Um 17:18 Uhr am heutigen 6. Juli 2011 verkündete der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, in der südafrikanischen Hafenstadt Durban, wo die Olympischen Winterspiele 2018 stattfinden werden: im südkoreanischen Pyeongchang. Beworben hatten sich daneben auch die bayerische Landeshauptstadt München sowie Annecy in Frankreich.

Die französische Bewerbung um die Austragung Olympischer Spiele war zunächst auf die Olympischen Sommerspiele 2024 gerichtet, um die sich Paris bewerben wollte, nachdem die Stadt im Rennen um die Olympischen Sommerspiele 2012 an London scheiterte. Mit Annecy, Grenoble, Nizza und Pelvoux bekundeten indes vier Städte ihr Interesse an der Ausrichtung der Winterspiele 2018. Annecy wurde schließlich am 18.03.2009 vom Nationalen Olympischen Komitees Frankreichs (CNOSF) als Bewerber benannt. Vom IOC wurden bereits die schlechte Zustimmungslage in der Bevölkerung sowie die weite Verteilung der Sportstätten in der Region kritisiert.

Das südkoreanische Pyeongchang bewarb sich heuer bereits das dritte Mal um die Olympischen Winterspiele. Bei den Bewerbungen um die Winterspiele 2010 und 2014 war die Stadt jeweils nur knapp unterlegen. Aus diesen beiden Vorbewerbungen hat Pyeongchang Erfahrungen gesammelt, die nun bei der erneuten Bewerbung helfen sollten. In Peyongchang ist zudem die Zustimmung in der Bevölkerung am höchsten. Vom IOC wurden besonders die kurzen Wege zwischen den Wettkampfstätten gelobt. Die Stadt galt als schärster Konkurrent Münchens.

"Die freundlichen Spiele" - Das Konzept der Münchener Bewerbung

Die Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018 begannen sich im Jahre 2005 zu konkretisieren, die letztliche Entscheidung für die Bewerbung traf der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am 8. Dezember 2007. Die Bewerbung stand unter dem Slogan "Die freundlichen Spiele". Besonderer Schwerpunkt sollten die Nachhaltigkeit und das Setzen ökologischer Maßstäbe sein, was vor allem durch die Nachnutzung von Sportstätten und klimaneutrale Konzepte deutlich gemacht wurde. Die Eiswettbewerbe sollten in München stattfinden, die Schneewettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen. Hinzu wäre eine kombinierte Kunsteinbahn am Königssee für die Rodel-, Bob- und Skeletondisziplinen gekommen.

Widerstand kontra öffentliches Interesse

Ende 2010 formierte sich in Garmisch-Partenkirchen der Widerstand ortsansässiger Bauern, die nicht bereit waren, ihre für die Spiele zwingend benötigten Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Befürworter der Spiele betonten dagegen, dass das öffentliche Interesse an einer solchen Veranstaltung schwerer wöge als die berechtigten Interessen einiger Grundstückseigentümer. Bundesweit unterstützten 75 Prozent die Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018. Die Auseinandersetzung mit den Bauern um ihre Grundstücke verhärtete sich und gipfelte am 8. Mai 2011 in einem Bürgerentscheid, in welchem sich schließlich 58 Prozent der Bevölkerung Garmisch-Partenkirchens für die Umsetzung der Pläne der Bewerbungskommission aussprach.

Wird München sich noch einmal bewerben?

Die Münchener Bewerberdelegation um Katharina Witt und Franz Beckenbauer, Bundespräsident Christian Wulff, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude wurden vor Ort in Durban von zahlreichen Sportbotschaftern unterstützt, unter ihnen Skifahrer Markus Wasmeier, Rodler Alexander Resch oder Bob-Pilotin Susi Erdmann. Am Tag der Entscheidung hatte dann die deutsche Delegation um 8:45 Uhr ein letztes Mal die Möglichkeit, ihre Bewerbung vorzustellen. Im Vorfeld hatte dabei insbesondere die Nachricht, dass Franz Beckenbauer die deutsche Bewerbung mit präsentiere, für Begeisterung in der Delegation gesorgt. Beckenbauer selbst sagte, er sei Bayer und Münchner und möchte, dass seine Landsleute die Spiele daheim erleben könnten. Er wünsche sich, dass die Entscheidung noch nicht gefallen sei und hoffe, bei den IOC-Mitgliedern, die er schon sehr lange kenne, noch ein bisschen Promotion machen zu können.

Die Bemühungen Beckenbauers blieben jedoch erfolglos. Das finanzstarke und ehrgeizige Pyeongchang setzte sich bereits im ersten Wahlgang mit 63 der 95 wahlberechtigen Stimmen durch. München erhielt 25 Stimmen, Annecy landete mit 7 Stimmen auf Platz drei. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude gratulierte Pyeongchang und wünschte der Stadt viel Erfolg bei der Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018. Er sei natürlich traurig, dass die Entscheidung nun nicht zu Gunsten Münchens ausgefallen sei. Er sei aber überzeugt, dass die Isarmetropole eine starke Bewerbung abgegeben habe. Es sei eine tolle Teamleistung gewesen, für die er sich bei allen Beteiligten herzlich bedanken möchte.

Die Frage nach eine erneuten Kandidatur im Falle einer Niederlage hatte der Oberbürgermeister immer von sich geschoben, eine Wiederholung der Bemühungen aber auch nicht ausgeschlossen. Ude selbst wäre dann nicht mehr im Amt. Die dringendste Aufgabe Münchens ist es nun jedoch, die Kosten der Bewerbung von 33 Millionen Euro wieder auszugleichen. Am Ende fehlten immer noch 6,5 Millionen Euro aus der Privatwirtschaft. Probleme gibt es auch beim Ausbau des Münchner S-Bahn-Netzes. Die dringend benötigte zweite Stammstrecke wurde mit Geldmitteln im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Olympiabewerbung geplant und kann nun wohl nicht bis 2018 fertig werden.