Der Name Valhall setzt sich aus den beiden altnordischen Wörtern valr (auf dem Schlachtfeld gefallener Krieger) und höll (Halle) zusammen. Damit bezeichnet der Begriff Valhall eine große Halle, die die auf dem Schlachtfeld Gefallenen beherbergt. Valhall findet seine ältesten Erwähnungen auf Bildsteinen und in einigen Edda- und Skaldengedichten. So zeigen beispielsweise die Bildsteine Ardre VIII und Tjängevide I einen Krieger auf einem achtbeinigen Pferd, was auf Odin und sein Pferd Sleipnir hindeutet. Auf dem Bildstein Tjängevide I ist zudem eine Walküre zu sehen. Weiterhin wird Valhall in der Eiríksmál, der Hákonarmál, der Grímnismál, der Völuspá und der Vafþrúdnismál mehr oder weniger ausführlich beschrieben. In der Helgakvida Hundingsbana II darf der Krieger Helgi sogar für eine Nacht Valhall verlassen, die er mit seiner Frau in seinem Grabhügel verbringen darf.
Die allgemeine Vorstellung Valhalls anhand bekannter Beschreibungen
Valhall ist eine große, hohe, goldglänzende Halle mit vielen Räumen und Bänken im Inneren sowie einem aus Lanzenschäften bestehenden Dachstuhl und einem mit Schilden gedeckten Dach. Die Halle soll 540 Tore haben, wovon jedes einzelne so groß ist, dass 800 Krieger gleichzeitig hindurch passen. Valhall befindet sich in Gladsheim und wird vom dem Fluss Þund umschlossen.
Die Bewohner Valhalls
In Valhall wohnen neben dem Göttervater Odin Walküren, Einherjer und einige Tiere. Odin, der erste der Götter, wird auch als Valvater (Válfodr) bezeichnet. Er selbst wählt die Krieger aus, die in Schlachten fallen und dann nach Valhall kommen sollen. Er herrscht über Valhall und befiehlt das Heer der Einherjer. Die Walküren sind Frauen in Valhall, die den Kriegern die Getränke reichen. Sie dürfen in Odins Auftrag den Ausgang von Schlachten entscheiden und die Gefallenen nach Valhall holen. Die Einherjer sind die Kriegsgefallenen, die Bewohner Valhalls. Sie kämpfen jeden Tag zur Übung gegeneinander in Odins tún, der Kampfstätte Valhalls, sitzen abends jedoch wieder unversehrt und versöhnt zusammen. Zudem bereiten sie Valhall für die Ankunft neuer Krieger vor, reinigen Krüge und polstern Bänke mit Stroh. Die Einherjer bilden das Heer zum Kampf im Ragnarök (Weltuntergang).
In Valhall leben einige Tiere, die eine direkte Bedeutung für Odin und/oder die Fürstenhalle haben. Die Raben Huginn und Muninn werden jeden Tag von Odin ausgesendet, um ihm Neuigkeiten aus der ganzen Welt zuzutragen. Die Wölfe Geri und Freki leben ebenfalls bei Odin und werden von ihm gefüttert, während er selbst nur von Wein lebt. Der Eber Saehrímnir wird jeden Tag zum Abendessen gekocht, ist jedoch am nächsten Tag wieder unversehrt. Die Ziege Heidrun lebt auf dem Dach Valhalls, aus ihrem Euter fließt kontinuierlich Met. Der Hirsch Eikþyrnir lebt ebenfalls aus dem Dach und dessen Geweih entspringen die Flüsse in und um Valhall. Der Hahn Gullinkambi weckt die Einherjer und kräht zum Ragnarök.
Valhall in der Dichtung: Grímnismál, Eiríksmál und Hákonarmál
Zusätzlich zu der oben beschriebenen allgemeinen Vorstellung von Valhall wird in der Grímnismál noch ein Wolf erwähnt, der an einer Tür hängt und ein Adler, der von oben (von der Decke?) herabhängt. Außerdem hat Valhall in der Grímnismál einen Hafen, der Valgrind heißt. Die Eiríksmál weist weniger eine Beschreibung des Aussehens von Valhall auf. Hier wird beschrieben, wie der König Eirík mit seinem Heer aus Gefallenen unterwegs nach Valhall ist. Mit ihm kommen noch vier andere Könige. Odin befiehlt, dass bis zu deren Ankunft Valhall fertiggestellt werden soll, was daraufhindeutet, dass Valhall zu diesem Zeitpunkt gerade erst erbaut wurde. In der Hákonarmál geht es darum, dass König Hákon nach Valhall geholt wird. Valhall ist hier ein düsterer Ort, während es in der Eiríksmál eher ein munteres Kriegerparadies ist. Die Hákonarmál weist ein älteres und heidnischeres Bild von Valhall auf als die Eiríksmál, welche ein eher christlicheres und damit jüngeres Bild von Valhall zeichnet.
Quellen:
Neckel, Gustav: Walhall – Studien über germanischen Jenseitsglauben. Druck und Verlag von Fr. Wilhelm Ruhfus, Dortmund 1913.
Nordberg, Andreas: Källorna om Valhall. In: Nordberg, Andreas: Krigarna i Odins sal. Dödsföreställningar och krigarkult i fornnordisk religion. Stockholm 2003, S. 43-60.
