Oft gefälscht: Darjeeling, der edle Tee aus dem Himalaya

Echter Tee aus Darjeeling? - Karin Jähne/pixelio.de
Echter Tee aus Darjeeling? - Karin Jähne/pixelio.de
Darjeeling-Tee ist für Teekenner unverwechselbar. Trotzdem wird viermal soviel Darjeeling verkauft wie angebaut. Qualitäten und Zubereitung von Darjeeling.

Darjeeling wird auch der Champanger unter den Tees genannt. Es ist ein besonders hochwertiger, begehrter und teurer Tee, der oft gefälscht wird. Bereits 1953 gründete sich das Tea Board of India, das Darjeeling zertifiziert und Lizenzen vergibt, um Betrug und illegale Vermischung mit Tee aus weniger guten Anbaugebieten zu verhindern. Trotzdem wird auch heute noch rund viermal soviel Darjeeling verkauft wie geerntet wird: Jedes Jahr werden etwa 10.000 Tonnen produziert, verkauft werden rund 40.000 Tonnen. Nicht nur kriminelle Machenschaften sind dafür verantwortlich. In Deutschland dürfen Teemischungen als Darjeeling bezeichnet werden, sobald sie 51 % Tee aus Darjeeling enthalten. Das Logo des Tea Board ist das Erkennungszeichen für 100prozentigen Darjeeling und ist auf Packungen mit reinem Darjeeling aufgebracht (rundes Zeichen, eine Frau mit Teeblatt und der Schriftzug Darjeeling).

Die Herkunft von Darjeeling

Die kleine Stadt Darjeeling (auch: Darjiling) im Norden Indiens gab dem weltberühmten Tee seinen Namen. Die Region Darjeeling ist nur gut 3000 km² groß, liegt am Fuße des Himalayas und gehört zum Bundesstaat Westbengalen. Die Teegärten befinden sich an den Südhängen des Himalayas in Höhen bis 2400 m. Kennzeichnend sind eine hohe Sonneneinstrahlung und kühle Nächte, wodurch die Sträucher langsam wachsen und der Tee ein intensives Aroma bekommt. Es werden in Darjeeling vergleichsweise geringe Ernten erzielt. Insgesamt kommen nur 2 % der indischen Teeernte aus Darjeeling. Überwiegend wird schwarzer Tee produziert, in den letzten Jahren zunehmend auch grüner. Außerdem kommen kleine Mengen Oolong und weißer Tee aus der Region.

Erntezeiten und Aroma von Darjeeling-Tee

Die beliebtesten Tees sind die Frühlingsernte (First Flush) und die Sommerernte (Second Flush). Dazwischen finden weitere Ernten statt, jede Erntezeit hat viele Pflückdurchgänge.

Das Erntejahr beginnt je nach Lage im Februar bis Mitte April mit der Frühjahrspflückung, die etwa vier bis sechs Wochen dauert. Der First Flush ist hell im Aufguß, fein aromatisch mit einer Spur Bitterkeit. Ungefähr ab Mai ist frischer First Flush bei uns als Flugtee erhältlich.

Von April bis Mitte Mai wird der In-Between geerntet, dessen Geschmack zwischen First und Second Flush liegt, der aber nicht deren Geschmacksfülle erreicht und überwiegend für Mischungen verwendet wird.

Von Mitte Mai bis Ende Juni wird der Second Flush, die Sommerernte, gepflückt. Der Tee hat ein kräftiges, volles Aroma und eine leuchtend braune Farbe.

In der Westmonsunzeit, von August bis Oktober, werden die sogenannten Regentees geerntet, einfache Alltagstees, auch Bread and Butter Tea genannt.

Nach dem Ende der Monsunzeit, von Oktober bis Ende November, wenn der Tee durch die Herbstsonne eine besonders milde Geschmacksrichtung bekommt, wird der Autumal-Tees geerntet. Er hat eine helle Farbe und wenig Gerbsäure.

Die Blattsortierung und Qualität von Darjeeling-Tee

Die Blattsortierungen werden durch eine Endsiebung gewonnen. In Darjeeling wird überwiegend orthodox produziert, dabei fallen folgende Gruppen an:

  • Blatt-Tee (Blätter sind sichtbar, bei Teekennern am beliebtesten)
  • Broken-Tee (gebrochene Teeblätter, meist für Mischungen und Teebeutel verwendet)
  • Fannings (ca. 1 mm große Stückchen, ergiebig, für Teebeutel)
  • Dust (Staub, die letzte Aussiebung, sehr ergiebig, sehr gerbstoffhaltig, für billige Teebeutel)

Die Buchstabenkombinationen auf den Teepackungen erläutern die Blattarten. Findet sich keine Angabe, handelt es sich vermutlich um einen einfachen oder auch minderen Tee. Die beste Qualität ist ein SFTGFOP (Special Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe):

  • S (superior) – das Beste, höchster Anteil von Blattspitzen für charakteristischen Geschmack
  • F (finest) – das Feinste, enthält etwa ein Viertel Blattspitzen
  • T (tippy) – viele Blattspitzen
  • G (golden) – Blattspitzen schimmern golden (im Gegensatz zu „silver tips“)
  • F (flowery) – duftend, blumig
  • O (orange) – das niederländische oranje bedeutet „königlich“
  • P (pekoe) – junge Blätter des Teestrauchs, an denen noch „weißer Flaum“ zu sehen ist
  • B (broken) – gebrochene Teeblätter
  • 1 (First Flush) - Frühlingsernte
  • 2 (Second Flush) - Sommerernte

Bei hochwertigem Darjeeling-Tee wird oft auch die Plantage angegeben. Es existieren über 80 Teegärten in Darjeeling, jeder Garten erzeugt Tee mit bestimmtem Geschmack, und einige produzieren inzwischen auch in Bio-Qualität. Zwei der ältesten Plantagen wurden übrigens von deutschen Missionaren und Einsiedlern gegründet: Steinthal und Happy Valley. Weitere bekannte Teegärten sind zum Berispiel Margaret´s Hope, Risheehat, Teesta, Makaibari und Castleton.

Die optimale Zubereitung von hochwertigem Darjeeling

Für jede Tasse werden 2 g Blatt-Tee (ein gestrichener Teelöffel) möglichst lose in eine vorgewärmte Kanne aus Glas oder Porzellan (kein Metall) gegeben. Vor allem für den feinaromatischen First Flush ist es wichtig, kalkarmes Wasser zu nehmen. Schwarzer Tee wird mit kochendem Wasser aufgebrüht - da First Flush aber leicht bitter wird, kann das Wasser nach dem Kochen auch etwas abgekühlt werden (auf 90-95 Grad). First Flush wird nach 2-3 min abgegossen, die anderen schwarzen Darjeelings nach 3-4 min. Zieht der Tee länger, wirkt er nicht etwa beruhigend, sondern es werden mehr Gerbstoffe (Tannine) gelöst, die zwar das Koffein lansamer wirken lassen, aber bitter schmecken.

Grüner Darjeeling wird mit 70-80 Grad heißem Wasser aufgebrüht und zieht 2 min. Bei dieser Zubereitungsmethode sind ein oder zwei weitere Aufgüsse möglich.

Das Aroma von Darjeeling kommt am besten zur Geltung, wenn der Tee ohne Milch getrunken wird. Bei Bedarf können etwas weißer Kandis oder Zucker und vielleicht einige Tropfen Zitronensaft zugegeben werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Grösser, H.: Tee für Wissensdurstige. 1995.

Informationen von Tee-Online