sigrid Heuck, Kinderbuchautorin aus Einöd (Kulturehrenbrief)
  • Anton Bocksberger, Kirchenmusiker aus Lenggries (Kunstpreis)
  • Andreas Haberl, Jazz-Schlagzeuger aus Münsing (Kunstförderpreis, erstmals vergeben)
Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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