Ökoreisen mit einem neuen Qualitäts-Siegel

Festgelegte Kriterien zertifizieren erstmals nachhaltigen Tourismus

Fahrt auf einem Ochsenkarren in Kuba - forum anders reisen / OneWorld Reisen mit Sinnen
Fahrt auf einem Ochsenkarren in Kuba - forum anders reisen / OneWorld Reisen mit Sinnen
Ökoreisen sind im Trend, und die Reisebranche reagiert mit einem entsprechenden Angebot. Das CSR-Zertifikat garantiert dabei erstmals die Einhaltung strenger Kriterien.

Immer mehr Touristen bekommen ein Bewusstsein für die Konsequenzen ihrer Urlaubsreise für Umwelt und Gesellschaft: Was richtet beispielsweise Massentourismus in einem Land an, oder wie viel Emissionen verursacht ein Flug ins Zielgebiet? Die Branche reagiert auf eine gesteigerte Nachfrage und bietet in den letzten Jahren immer häufiger "nachhaltige Reisen" an. Was sich hinter diesem Begriff allerdings konkret verbirgt, und ob dieser Anspruch auch tatsächlich eingehalten wird, war bisher kaum nachvollziehbar.

Das neue Qualitätssiegel für nachhaltiges Reisen wurde 2009 erstmals vergeben

Der Verband "forum anders reisen" entwickelte deshalb zusammen mit der Kontaktstelle für Umwelt & Entwicklung (KATE) ein sogenanntes CSR-Berichtswesen, das bis 2010 für alle Mitglieder verpflichtend wird. CSR steht für Corporate Social Responsibility und bezeichnet die gesellschaftlich verantwortungsvolle Unternehmensführung. Am Ende eines aufwendigen und kritischen Prüfungsprozesses durch einen externen Zertifizierungsrat unabhängiger Fachleute aus Tourismus, Wissenschaft, Politik sowie Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisationen steht bei Erfolg die Auszeichnung des Reiseveranstalters mit dem neuen CSR-Zertifikat. Dieses Gütesiegel wurde im Rahmen der ITB 2009 erstmals durch den früheren Bundesumweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer an 15 Anbieter vergeben.

Alle Kriterien müssen für eine Auszeichnung erfüllt werden

Der Verband "forum anders reisen" (far) ist ein Zusammenschluss kleiner und mittlerer Reiseveranstalter, die sich einem sanften, auf Nachhaltigkeit aufgebauten Tourismus verpflichten. Im August 2008 hatte er bereits über 150 Mitglieder, die langfristig ökologisch tragbare sowie ethisch, sozial und kulturell gerechte Reisen anbieten. Die Veranstalter verpflichten sich zur Einhaltung eines umfassenden Kriterienkatalogs. Um das neue Bio-Siegel zu bekommen werden alle Firmenbereiche auf Nachhaltigkeit hin überprüft. Die systematische Untersuchung reicht vom Papierverbrauch im Reisebüro bis zur Größe der Reisegruppe und der Art der Anreise. Auch die Partnerunternehmen in den Zielgebieten werden in den Prozess mit einbezogen: Eine gerechte Bezahlung der Hotelangestellten und die umweltschonende Entsorgung des Mülls stehen beispielsweise auf der Checkliste. Schlüsselindikatoren wie der durchschnittliche CO2-Verbrauch pro Reisegast am Tag spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Nur die Reiseveranstalter, die tatsächlich alle Kriterien erfüllen, bekommen das Qualitätssiegel, an dem auch der Urlauber künftig die geprüften Unternehmen erkennen kann.

Wichtigstes ökologisches Kriterium ist eine umweltschonende Anreise

Das gilt bereits, wenn man im "forum anders reisen" Mitglied werden möchte. Beispielsweise darf der Reiseveranstalter keine Flüge unter 700 Kilometern im Programm haben. Bei Reisen mit einer Flugdistanz zwischen 700 und 2000 Kilometern muss der Aufenthalt mindestens eine Woche betragen, bei Flügen über 2000 Kilometern mindestens 14 Tage. Ökonomische Richtlinien stellen sicher, dass möglichst viel Geld im Reiseland verbleibt, beispielsweise durch die Bevorzugung landestypischer familien- oder inhabergeführter Unterkünfte. Soziokulturelle Anforderungen sind unter anderem die Betreuung der Reisegruppe durch Kulturvermittler und eine weitgehende Einbeziehung der Einheimischen in den gesamten touristischen Prozess.

Helmi Schäfer, fotografiert von Nils Wiemer Wiemers

Helmi Schäfer - Journalist seit 1987Hörfunk- und FernsehredakteurMultimediaPolitologe & Producerseit Januar 2008 bei ...

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