
- Der Toboggan: Runter kommt man leichter als rauf - Toboggan-Konrad
Das Leben meint es nicht immer gut mit dem Mann. Will er auf dem Münchner Oktoberfest auf dem Toboggan nach unten rutschen, hat es eine harte Prüfung für ihn bereitgestellt, denn bevor es hinuntergeht muss man hinauf und zwar die ersten Meter auf einem flotten Förderband. Frauen und Kinder können sich jederzeit von den hilfreichen Händen der Angestellten hinaufziehen lassen, bei Männern macht sich das nicht so gut. Hat der Mann die Fahrt erst einmal selbstständig angetreten, rechnet er nicht unbedingt damit, dass sich der Handlauf nicht wie bei der Rolltreppe mit bewegt und kippt schon mal hintenüber, zumal wenn er vorher schon vom Wiesnbier gekostet hat. Gut möglich, dass er dann im Stillen den Erfinder dieses Fahrgeschäfts verflucht.
Familienbetrieb Toboggan: Seit Jahrzehnten auf dem Oktoberfest
Bekannt ist dieser allerdings nicht. Riesenrutschbahnen gab es in Nordamerika schon im frühen 19. Jahrhundert als Attraktionen, wann sie nach Europa kamen, lässt sich wohl nicht sagen, auf einer Pariser Postkarte aus dem Jahr 1900 ist jedoch bereits ein Toboggan zu sehen. So müssten die Herren wohl am ehesten den Badener Anton Bausch verfluchen, der 1906 wohl den ersten deutschen Toboggan baute, vielleicht auch den Schongauer Hans Konrad. Er war es, der den heutigen Wiesn-Toboggan 1920 kaufte. Dieser war damals um einiges höher und hatte zwei Rutschen, erst später wurde der Turm gekürzt und eine Rutsche entfernt. Seit 1933 ist der Toboggan der Familie Konrad auch auf dem Oktoberfest vertreten, wo es die großen Rutschen vorher bereits gab. 1908 standen noch drei davon auf der Wiesn, heute existiert nur noch jener der Familie Konrad, der später an Hans Konrads Sohn Rudolf überging und nun von dessen Witwe Astrid und dem gemeinsamen Sohn Claus betrieben wird.
Zuschauermagnet Toboggan
Konrads Toboggan stand nicht nur auf der Wiesn sondern auch auf Volksfesten in Kroatien, Italien und Österreich. Erst als es sich nicht mehr lohnte, wurde das Reisen aufgegeben, so dass er heute nur noch auf dem Oktoberfest aufgebaut wird, wo mancher Mann heute wie früher seine liebe Not mit dem Anstieg hat. Hat er allerdings auf dem Förderband sein Gleichgewicht wiedergefunden und das Band doch noch überwunden, hat er an diesem Tag schon sehr vielen Menschen eine Freude bereitet, denn für gewöhnlich zieht das Fahrgeschäft am Ausgang Richtung Goetheplatz immer Zuschauer an. Um auch sich selbst eine Freude zu bereiten, muss er noch einige Treppen des Toboggans, der seinen Namen einem Schlitten der Algonkin-Indiander verdankt, hinaufsteigen. Dort setzt er sich dann auf einen Teppich und rutscht hinunter. Unten angekommen, hat dann hoffentlich auch der arme Mann seinen Spaß gehabt.
