
- Roadshow - Peter Lachnit
Karl-Heinz Grasser hat in seiner Zeit als Finanzminister von Österreich nichts ausgelassen. Keine der größeren Korruptsaffären seit der Schwarz/Blau Regierung im Jahr 1999 kommt ohne seinem Namen aus. Der Schwiegersohn und Darling der Nation kommt immer mehr mit dem Rücken zur Wand zu stehen.
Grasser auch in die Telekom-Affäre verwickelt
Der österreichische Korruptions-Untersuchungsausschuss hat nach den vorgelegten Akten die Telekom-Affäre als vorrangig betrachtet. Sehr schnell stellte sich heraus, das Karl-Heinz Grasser auch in diesem Fall verwickelt ist. Worum geht es diesmal? Das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) hat den Verschlussakt Telekom am 25. August 2011 der zuständigen Staatsanwaltschaft Wien übermittelt. In diesem Bericht werden die Verflechtungen der teilverstaatlichten und auf der Börse agierenden Telekom zum Lobbyisten Peter Hochegger, Ex-FPÖ Politiker und Grasser Trauzeuge Walter Meischberger und eben Karl-Heinz Grasser aufgelistet.
Unternehmensberatungsfirma Deloitte listet auf
Wie aus dem BAK-Bericht zu entnehmen ist, hat die Unternehmensberatungsfirma Deloitte im Juli 2011 im Auftrag der Telekom sämtliche Honorare der Telekom an die Firmen des Lobbyisten Peter Hochegger Hochegger.com und Valora sowie an die Firma M.P.A. von Alfons Mensdorff-Pouilly geprüft. Sehr treffend dazu der Projektname der Untersuchung - "Flieder". Umgangssprachlich in Österreich bedeutet das Wort "Flieder" Geld. Geld, dass in der Telekom-Affäre in Unmaßen geflossen ist. Interessant wird es in dem Bericht der Firma Deloitte ab der Seite 99, im Kapitel "Sponsoring KMU-Roadshow Finanzministerium".
Die KMU-Roadshow auf Österreichtour
Im Jahr 2002 vergab das österreichische Finanzministerium unter der Leitung des Ministers Karl-Heinz Grasser eine KMU-Roadshow an die Firma des Lobbyisten Peter Hochegger - Auftragsvolumem 2,4 Millionen Euro. KMU ist das Kürzel für "Klein- und Mittelunternehmen". Grasser tourte kreuz und quer durch Österreich und steigerte seinen Bekanntheitsgrad enorm. Fleißig finanziert wurde diese Public Relation Show auch von der Telekom. Auszug aus dem Deloitte-Berichts :"Hocheggeg.com hat im Zusammenhang mit Sponsoring der KMU-Roadshow des Finanzministeriums Rechnungen sowohl an die Telekom Austria als auch an die mobilkom gestellt." Doch weder eine Beschaffungsanforderung, noch einen Vergabeakt konnten die Prüfer finden. Dazu noch ein Zitat aus dem Prüfbericht :"Aus welchem Grund dieses Sponsoring über die Hochegger.com abgewickelt wurde und nicht direkt über das Bundesministerium für Finanzen, konnte nicht eruiert werden."
Karl-Heinz Grasser Finanzminister und Eigensponsor?
Nach der Roadshow, in der Grasser durch die Bundesländer tourte, um der Bevölkerung ein Nulldefizit schmackhaft zu machen, gehörte er zu den bekanntesten Ministern der Schüssel-Regierung im Jahr 2002. Nur, Grasser war als Finanzminister oberster Eigentumsvertreter der Telekom und so wurde eine Ministerkampagne von einem teilverstaatlichten Unternehmen gesponsert. Zu je 45.000 Euro von der Telekom und der mobilcom. Hat sich Minister Grasser dadurch seine Kampagne mit Steuergeld selbst finanziert ? Fraglich bleibt auch, warum wieder einmal eine Firma von Peter Hochegger dazwischengeschaltet wurde?
Für alle in diesem Artikel genannten Personen und Firmen gilt jegliche Unschuldsvermutung.
Quelle: APA; News-Magazin 3/2012
