
- OB Christian Ude beim o'zapn. - Michael Nagy/Presseamt München
Es ist unerträglich voll, es ist unerträglich laut, es ist unerträglich teuer, ja alles an dieser Veranstaltung ist eigentlich unerträglich und doch können es viele Münchner und auch Nichtmünchner bereits jetzt kaum mehr erwarten bis es wieder losgeht. Am 18. September wird der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude wieder im Schottenhamelzelt mit dem Schlegel den Hahn in das Bierfass treiben und dann den berühmten Spruch loslassen: O‘zapt is! Damit wird das 177. Münchner Oktoberfest eröffnet sein, und heuer dauert es sogar noch einen Tag länger, nämlich bis einschließlich Montag, 4. Oktober.
Historische Wiesn und andere Geburtstagsveranstaltungen
Epidemien und Kriege sorgten dafür, dass die Veranstaltung 24 Mal ausfiel, so dass dieses Jahr erst das 177. Oktoberfest stattfindet, obwohl es 200 Jahre her ist, dass die Hochzeit zwischen dem späteren König Ludwig I. und Therese von Sachsen-Hildburghausen stattfand. Fünf Tage lang feierte die Stadt das Brautpaar mit einem großen Fest und einem anschließenden Pferderennen auf einer Wiese vor den Stadttoren. Das Pferderennen gefiel dem Volk so gut, dass es im folgenden Jahr wiederholt wurde, und so fand nun jedes Jahr auf der Wiese, die zu Ehren von Therese Theresens-Wiese und später Theresienwiese genannt wurde, im Oktober ein Fest statt, bis es Ende des 19. Jahrhunderts in den September vorverlegt wurde.
Zur Geburtstagswiesn finden natürlich spezielle Veranstaltungen statt, so präsentiert sich auf dem Südteil der Theresienwiese dieses Jahr die Historische Wiesn mit einer Ausstellung historischer Fahrgeschäfte und Belustigungen, ein Zelt widmet sich literarischen Ausflügen in die Geschichte des Oktoberfestes. Aus Jubiläumsgründen wird außerdem ein Pferderennen stattfinden, und mit einem historischen Festzug vor der Eröffnung wird an die Begründung des Oktoberfestes erinnert. Bereits am 9. Juli eröffnet im Münchener Stadtmuseum die Ausstellung „Das Oktoberfest 1810 - 2010“.
Das Oktoberfestattentat von 1980
Zeigen wird die Ausstellung wohl auch Bilder von der Tragödie von 1980, als ein Attentat am 26. September das Fest erschütterte. Bei dem Terroranschlag starben 13 Menschen, mehr als 200 wurden zum Teil schwer verletzt. Nachdem Franz-Josef Strauß zunächst versucht hatte, Linksextremisten für die Tat verantwortlich zu machen, stellte sich schnell heraus, dass der Anschlag einen rechtsextremistischen Hintergrund hatte. Die Behörden vertraten jedoch die These der Bombenleger Gundolf Köhler habe als Einzeltäter gehandelt, während Zeugen, einzelne Politiker, Gewerkschafter und Publizisten diese Version bis heute bestreiten. Bereits in den 1980er Jahren hatten sich Hinweise auf eine Verwicklung der rechtsradikalen Wehrsportgruppe Hoffmann ergeben, jedoch hielt sowohl die bayerische Polizei als auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe stets an der Version vom Einzeltäter Gundolf Köhler fest .
Inzwischen tauchten auch Spekulationen über einen europaweiten Zusammenhang und eine Verbindung mit dem Attentat auf den Hauptbahnhof von Bologna im August 1980 auf. Opfer, Opferangehörige, aber auch interessierte Bürger und Politiker, versuchten mehrfach eine Wiederaufnahme der Ermittlungen zu erreichen, zuletzt 2009, jedoch stets erfolglos. Sie werfen den Behörden und den zuständigen Politikern vor, dass eine Aufklärung über die tatsächlichen Zusammenhänge nie erwünscht gewesen sei. Am Eingang zur Theresienwiese erinnert ein Mahnmal an das Attentat, jedes Jahr während des Oktoberfests wird dort der Opfer gedacht.
Oktoberfest 2010 wie immer: Wiesnhits, ein beachtlicher Bierpreis und der Schichtl
Viele jedoch haben das Oktoberfestattentat längst aus der Erinnerung verdrängt. Das Gedenken soll die große Sause nicht allzu sehr stören. So wird es auch dieses Jahr wohl wieder sein. Die Menschen werden die Fahrgeschäfte stürmen, in eines der 14 großen Zelte gehen, die ein oder andere Maß Bier trinken und „Life is Life“ oder einen der anderen Wiesnhits grölen. Dabei soll der Bierpreis heuer zwischen 8,30 Euro und 8,90 Euro liegen. Die Besucher werden wohl dennoch nicht ausbleiben und „Olympia Looping“, „Höllenblitz“, „Night Fly“ oder andere gewagte Fahrgeschäfte testen. Wer’s lieber traditionell mag, kann sich auch dieses Jahr eine Fahrt in der Krinoline gönnen oder beim Schichtl einer Hinrichtung beiwohnen.
Nicht ändern dürfte sich auch die Tatsache, dass wieder jede Menge Betrunkene unterwegs sein und die Sanitäter und Ärzte ausreichend beschäftigen werden. Wer gerne ein wenig Wiesnluft schnuppern, aber nicht unbedingt auf Schritt und Tritt stark alkoholisierten Menschen begegnen möchte, wird deshalb vielleicht einen Werktagvormittag für den Wiesnbesuch auswählen, immerhin hat die Wiesn Wochentags ab 10 Uhr geöffnet, am Wochenende bereits ab 9 Uhr. Die Festhallen müssen um 23:30 Uhr schließen, nur für das Weinzelt und Käfers Wiesnschänke wird eine Ausnahme gemacht, sie schließen um 1 Uhr. Auch sonst gilt für die Geburtstagswiesen, was immer gilt: Es wird am ersten Sonntag ein Trachtenumzug stattfinden, bei entsprechendem Wetter am zweiten Sonntag ein Standkonzert unter der Bavaria, es werden Menschen in seltsamen Kopfbedeckungen zu sehen sein und das Oktoberfestplakat 2010 ist auch wieder ziemlich traditionell geraten. Abgebildet sind die wichtigsten Oktoberfestzutaten, darunter ein Dirndl, eine Lederhose, eine Maß Bier und eine Brezn.
