One Hit Wonder der 80er Jahre – Opus, Europe &Co

Musikalische Eintagsfliegen, die nie wieder die Charts stürmten

Viele "One Hit Wonder" eroberten in den 1980er Jahren die Hitparaden. Doch Kajagoogoo oder Opus konnten den Erfolg nie mehr wiederholen. Eine nostalgische Zeitreise.

Mal ehrlich, das kennt doch jeder: Man hört ein Lied im Radio, wird schlagartig an die Jugend oder ein besonders einprägsames Erlebnis vor vielen Jahren erinnert, und quält sich mit der Frage: „Von wem stammt der Song denn bloß?“

Während Evergreens wie die Beatles oder Elvis Presley nachhaltigen Eindruck hinterließen und noch heute Millionen Tonträger verkaufen, hatten viele Bands oder Einzelinterpreten weniger Glück: Wie aus dem Nichts landeten sie einen Hit und verschwanden genau so schnell und spurlos wieder, wie sie gekommen waren. Nachfolgende „One Hit Wonder“ konnten an ihren ganz großen Erfolg nie wieder anschließen. Dennoch ist die Popmusik untrennbar mit diesen musikalischen Eintagsfliegen verbunden. Lassen wir einige von ihnen Revue passieren.

Opus: „Live Is Life“ – der Schunkelhit!

Das Paradebeispiel eines völlig zufälligen, ungeplanten Hits lieferten Opus 1984. Als letzte Draufgabe bei einem Jubiläumskonzert spielten die bodenständigen Rockmusiker aus Österreich ein neues Lied namens „Live Is Life“. Trotz, oder vielleicht gerade wegen des Live-Charakters mit tausenden mitjohlenden Fans, geriet der simpel gestrickte Song zum weltweiten Schunkelhit. Danach war es wieder aus mit dem kurzen Hitparadenruhm, der bis heute die inoffizielle Hymne der Fußballstadien und Bierzelte ist. Wie sang schon Frank Sinatra: „That’s Life“.

Kajagoogoo: Too Shy – gar nicht schüchterner Limahl

Um mit einem dermaßen schrägen Bandnamen, der im Grunde überhaupt nichts bedeutet und angeblich der Babysprache entlehnt ist, Erfolg zu haben, benötigt man wohl einen charismatischen Sänger. Mit Limahl, der in Wirklichkeit Hamill hieß, gelang den Engländern das Kunststück, gleich mit der Debütsingle einen weltweiten Hit zu landen. Vokuhila-Idol Limahl schmachtete „Too Shy“ und Millionen Fans – in der Mehrheit Mädchen – lagen ihm zu Füßen. Jedenfalls bis das nächste Teenie-Idol die Cover der Zeitschriften zierte und Kajagoogoo wieder abgemeldet waren.

Limahl gelang übrigens mit dem Titelsong zu Wolfgang Petersens „Die unendliche Geschichte“ ein Soloerfolg, den er gleichfalls nicht mehr wiederholen konnte. Da half selbst ein Auftritt in der Pro7-Comeback-Show nichts.

Bruce & Bongo: „Geil“ – das Wort zum Jahrzehnt …

Zwei in Deutschland stationierte britische Soldaten erlernen 1986 das damals in Sprachmode gekommene Wort „Geil“, verfassen einen dadaistischen Blödeltext, unterlegen das Ganze mit einem simplen Beat und dürfen sich über einen Riesenhit in Deutschland und Österreich freuen. Ihre Nachfolgesingle, ein Cover des bekannten Liedes „Heigh-Ho (Whistle While You Work)“ aus Disneys „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, fand unverständlicherweise keine Beachtung. Ziemlich ungeil …

Robin Beck: „First Time“ – Coca-Cola is (H)it!

Das Lied zum Getränk: 1988 spült das Brausegetränk die Sängerin Robin Beck ausgerechnet mit einem Werbesong in die Hitparaden. Wiederholen konnte die oft als Backgroundsängerin aktive Amerikanerin diesen Erfolg nicht. Vielleicht hätte ein Wechsel zu „Pepsi“ oder „Beck’s“ geholfen …

Weather Girls: It's Raining Men – verheerende Wetteraussichten

Zwei dem vorherrschenden Schlankheitsideal gegenüber kritisch eingestellte Sängerinnen mischen mit „It’s Raining Men“ die Tanzböden sämtlicher Discos auf. Die Frage, ob ein solches Wetterphänomen nicht eher unappetitliche Auswirkungen auf die Landschaft hätte, wurde nie beantwortet. Jene, ob den vollschlanken Wettermädels ein weiterer Hit gelingen würde, hingegen mit einem eindeutigen „Nein“. Egal: Der Gute-Laune-Song begeistert bis heute Frauen und Männer gleichermaßen, auch wenn letztere dies meist nicht zugeben und sich nur durch das Mitwippen der Beine verraten.

Joe Dolce: „Shaddap You Face“ – geschwiegen hat er trotzdem nie

Ein in den USA geborener Australier spielt unter seinem italienischen Alter Ego Giuseppi auf der Mandoline eine Nummer ein und landet den bis heute meistverkauften australischen Hit aller Zeiten. Ein Zufallshit, denn Joe Dolce, der tatsächlich italienische Wurzeln hat, strebte nie eine große Plattenkarriere an. Nach „Shaddap You Face“ war seine kurze Laufbahn als Musikstar jedenfalls vorbei. Freilich: Die Klappe hielt er dennoch nicht und ist bis heute gesellschaftspolitisch engagiert.

Europe: „The Final Countdown“ – Apokalypse Light

1986 war die Welt noch in zwei große ideologische Blöcke gespalten, wie seinerzeit die Musikfans in Beatles- und Rolling Stones-Fans. Für Rockbands war es somit nahe liegend, gegen die atomare Bedrohung musikalisch zu protestieren. „The Final Countdown“ war eines dieser Lieder, und es war das wohl erfolgreichste überhaupt. Die schwedische Hard-Rock-Combo Europe feierte weltweite Erfolge mit ihrem ohrwurmigen Apokalypsen-Szenario. Damit war aber auch schon der Zenit der Karriere überschritten und es ging stetig bergab mit der Popularität. Schließlich gilt auch für One-Hit-Wonder: Runter kommen sie immer, ob mit oder ohne Countdown …

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

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