
- Kleine Räder, große Helden - Stefan Roßkopf
Für Kinder ist es etwas ganz Besonderes, auf dem eigenen Drahtesel zu sitzen und selbstständig fahren zu können. Es ermöglicht nicht nur sehr viel mehr Freiheit, sondern sorgt auch für viel Spaß, so zum Beispiel bei einer Fahrradtour mit der ganzen Familie oder Freunden. Bei den ersten Versuchen, mit dem Zweirad vorwärts zu kommen, muss es aber nicht immer Tränen geben, und auch auf Stützräder kann man getrost verzichten.
Die Vorbereitungen fürs stützräderlose Lernen
Die wichtigsten Eigenschaften fürs Fahrrad fahren sind der Gleichgewichtssinn und die Koordination von Fuß, Auge und Hand. Während man als Elternteil beim Laufen lernen noch unterstützend eingreifen musste, zum Beispiel mit Händchen halten, können die Vorbereitungen für das Fahrrad fahren ganz spielerisch und natürlich erlernt werden. Der Gleichgewichtssinn wird sehr gut mit Rollern und insbesondere durch Laufräder trainiert. Bereits mit drei Jahren kann man ohne Bedenken damit beginnen, das Kind auf ein Laufrad zu setzen. Viele Kinder sind auch schon vorher theoretisch soweit, mit dem Laufrad loszulegen; verhindert wird dies meist durch einen zu hohen Sattel, der verhindert, dass jüngere Kinder einen sicheren Stand haben. Während sich Kinder in den ersten Tagen – vielleicht auch Wochen – größtenteils nur laufend auf dem Laufrad fortbewegen, wird es mit zunehmender Sicherheit dazu kommen, dass sie immer mehr den Schwung und die Geschwindigkeit nutzen, um weite Strecken ohne Fußantrieb zu rollen.
Laufrad als Vorstufe zum Fahrrad
Das Laufrad trainiert nicht nur exzellent den Gleichgewichtssinn, sondern sorgt auch dafür, dass die Koordination von Füßen, Augen und Händen geschult wird, wobei das Laufrad nicht ganz so anspruchsvoll ist wie das Fahrrad. Viele Laufräder haben keine Bremsen; hat man jedoch eines mit einer Handbremse, so kann auch das als Vorteil genutzt werden. Das Prinzip unterscheidet sich nicht von dem des Fahrrads, und das Kind gewöhnt sich so frühzeitig daran, mit der Handbremse das Gefährt zu stoppen und nicht mit dem Einsatz der Füße.
Einfach ohne Stützräder
Ist das Kind dann soweit, mit einem Fahrrad durch die Nachbarschaft fahren zu wollen, geht der Umstieg von Laufrad zu Fahrrad ganz einfach. Ein wenig Respekt vor dem „großen“ Gefährt gehört dazu, aber wenn man Kindern deutlich macht, dass es eigentlich nur ein Laufrad mit Pedalen ist, ist auch die mögliche Angst schon viel geringer. Gleichgewicht halten, in die Pedale treten und auch noch lenken, stellt eine große Anforderung an die kleinen Fahrradfahrer, aber schnell sollte sich das langjährige Training mit dem Laufrad auszahlen. Während das eigentliche Fahren recht schnell gelernt ist, manchmal sogar schon innerhalb von ein bis zwei Stunden, sind meist noch zwei Hürden zu nehmen: das Anfahren und das Bremsen.
Hat man bereits ein Laufrad mit Bremsen zum Trainieren gehabt, ist die letztere Hürde recht schnell genommen. Viele Räder haben auch eine Rücktrittbremse, die für Kinder oft einfach zu bedienen ist. Hier muss man von Fall zu Fall abwägen. Das Anfahren wird den Kindern oft dadurch erleichtert, dass sie schnell genug sind, um nicht mit dem Fahrrad umzufallen. Dies geschieht am Anfang dadurch, dass sie angeschubst und gehalten werden, aber auch hier zahlt sich das Training mit dem Laufrad aus: das Kind kann nach den ersten Versuchen einfach genug Geschwindigkeit durch das Anlaufen auf dem Fahrrad bekommen und dann die Füße auf die Pedale setzen.
