"Ollie geht langsam auf die Lichter der Szene zu … Er muss noch einmal ausgleiten, noch einmal die Kellner verfluchen, deren Tabletts auf den Boden gefallen sind … Stan lächelt zufrieden. Der Dicke hat es geschafft. Ollie schreit auf. Die Szene zerreißt in tausend Stücke. Im Fall hat der Dicke einen Kessel mit kochendem Wasser heruntergerissen. Stan fasst sich an den Kopf. Sein ganzer Plan fällt in sich zusammen, jetzt wird es keinen Film mehr geben. Wütend tritt er gegen die Töpfe und boxt in die Luft, er gleitet auf einem Salatblatt aus, strauchelt, stolpert über die Beine des Dicken, der immer noch schreit, und fällt auf die Nase. Hal Roach grölt zufrieden, fuchtelt mit erhobenen Armen und kaut wild auf seiner Zigarre. 'Ich hab sie gefunden', schreit er, 'das sind sie.'"

Urknall der Komik

So, wie es der argentinische Schriftsteller Osvaldo Soriano (1943 – 1997) in seinem 1973 erschienenen Roman "Traurig, einsam und endgültig" beschreibt, könnte er sich abgespielt haben, der Big Bang, der Urknall der Komik, der das Duo Stan Laurel und Oliver Hardy hervorbrachte, Stan und Ollie, vulgo Dick und Doof, wie sie despektierlich nur in Deutschland alliterierend verkauft wurden.

Die beiden brachten, wie keine Komiker vor, neben und nach ihnen (nun ja, vielleicht die Marx Brothers; aber das ist eine andere Geschichte), die Anarchie ins Filmstudio. Wo sie auf- und hintraten, wuchs nicht nur kein Grashalm mehr; sie hinterließen wüstes Brachland. Die Katastrophen begannen immer ganz harmlos, mit einer Bananenschale, auf der einer ausrutscht und den anderen mitreißt, als kleine Geplänkel, die sich zu gewaltigen Schlachten aufplusterten: Generalproben für den Weltuntergang. Die Errungenschaften der Zivilisation waren ihre natürlichen Feinde; Klaviere, Automobile, Wohnungen, Häuser, ganze Straßenzüge zerlegten sie virtuos in ihre Einzelteile. Sieben Tage brauchte Gott, um die Erde zu erschaffen – zwei Akte reichten Laurel & Hardy, um sie zu zerstören.

Studien in der Hotellobby

Oliver Norvell Hardy wurde am 18. Januar 1892 in Harlem, Georgia, geboren. Die Mutter übernahm nach dem Tod des Vaters ein Hotel in Madison, in dessen Lobby Oliver stundenlang die Gäste beobachten konnte. "Immer wieder werde ich gefragt, wie Stan und ich unsere Filmfiguren erfunden haben – so, als ob die beiden keinerlei Ähnlichkeit mit lebenden Personen hätten. Gewiss, sie sind dümmer als jeder andere, aber trotzdem gibt es eine Menge Laurels und Hardys auf der Welt. Wenn ich auf Reisen gehe, habe ich noch immer diese alte Angewohnheit, in der Lobby zu sitzen und Leute zu studieren – und darunter sind viele Laurels und Hardys: der unbeschreiblich Doofe, dem nie etwas wirklich Schlimmes zustößt, und der andere, der sich für so unheimlich patent hält, aber in Wirklichkeit noch doofer ist." So einfach, in den Worten Oliver Hardys, lässt sich die Funktionsweise dieses Komikerduos knapp zusammenfassen.

Die Dummheit, ins Absurde gesteigert – genau das ist, immer wieder, Hardy gelungen, dem Mächtigen, dem Machtvollen, der stets und ständig davon überzeugt war, das Richtige zu tun und im Recht zu sein. Er war Mutter und Vater und großer Bruder für seinen schmächtigen Partner Laurel (dem, nebenbei bemerkt, geistigen Motor all ihrer Filme), das greinende Kind, das wimmernde Baby, den Pechvogel, den Unglücksraben. Über den bricht, kaum dass er verschmitzt über eine gelungene Tat grinst, die Welt schon wieder zusammen, während Hardy mit zusammengekniffenen Lippen, einem Blick voller Empörung und Verachtung, die Melone stets fest auf dem verschwitzten Haar, über seinen Partner, dieses Bündel an Unfähigkeit und Tollpatschigkeit, den vollmondrunden Kopf schüttelt.

Um ein Haar bürgerlich geworden

Hardys künstlerische Anfänge fanden auf der Straße statt und im Zirkuszelt. Kurzzeitig sah es aus, als schaffte er den Sprung ins bürgerliche Lager. Er besuchte das Konservatorium in Atlanta, wechselte zur juristischen Fakultät. Dann, 1910, eröffnete er ein Kino, und 1913 entstand der erste Stummfilm mit ihm in der Hauptrolle. Viele folgten, doch keiner hätte ausgereicht, ihm zu jenem Nachruhm zu verhelfen, an dem er ab 1926, als ihn der Produzent Hal Roach entdeckte, bauen konnte. Rund 200 Mal erschufen Laurel und Hardy das Chaos aus der Ordnung, zelebrierten in infantiler Lust die Kunst der Zerstörung und setzten die Keimlinge, aus denen viele Jahre später das absurde Theater erblühen sollte.

Sie gehörten zu den wenigen, deren stumme Anarchie nicht am Tonfilm zerbrach, die Geräusche und Worte in ihre Desaster-Dramaturgie geschickt einzubauen verstanden. Was auf Dauer nicht verhindern konnte, dass ihre Witze flacher, die Gags dünner, die Pointen fader wurden.

Am Ende wieder stumm

Wie eine böse Ironie der Filmgeschichte muten die Begleitumstände von Hardys Ende an. Mitte der 1950er Jahre hatte das Fernsehen das Komikerduo wiederentdeckt und wollte mit einer Serie, "The Fables of Laurel and Hardy", den welkenden Erfolg noch einmal auffrischen. Wenige Tage vor Drehbeginn erlitt Hardy, der sich gerade einer Gewaltdiät unterzog, einen Schlaganfall, der ihm das Sprechen unmöglich machte. Die Partner konnten sich nur noch stumm verständigen.

Am 7. August 1957, vor 55 Jahren, starb Oliver Hardy im Alter von 65 Jahren. Acht Jahre später folgte ihm sein Partner in die Film-Unsterblichkeit, die sich die lebenslänglichen Kinder, die größten ihrer Art in Hollywood, in mehr als 100 Chaos-Komödien gesichert haben.