
- Offener Bücherschrank - susanne schmich/pixelio.de
Der „Künstler“ Frank Gassner hat nach nunmehr zwei Jahren den Bücherschrank in Wien Neubau erneuert. Allerdings darf er das weiterhin ohne die Förderung der rot-grünen Wiener Stadtverwaltung bewerkstelligen. Diese unter der Führung von SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl und der Grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou haben sich bisher gegenüber den Förderungswünschen des „Künstlers“ Gassner taub gestellt. Auf seiner Facebookseite spricht Gassner davon, dass sein Bücherschrank bereits über 100.000 Mal geöffnet worden sei. Einzig und allein von einer unbefristeten Genehmigung durch die Wiener Stadtverwaltung für die Aufstellung des offenen Bücherschrankes am Standort Wien Neubau konnte Gassner bisher berichten. Die feierliche Eröffnung soll am 5. Februar um 15 Uhr am Standort Ecke Westbahnstrasse/Zieglergasse erfolgen.
Hermann Nitsch wurde als Gestalter für die Außengestaltung gewonnen
Als Gestalter konnte Gassner seinen künstlerischen Mentor Hermann Nitsch gewinnen, der die Außenwände des Offenen Bücherschranks entworfen hat. Damit holt sich Gassner künstlerische Unterstützung der besonderen Art. Als Grundlage für die Unterstützung durch Nitsch nennt Gassner eine gemeinsame Zusammenarbeit mit seinem Mentor, darüber hinaus die Ausbildung von Nitsch in der Nähe des Aufstellungsortes in der Westbahnstrasse sowie die bibliomanischen Züge von Nitsch, der auch eine Privatbibliothek in seinem Schloss in Prinzendorf beherbergt. Ob Nitsch bei der Gestaltung des Gehäuses zu seinem Urwerkstoff Tierblut zurückgegriffen hat, ist der interessierten Öffentlichkeit bisher noch nicht bekannt geworden. Nach Nitsch sollen auch andere Künstler am Bücherschrank mit gestalten. So soll es alle zwei Jahre zu einer entsprechenden Erneuerung des Offenen Bücherschrankes kommen.
Projekt Offener Bücherschrank weiterhin umstritten
Obwohl der Offene Bücherschrank in Wien Neubau der erste seiner Art in der österreichischen Bundeshauptstadt gewesen ist, sind er und sein Projektant Gassner weiterhin in der Wiener Szene der Offenen Bücherschrankbetreiber mehr als umstritten. Initiativen, die sich bewusst von Gassner abgrenzen, haben etwa im 5. und 11. Wiener Gemeindebezirk entsprechende eigenen Offene Bücherschränke etabliert. Darüber hinaus hat sich in der oppositionellen Gruppe Buchtrinker eine weitere Initiative zur Etablierung offener Bücherschränke organisiert. Diese strebt die Errichtung von eigenen Buchtrinkerbücherschränken etwa im Wiener Augarten, am Fuße eines ehemaligen Flakturms aus dem Zweiten Weltkrieg, dann im Mugelkugelhaus auf dem Gelände der Republik Kugelmugel im Wiener Prater sowie auf dem Gelände des Donauparks neben der Wiener Uno City an. Nach diesen drei Projekten sollen weitere Offene Bücherschränke am Wiener Bisamberg, im Lainzer Tiergarten sowie auf der Wiener Donauinsel errichtet werden. Diese Initiative der Buchtrinker strebt von vorn herein keinerlei öffentliche Förderung an, sucht darüber hinaus aber auch keinerlei Nähe zu etablierten Künstlern, wie etwa Hermann Nitsch. Dafür sollen in den Buchtrinkerbücherschränken auch besondere eigene Behältnisse für CDs sowie DVDs eingerichtet werden, um auch diesen modernen Trägermedien eine Heimat zu geben.
