
- Und ab in den Ofen... - Hannelore Dittmar-Ilgen
„Ofenschlupfer“ wurde früher (als Resteverwertung) aus altbackenen Brötchen und manchmal sogar aus trockenem Brot hergestellt. Auch dieses kann natürlich verwendet werden. Aber dieses Nachtischrezept ist eigentlich so lecker, dass Sie dafür auch frische Brötchen kaufen können. In manchen Gegenden Deutschlands wird der Ofenschlupfer übrigens auch Scheiterhaufen genannt.
Für den Ofenschlupfer mit Beeren brauchen Sie:
- etwa 500 g gemischte frische Beeren (hier können Sie von Erdbeeren über Johannisbeeren bis Blaubeeren tatsächlich alles verwenden; auch Tiefkühlware)
- 4 bis 5 Brötchen, je nach Größe (und Hunger)
- 200 ml heiße Milch
- 75 g Butter
- 100 g Zucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- 4 Eier
- 50 g gemahlene oder gehackte Nüsse
- etwas Zitronenschale
- 1 Essl. Semmelbrösel oder Kokosflocken
- Butter und Zucker für das „Topping“
So stellen Sie den Ofenschlupfer her:
- Bereiten Sie die frischen Beeren vor, also waschen, putzen und evtl. kleinschneiden. Wenn Sie Tiefkühlware verwenden, tauen Sie die Beeren auf und fangen den Saft auf.
- Schneiden Sie die Brötchen in feine Scheiben, übergießen sie mit der Milch und lassen sie kurz einweichen.
- Verrühren Sie die Butter mit dem Zucker und dem Vanillezucker.
- Trennen Sie die Eier und geben Sie die Eiweiße in ein hohes Rührgefäß.
- Schlagen Sie die Eiweiße zu steifem Eischnee.
- Die Eigelbe werden nach und nach zur Zuckermischung gegeben.
- Rühren Sie dann die Nüsse und die Zitronenschale unter.
- Heben Sie den Eischnee vorsichtig unter die Eigelbmasse.
- Nun vermengen Sie die eingeweichten Brötchen gut mit der Eiermasse.
- Fetten Sie eine Auflaufform mit Butter ein und streuen sie nach Bedarf mit etwas Semmelbrösel oder Kokosflocken aus.
- Schichten Sie nun abwechselnd die Brötchenmasse und die Beeren in die Auflaufform.
- Die unterste und die letzte Schicht sollten aus Brötchenmasse bestehen.
- Überstreuen Sie den Ofenschlupfer mit den Semmelbröseln bzw. mit Kokosflocken sowie Zucker und verteilen Sie Butter in kleinen Flöckchen über dem Auflauf.
- Heizen Sie den Backofen auf Umluft 160 °C vor und backen Sie den Ofenschlupfer etwa 30 Minuten. Achten Sie dabei auf die Bräunung.
Der Ofenschlupfer wird auf Dessertteller verteilt und mit etwas Puderzucker überstäubt. Auch Vanillesauce oder Schlagsahne passen ausgezeichnet zu diesem süßen Auflauf.
Ofenschlupfer – die Winterversionen
Im Winter wurde Ofenschlupfer mit Äpfel und Birnen zubereitet. Diese werden kleingeschnitten oder grob geraspelt und mit Zucker, gehackten Nüssen und Rosinen vermischt. Auch Rumrosinen oder ein Gläschen Birnengeist machen sich hervorragend in dieser Füllung.
Aus dem Odenwald ist noch eine Variante mit Dörrobst bekannt. Die getrockneten Früchte mussten allerdings vor ihrer Verwendung im Ofenschlupfer einige Stunden (je nach Dörre) in warmem Wasser einweichen.
Besonders schön braun wird der Ofenschlupfer, wenn man einen Teil des Eischnees aufhebt und diesen 10 Minuten vor Ende der Garzeit auf den Auflauf streicht. Der Eischnee bekommt rasch Farbe, wenn Sie ihn vorher noch überzuckern.
Ofenschlupfer aus dem Römertopf
Der ganze Brötchennachtisch kann natürlich auch in einen Römertopf „schlupfen“ und wird dort besonders saftig. Befüllen Sie den gewässerten Römertopf wie oben beschrieben und verschließen Sie den Deckel. Schieben Sie dann den Römertopf in den kalten Backofen und heizen Sie auf maximal 150 °C. Der Ofenschlupfer muss ca. 50 Minuten backen, in den letzten Minuten können Sie den Deckel öffnen und die Oberfläche leicht bräunen.
Quellen und weiterführende Literatur:
- Landfrauen kochen: Traditionsrezepte aus Württemberg (dort finden Sie ein Scheiterhaufen-Rezept)
- Hannelore Dittmar-Ilgen: Familien-Erinnerungen – ein kulinarischer Streifzug
- Ilse Unruh: Das Kochbuch aus Hessen (eine Dörrobstversion)
- Traditionsnachtische sind wieder beliebt (auch wenn sie etwas Mühe machen). Probieren Sie den Kartoffelpudding (nach Urgroßmutters Schulkochheft), den Frankfurter Bettelmann mit Bischofsauce oder einen Kirschenmichel.
- Oder Sie kochen eine Marmelade aus der "vergessenen" Mispelfrucht, die auch Hildegard von Bingen kultivierte.
Bildnachweis: © Hannelore Dittmar-Ilgen
