Odin und die Tiersymbolik

Odins Pferd Sleipnir auf einem Runenstein - mararie
Odins Pferd Sleipnir auf einem Runenstein - mararie
Schlangen, Pferde, Vögel - und mittendrin Odin. Wie passen zahlreiche verschiedene Tiere und der oberste Gott der nordischen Mythologie zusammen?

Aus Zeiten, in denen das Christentum noch nicht beziehungsweise gerade erst in Mittel- und Nordeuropa angekommen ist, sind zahlreiche Fundstücke, die unter anderem mit Tierornamenten verziert sind, bekannt. Solche Fundstücke sind zum Beispiel Waffen, Schmuckstücke, Zubehör der Kampfausrüstung oder von Trachten, Bild- beziehungsweise Grabsteine, Grabbeigaben und vieles mehr. Sehr viele dieser Tiersymbole sind dem obersten nordischen Gott, Odin, gewidmet, weshalb die meisten von ihnen entweder direkten Bezug zur Odinsmythologie aufweisen oder aber in Form von „Macht- und Krafttieren“ etwas mit seiner Stellung als erster Gott der Asen zu tun haben. Die Erforschung von Tiersymboliken ist jedoch nicht immer einfach: Nur wenn Tiersymbole frequentiert auftreten, eindeutig sind oder im Idealfall Erklärungen zum Beispiel durch Runeninschriften oder Ähnliches enthalten, ist eine Sinnerschließung möglich.

Odin und die Pferde

Das Pferd hat in der nordischen Mythologie eine Sonderstellung inne: Es gilt als Opfertier für die heidnischen Götter. Außerdem besaß Odin das achtbeinige Pferd Sleipnir, welches sehr oft Gegenstand tierornamentaler Malereien beziehungsweise Verzierungen ist. Weiterhin gibt es einige Fundstücke, auf denen Pferde Wagen hinter sich herziehen. Diese Motive können auf Skinfaxi und Hrímfaxi zurückgehen; die beiden Pferde bringen laut der nordischen Mythologie Tag und Nacht, wobei jeweils ein Pferd die Sonne oder den Sonnenwagen und das andere den Mond oder den Mondwagen hinter sich herzieht.

Odin und die Hunde und Wölfe

Hunde und Wölfe stehen in der nordischen Mythologie für Kämpfer. Auch Odin ist als Gott des Krieges bekannt, weswegen Hunde- und Wolfssymbole auf Fundstücken der frühchristlichen Zeit auf Odin hindeuten können. Zudem scheinen Hunde ein Medium zwischen Lebenden und Toten zu sein, so wurden oft Hunde als Begleiter einem Grab beigelegt. Dies darf jedoch nicht überbewertet werden, manchmal war der Hund auch einfach nur ein Freund des Gestorbenen.

Odin und die Bären und Eber

Die Berserker sind die Kämpfer Odins, sie sind wild wie Wölfe und stark wie Bären. Dadurch haben Bären und Berserker eine besondere Verbindung zu Odin. Als Grabbeigabe sollten diese Tiere in Form von Ornamenten auf Gegenständen die Macht des Toten demonstrieren und diesen göttlich beschützen. Der Eber hingegen geht jedoch eher auf Freyr zurück und ist in Bezug auf die Fundstücke zumeist in Form von Tierköpfen auf Helmen oder Thronen erhalten.

Odin und die Schlangen

Schlangen und Drachen wurden oft als Synonym gebraucht und galten in der nordischen Mythologie als Tiere der Totenwelt, da sie unterirdisch lebten. So hatte man einerseits Angst vor Schlangen, sie waren den Menschen nicht geheuer. Allerdings standen diese Tiere aufgrund ihrer Häutung auch für Wiedergeburt und Leben, was Schlangen wiederum sympathischer machte. Ausschlaggebend ist jedoch, dass Schlangen auch ein Symbol für Odin sind, da er sich einst in eine Schlange verwandeln konnte. Möglicherweise ist es aus diesem Grund das wohl häufigste Motiv der skandinavischen Tierkunst.

Odin und die Vögel

Vögel waren in der frühchristlichen Zeit ein Symbol für Wiedergeburt und Auferstehung. Besonders der Adler jedoch geht auf Odin zurück, so waren zwei seiner Beinamen Arnhöfði und Arn, wobei ersterer „Adlerkopf“ bedeutet, was wohl auf einen Helm mit einem Adlersymbol hindeutet. Der Adler sollte Macht und Stärke demonstrieren, was vor allem auf Odin als Gott des Krieges zutrifft. Und auch Raben sind ein Symbol Odins. Seine beiden Raben Huginn („Gedanke“) und Muninn („Erinnerung“) stehen für seinen Intellekt.

Lesen Sie hier mehr über Odin: Odin als Toten- und Herrschergott.

Quellen:

  • Naumann, Hans-Peter: Altgermanischen Tiersymbole und Probleme ihrer Deutung, in: Michel, Paul (Hg.): Tiersymbolik, Bern 1991, S. 49-76.
  • Gräslund, Anne-Sofie: Wolves, serpents, and birds. Their symbolic meaning in Old Norse belief, in: Andrén, Anders (Hg.): Old Norse religion in long-term perspectives. Origins, changes, and interactions; an international conference in Lund, Sweden, June 3-7, 2004, Lund 2006, S. 124-129.
Schreiben, Celestina Warbeck

Celestina Warbeck - - Studium der Islamwissenschaft und Skandinavistik - Sprachen: Deutsch, Englisch, Arabisch, Türkisch, Schwedisch, Dänisch, ...

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