Ohne Praktikum kein Job

Schlechte Bezahlung trotz voller Arbeitsleistung, Arbeiten in den Ferien neben lernen und Prüfungen schreiben - so sieht der Praktikanten-Alltag oft aus.

Ohne Praktikum ist ein Einstieg in die Arbeitswelt für Studierende heutzutage fast unmöglich. Selbst das berühmte Vitamin B ist kein Allheilmittel mehr. Allerdings gehen Studienpläne und Realität oft weit auseinander und stellen Studierende auf einen harte Probe.

Alte Studienpläne versus neue Anforderungen

Zwei bis drei Jahre Berufserfahrung als Voraussetzung sind keine seltenen Forderungen bei Stellenanzeigen. Die Studienabsolventen können diese jedoch häufig nur in Form von Praktika nachweisen. Das ist zwar noch kein Garant für einen Job, allerdings sind die Chancen ohne Praktika gleich null. Vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich haben Studierende und Absolventen damit zu kämpfen. In vielen antiquierten Studienplänen wurde der Raum für Praxis einfach durch die Möglichkeit zur Studienverlängerung geschaffen. Die Umstellung auf kürzere Studienpläne nach dem Bachelor-, Master-System lässt aber dafür keinen Platz mehr, obwohl häufig so genannte Pflichtpraktika verlangt werden. Die Studierenden müssen also versuchen, Praktika, Prüfungen und auch ein bisschen notwendige Erholung in ihre Ferien zu verpacken.

Zeit ist relativ zu sehen

Auf der anderen Seite stehen die Arbeitgeber. Häufig werden nur Praktika ab mindestens drei Monaten vergeben, lieber nimmt man jemanden für länger. Für die Unternehmen ist der Mehrwert deutlich – aber für Studierende ist das oft so nicht leistbar. Meist müssen zu Ferienbeginn noch Prüfungen geschrieben werden und ein Semester auszusetzen kann bedeuten, ein ganzes Jahr zu verlieren. Häufig werden nicht alle Kurse in jedem Semester angeboten und so fällt die Entscheidung zu pausieren doch sehr schwer. Kürzere Praktika werden aber eher selten angeboten. Glück hat auf jeden Fall, wenn überhaupt, meist der, der schon einmal etwas gemacht hat. Ein erstes Praktikum zu bekommen, gestaltet sich manchmal wie ein Sechser im Lotto. Aber irgendwo muss man ja doch mal anfangen. Für die Unternehmen ist das jedoch sehr oft zu riskant.

Die Bezahlung ist nicht immer selbstverständlich

Ein weiteres Problem ist die Bezahlung, die häufig ausbleibt. Am Ende müssen viele Praktikanten draufzahlen, mit den Kosten für die Anfahrt oder sogar für eine Unterkunft. Eine 40-Stunden-Woche ist dabei aber keine Seltenheit. Längst lassen viele Firmen ihre Praktikanten auch nicht mehr nur kopieren und Kaffee kochen, sondern binden sie richtig mit ein. Sehr positiv ist, dass auf diese Weise viel erlernt wird und Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann. Wenn Praktikanten volle Arbeit leisten, sollten sie jedoch auch entsprechend ihrer Kenntnisse entlohnt werden. Häufig fühlen sich Praktikanten ausgenutzt, meist trauen sie sich jedoch nicht, sich zu beschweren, aus Angst den Platz zu verlieren oder ein schlechtes Zeugnis zu bekommen. Es bleibt also weiterhin spannend zu beobachten, wie sich die Praktikantenkultur in den nächsten Jahren entwickeln wird.