
- Seit 1889 wartet der - Nagy/Presseamt München
Wer das Münchner Oktoberfest besucht, spaziert über das größte Volksfest der Welt. Was als bayerisches Nationalfest angefangen hatte, mutierte im Lauf der Zeit zu einem gigantischen Bier- und Volksfest mit bayerischem Image. Bierhallen, Olympia Looping, Nightfly und Höllenblitz warten auf den Besucher und natürlich diverse andere Fahrgeschäfte vom Autoscooter bis zur Geisterbahn. Doch inmitten all der großen schrillen Fahrgeschäfte, da stehen sie plötzlich: Der Toboggan, die Krinoline und einige andere altertümliche Fahrgeschäfte und Schaustellerbetriebe. Auch sie haben auf der Wiesn noch ihren Platz.
Vom Pferderennen zu den Schaustellerbetrieben
Als Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete, wurde dem Volk ein Fest spendiert. Geheiratet wurde am 12. Oktober 1810, das Fest fand am 17. Oktober statt. Auf einer Wiese, die damals noch vor den Toren Münchens lag, wurde ein Pferderennen veranstaltet, nach der Prinzessin wurde sie später Theresienwiese genannt. Weil das Fest ankam, wurde das Pferderennen in den darauf folgenden Jahren wiederholt und so war das Oktoberfest geboren. Bald wurden die ersten Wirtsbuden aufgestellt und, um die Besucher zu belustigen, dachten die Wirte sich Spiele wie Sackhüpfen oder Baumklettern aus, denn bis auf wenige Ausnahmen – das erste Karussell stand 1818 auf der Wiesn – begann der Betrieb von Fahrgeschäften auf dem Oktoberfest erst ab etwa 1850 so richtig und gegen Ende des 19. Jahrhunderts spielten die Schausteller schon eine große Rolle. Aus den Wirtsbuden wurden bald darauf von Brauereien betriebene Bierhallen mit Blaskapelle und die Belustigung des Volkes außerhalb der Bierhallen lag nun ganz in den Händen der Schaustellerbetriebe.
Viele von den heutigen Schaustellerbetrieben auf dem Oktoberfest haben ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Dazu gehören etwa die Schiffschaukel, die Schießstände und die Jahrmarktsfotografie. Doch nicht alles, was auf der Wiesn alt aussieht, ist tatsächlich alt, so etwa der Fotowagen von Stephan Bastian. Hofphotograph nennt sich das Geschäft, das an alte Zeiten erinnert, als sich, ab etwa 1880, einige Fotografen auf das fotografieren auf Volksfesten spezialisierten. So waren auf dem Münchner Oktoberfest Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts zwölf Fotobuden vertreten. An diese alte Tradition wollte Ludwig Deyl mit seinem Fotowagen anknüpfen, als er 1978 auf die Wiesn kam und den Besuchern die Möglichkeit bot, sich in nostalgischen Kostümen fotografieren zu lassen, später übernahm Stephan Bastian das Geschäft.
Schichtl, Teufelsrad und Hexenschaukel
Einige andere Schaustellerbetriebe sind tatsächlich schon seit Generationen auf der Wiesn, auch wenn die ehrwürdigen Fahrgeschäfte und Etablissements mittlerweile modernisiert wurden. Dazu gehören das „Original-Zauber-Spezialitäten-Theater“ der Familie Schichtl, heute im Besitz von Manfred Schauer, das für „die Enthauptung einer lebendigen Person mittels Guillotine“ bekannt ist und seit 1869 das Oktoberfest bereichert, außerdem die Krinoline, der Toboggan, die Hexenschaukel und das Teufelsrad. Letzteres ist eine flache Scheibe, die sich dreht und jene, die drauf sitzen oder stehen, sollten sich möglichst lange dort aufhalten. Feldls Teufelsrad soll 1908 von dem Schausteller und Geschäftsmann Carl Gabriel gegründet worden sein und wurde Ende der 1940er Jahre von der Familie Feldl übernommen und modernisiert. Ungefähr zur gleichen Zeit, nämlich 1906, baute Anton Bausch nach Pariser Vorbild den ersten deutschen Toboggan. Die Familie Konrad, die noch heute mit ihrem Toboggan auf der Wiesn ist, hat dort seit 1933 ihr Fahrgeschäft, das man eher als Rutschgeschäft bezeichnen könnte, schließlich besteht das Vergnügen darin, auf einen Turm zu steigen und auf dem Hosenboden, lediglich auf einer langen Matte sitzend, eine Rutsche hinunterzugleiten.
Die Krinoline, ein Karussell, dessen Bewegung an den Krinoline genannten früheren Reifrock erinnert, ist seit 1924 auf der Theresienwiese vertreten und wird in vierter Generation vom Urenkel des Gründers geführt. Schon ein paar Jährchen länger ist die Hexenschaukel, die die Illusion erzeugt, man überschlage sich während der Fahrt mehrfach, auf der großen Sause präsent, nämlich seit 1894. Der Ein oder Andere wird sich vielleicht damals über dieses schrille verrückte Fahrgeschäft geärgert haben während er so über die Wiesn lief und wehmütig daran dachte, wie schön das Fest wohl früher gewesen sein musste – damals als es statt dieser neumodischen Dinge noch Sackhüpfen und Baumklettern gab.
