
- Organisation und wirtschaftliches Denken - pearland.de
Eine einfache Rechnung. Mehr als 80% des Aufwands für den normalen Bahnbetrieb sind Fixkosten. Das heißt, es ist egal, ob Passagiere befördert werden, ob der Güterverkehr auf der Schiene stattfindet, ob das Bahnnetz überhaupt funktioniert, die meisten der Kosten bleiben. Normales Vorgehen eines verantwortungsbewussten Unternehmers wäre es nun, eine größtmögliche Deckung zu erzielen, Passagiere anzusprechen und den Güterverkehr logistisch attraktiv zu gestalten. Es scheint, als wollte die derzeitige Führung das Unternehmen sanieren, indem man auf diesen 80% sitzen bleibt und den fahrenden Betrieb größtmöglich erschwert oder gänzlich unterbindet.
Ärger und Kunden vergraulen
Verspätungen ist der Bahnkunde gewöhnt, der Ärger steigert sich allerdings mit unzureichender Information. Da steht man auf der Südbahnstrecke auf dem Weg zur Arbeit schon eine Ewigkeit, will vielleicht zumindest wissen, wie lange es noch dauert, einzig, der Zugbegleiter ist unauffindbar. Einzelfälle? Schon lange nicht mehr! Die Bahn ist sich der Unzufriedenheit der Kunden gewiss, sich dessen auch bewusst und Verbesserungen werden fortwährend versprochen ohne Besserung zu schaffen.
Unrentable Strecken
Auch die geplanten Einstellungen nicht kostendeckender Nebenlinien kann nur als kaufmännisch nicht durchdachter Schritt gesehen werden. Denn, wie kommt denn der Kunde auf die rentable Hauptstrecke? Wird er nicht auch noch die restliche Strecke nach Wien mit dem Auto zurücklegen, wenn er schon dreißig Kilometer hinter sich hat um den Bahnhof zu erreichen, von welchem die “Neue Bahn“ geruht zu fahren. Nun, das muss nicht sein, sagt die Bahn den Ländern: Gebt uns Geld, dann fahren wir weiter! Erpressung? Nun…, vielleicht nur der Versuch nicht mit dem Kerngeschäft sondern mit Politik das Bahnbudget zu sanieren und die Verantwortung abzuwälzen.
Bauvorhaben
Wer die Bahnhöfe von Wien kennt (oder kannte) der kann einer Sanierung, dem Um- oder gar Neubau nur zustimmen. Dass es bei derartigen Projekten zu Behinderungen kommt ist verständlich. Jedoch scheint hier eine Hand nicht zu wissen, was die andere tut. Wäre es nicht Aufgabe von Spitzenmanagern gewesen, hier koordiniert zu arbeiten und arbeiten zu lassen und ob dieser “Projekte für die Zukunft“ die Gegenwart nicht aus den Augen zu verlieren. Es werden Bahnhöfe gebaut…, nur, wenn die Bahn weiterhin so agiert werden es Geisterbahnhöfe, denn es wird keine Kunden mehr geben. Eisenbahntunnels werden durch Österreich gegraben und es ist zu befürchten, dass niemals Züge durch diese Röhren fahren werden.
Güter auf die Schiene
So hieß es vor einigen Jahren. “Güter von der Schiene“, scheint es jetzt zu heißen. Da werden bereits verladene Container wieder auf den LKW verfrachtet, dies zu erklären fällt auch Peter Klugar schwer. Von einem “Kopfstand der Verkehrspolitik“ spricht Gabriele Moser, Verkehrssprecherin der Grünen.
Und tatsächlich: Im Zweifel gegen den Klimaschutz! Man könnte sagen, die ehemals grüne Bahn hat die Realität erkannt, ihre eigene Geschäftsunmündigkeit nämlich, die Unfähigkeit kundenorientiert und verantwortlich zu handeln.
Das Dienstleistungsprinzip
Und in diesem Zusammenhang geht der Preis an die Untertreibung des Tages an die Sprecher von “Probahn Österreich“, die von “wirtschaftlichen Denkfehlern“ sprechen. Sicher! Aber auch Unverantwortlichkeit; das Negieren der Tatsache, dass man ein Dienstleistungsbetrieb ist und zu sein hat; das offensichtlich vollkommene Fehlen des Erkennens von wirtschaftlichen Zusammenhängen.
Wie gesagt, 80% Fixkosten, jeder Passagier, jeder Tourist, jede Fracht, jeder Auftrag erhöht die Rentabilität. Und gerade hier gilt es geschäftlich zu denken. Einfaches Prinzip: “Der Kunde kommt wieder, wenn er zufrieden ist!“ Muss man Managern Millionen zahlen um ihnen dann diesen Grundsatz zu erklären? Nehmen wir an, Herr Klugar ist sich der Tatsache der Ausrichtung des Betriebs an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden bewusst.
Dann stellen sich einfache Fragen: Warum all diese unkoordinierten, chaotische Schritte? Gibt es hier Lobbyismus? Gibt es den großen Plan, die Bahn aus Österreich verschwinden zu lassen? Wenn man die Entwicklung beobachtet scheint dies nicht nur denkbar sondern sogar wahrscheinlich.
Denn – und hier läuft alles aus dem Ruder, wurde nicht einmal im Ansatz erkannt – der erste Gedanke eines Dienstleistungsbetriebs muss sein: Jeder Auftrag ist wichtig. Wer sich die Rosinen herauspickt, also im fahrenden Betrieb die Hauptstrecken und einzig auf Prestigeobjekte für eine imaginäre Zukunft setzt wird auf der Strecke bleiben. Und man sollte sich nicht wundern, wenn es eine Nebenstrecke ist.
