Österreichische Geschichte im Überblick

Von der Römerzeit bis in die Gegenwart

Cover Niederstätter, Geschichte Österreichs - Kohlhammer
Cover Niederstätter, Geschichte Österreichs - Kohlhammer
Rezension zu: Alois Niederstätter, Geschichte Österreichs, Stuttgart: Kohlhammer 2007. ISBN 9783170191938

Alois Niederstätter ist einer der wenigen Historiker, die sich der undankbaren Aufgabe gewidmet haben, eine einführende Überblicksdarstellung zur Geschichte Österreichs zu verfassen. Mit dem „Mut zur Lücke“ verfolgt sein Buch den Gestaltwandel Österreichs von der Römerzeit bis in die Gegenwart und zeigt die vielfältigen Verflechtungen österreichischer Geschichte mit Deutschland und Europa auf.

Wer nach einer kompakten Überblicksdarstellung zur österreichischen Geschichte sucht, findet in den Bibliotheken zumeist dickleibige Handbücher wie Erich Zöllners „Geschichte Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart“ (1961). Die übrigen Standardwerke sind gar mehrbändig angelegt: Das „Handbuch der Geschichte Österreichs und seiner Nachbarländer Böhmen und Ungarn“ (1927-1944) von Karl und Mathilde Uhlirz umfasst 4 Bände, Walter Pollacks „Tausend Jahre Österreich“ (1973) bringt es auf drei, Herwig Wolframs „Österreichische Geschichte“ (1994- 2006) auf zwölf Bände. Jüngst hat allein Steven Beller eine taschenbuchfähige „Geschichte Österreichs“ (2007) vorgelegt.

Jenseits der Nationalgeschichte

Österreich – das war nicht immer die kleine Alpenrepublik am Rande des Weltgeschehens. Über die Dynastie der Habsburger war Österreich vielfältig mit Deutschland und Europa verflochten. Zunächst war es über das Heilige Römische Reich und den Deutschen Bund primär in die deutsche Geschichte eingebunden, reichte jedoch mittels dynastischer Politik bereits seit der Frühen Neuzeit über sie hinaus. Mit der Verdrängung aus Deutschland 1866 wandelte sich Österreich zur k-u-k- Monarchie, zum Vielvölkerstaat im ostmitteleuropäischen Raum. Bis 1919 und vielleicht gar bis 1945 lässt sich die österreichische Geschichte kaum als Nationalgeschichte schreiben. Daher rührt auch die Schwierigkeit, das Themenfeld für eine Überblicksdarstellung einzugrenzen.

Ereignis- und Politikgeschichte

Der Vorarlberger Landesarchivar Alois Niederstätter orientiert sich in seinem Buch zwar am heutigen Staatsgebiet, jedoch ohne den europäischen Kontext zu vernachlässigen. Dies ist sicherlich die bemerkenswerteste Leistung seines Buches, das ansonsten eher landeskundlich als wissenschaftlich angelegt ist. Das macht sich vor allem in der Abwesenheit von Fragestellungen und Hypothesenbildung bemerkbar, wodurch dem Werk ein Kohärenz stiftender „roter Faden“ fehlt. Den Kern der Darstellung bildet eine etwas antiquiert wirkende historistische Ereignis- und Politikgeschichte, die allein von der Perspektive der Mächtigen ausgeht. So geht es um Kaiser und Könige, Erbfolge und Heiraten, Kriege und Friedensschlüsse. Zwar streut Niederstätter vereinzelt Abschnitte zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte ein, sie bleiben aber mit der Ereignis- und Politikgeschichte weitgehend unverbunden. Beim Thema Kultur begnügt sich der Autor häufig gar mit einer Platz sparenden Aufzählung der Namen berühmter Schriftsteller, Musiker und Künstler. Das ist selbst durch den notwendigen „Mut zur Lücke“ nicht mehr zu rechtfertigen.

Fazit

Als Einführung in die Geschichte Österreichs ist das Buch durchaus zu empfehlen, viel mehr als eine positivistische Erzählung politikgeschichtlicher Fakten darf man von ihm allerdings nicht erwarten. Karten, Zeittafel und Stammtafeln der Babenberger und Habsburger sind gute Hilfen bei der Lektüre, was man von der sehr kleinen Schriftgröße und der fehlenden Durchnummerierung der Kapitel nicht behaupten kann.

Thomas Gräfe - Studium Geschichte, Englisch und Sozialwissenschaften in Bielefeld und Brighton (1997- 2003) Beruf im ...

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