
- Austretender Ölmassenstrom - BILD
Seit nunmehr fast zwei Monaten treten täglich bis zu 800.000 Tonnen Rohöl aus einem Bohrloch in etwa 1.500 Metern Tiefe im Golf von Mexico aus. Die Wut und Bestürzung der Menschen sitzt tief, allen drängt sich die Frage auf, wie eine Katastrophe von solchen Ausmaßen überhaupt möglich sein kann.
Alarmstufe Rot
Warum gibt es für solche Fälle keinen Notfallplan, keine Vorkehrung, die das Loch schließen kann? Ein schrecklicher Skandal auf Kosten der Pflanzen- und Tierwelt in diesem Gebiet, dessen Ausmaße jeden Tag schlimmer werden, solange das Öl ungehindert austreten kann. Doch warum nicht einfach einen Deckel drauf und dann ist Schluss?
Deckel drauf?
Nun, ganz so einfach ist es leider nicht, wie sich die meisten Menschen eine Ölbohrung vorstellen. In derartigen Tiefen herrschen Umgebungsdrücke, die etwa 150-mal so hoch sind wie an der Erdoberfläche. Folglich bedarf es High-Tech Tauchrobotern, um überhaupt in dieser Tiefe arbeiten zu können, da Menschen ganz einfach zerdrückt würden. Das Öl selbst liegt noch einmal etwa weitere 3.000 Meter unter dem Meeresgrund und aufgrund dieser Höhendifferenz schießt das Öl mit knapp 300bar aus der Öffnung, was beinahe dem zehnfachen Druck eines Feuerwehrschlauches entspricht. Die Idee mit dem Deckel erweist sich in der Umsetzung also offensichtlich als äußerst problematisch.
Welche Sicherheitsvorkehrung greift in solch einem Fall ein?
Die Antwort: Gar keine. Die Bohrinseln selbst werden nach dem so genannten "Fail-Safe"-Prinzip konstruiert. Das ist in etwa vergleichbar, mit dem Bau eines Jumbojets. Es gibt sehr lange Planungsphasen, Optimierungsprogramme und Entwicklungsschritte, die nur auf ein einziges Ziel hinarbeiten: Die Wahrscheinlichkeit eines Defekts zu minimieren. In derartige Projekte werden Unsummen investiert, um jede Möglichkeit eines auftretenden Fehlers zu analysieren und eine Gegenmaßnahme zu konzipieren.
Beim Jumbojet gibt es beispielsweise viel mehr Turbinen, als er zum Fliegen eigentlich bräuchte. Man nennt dies eine redundante Anordnung, da die anderen Turbinen zwar nicht unbedingt nötig sind, doch trotzdem ständig mit in Betrieb sind. Im Falle eines Turbinenausfalls, können dann die "überflüssigen" Turbinen die Funktion der Ausgefallenen übernehmen und die vollständige Funktionstüchtigkeit des Flugzeuges gewährleisten. Aber auch hier gilt: Bei einem schwerwiegenden Defekt, tritt der schlimmste Fall ein: Die Maschine stürzt ab.
Worst Case
Dieser schlimmste Fall trat nun auf der Bohrinsel des britischen Ölkonzerns BP ein. Die Folgen für die Natur sind dabei verheerend, das Ausmaß kaum vorstellbar. Doch wie bei allen "Fail-Safe"-Konstruktionen, ist eine nachträgliche Schadensbegrenzung leider fast unmöglich. Doch die Abhängigkeit des Menschen vom Rohstoff Öl ist so groß, dass er dieses Risiko jederzeit wieder eingehen wird, um an die kostbare Ressource zu kommen.
