Online Apotheken sind auf dem Vormarsch

Wie E-Commerce auch den Handel mit Medikamenten verändert

Tabletten können gefährlich sein - Tom Varco
Tabletten können gefährlich sein - Tom Varco
Immer mehr Apotheken finden ihren Weg ins Internet. Dabei handelt es sich selten um persönliche Internetauftritte, sondern vielmehr um bewusste Konkurrenz zur Filiale.

"Im Geschäft einkaufen ist out, im Onlineshop kaufen ist in." Diese Aussage gilt nicht nur für große Buchhandlungen oder Bekleidungsshops, sondern weitet sich mittlerweile auch auf sensiblere Bereiche wie den Handel mit Medikamenten im Internet aus. Doch sind diese Apotheken, die oft keine Filialen mehr haben, sondern nur noch einen Internetauftritt Fluch oder Segen für die Gesellschaft?

Die Versandapotheke lockt mit günstigen Angeboten

Neben der Bequemlichkeit, die eine Internetapotheke einem erspart, sich zur nächsten Apotheke zu bemühen, versuchen die Internetapotheken vor allem durch günstigere Preise zu locken. Die Rechnung ist einfach: Da die Mieten für Geschäftsräume und die Kosten für Personal weitestgehend entfallen, kann die Onlineapotheke einen Teil ihrer Ersparnisse auf den Kunden umlegen und ihnen so günstigere Preise anbieten. Dabei wirbt die Apotheke in ihrem Onlineshop mit Preisersparnissen von bis zu 50 Prozent. Außerdem nimmt sie dem Kunden die lästige Lauferei zur nächsten Apothekenfiliale ab – mit Lieferung per Post bis an die Wohnungstür.

Doch neben Preisersparnis, Versandrabatt und Treuepunkten reagieren die Versandapotheken auch auf die größte Sorge der Kundschat: Ist mein Rezept sicher? Bekomme ich auch wirklich die richtigen Medikamente? Hierzu beschäftigen viele Internetapotheken eigenes Fachpersonal, das die Rezepte bearbeitet und Bestellungen vor dem Versand mehrfach überprüft. Dadurch sollen Fehler wie der Versand der falschen Medikamente vermieden werden.

Einfach das Rezept einscannen und gut

In den Online Apotheken werden nicht nur rezeptfreie Medikamente wie einfache Schmerzmittel, Erkältungsmittel und ähnliche Medizin angeboten. Auch Medikamente, für die ein Rezept vom Arzt vorliegen muss, können hier erstanden werden. Dazu bieten viele Internetapotheken einen Zusendeservice mit Freiumschlägen an, in denen das Rezept eingesandt werden kann. Diese Vorgehensweise immerhin scheint sicher zu sein. Da die Apotheke das originale Rezept verlangt, kann sie nur schwer durch am Computer erstellte Fälschungen betrogen werden. So ist die Gefahr, durch gefälschte Rezepte an teure oder gefährliche Medikamente zu kommen, zwar nicht unterbunden, aber auch nicht höher als in einer Filiale. Allerdings müssen Sie längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Während die Filialapotheke die meisten Medikamente auf Lager hat oder innerhalb kurzer Zeit beschaffen kann, funktioniert der Handel mit der Internetapotheke nur über die Post - und das kann zwei oder drei Tage dauern. Gerade, wenn eine Arznei dringend benötigt wird, ist der Einkauf über eine Versandapotheke daher nicht empfehlenswert.

Preis und Leistung Top, aber was ist mit der Beratung?

Gerade, wer kein Medikament auf Rezept kaufen, sondern ein frei erhältliches erwerben möchte, kommt an die Grenze, die der Service einer Internetapotheke hat. Eine FAQ-Seite oder ein bestimmtes Programm können die Beratung durch einen Apotheker nicht ersetzen. Verbraucher haben selten die Möglichkeit, sich vor dem Kauf über Risiken und Nebenwirkungen des Medikaments zu informieren. Auch weiterführende Fragen zum Produkt können nicht sofort oder gar nicht beantwortet werden. Vor allem bei Fällen, in denen Käufer ein bestimmtes Medikament brauchen, aber nicht extra zum Arzt gehen möchten, ist eine Beratung notwendig. Nicht jedes Schmerzmittel ist für jeden Menschen und jeden Schmerz geeignet, und nicht jedes Grippemittel sollte bedenkenlos eingenommen werden. Der Apotheker fragt nach Symptomen und Unverträglichkeiten, ehe er ein Medikament empfiehlt. Die Online Apotheke tut das nicht.

Die Internetapotheke ist nicht aufzuhalten

Die Internetapotheke hat sich längst auf dem deutschen Markt etabliert und wird in Zeiten steigender Bequemlichkeit immer beliebter. Dennoch sollte ihr Angebot nicht unbesonnen genutzt werden. Vor allem, wenn Verbraucher ein ihnen völlig unbekanntes Produkt ausprobieren möchten und keine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker erhalten haben, gehen sie Risiken ein, die im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein können. Daher betrachten auch viele Apothekerverbände und Verbraucherschutzvereine das Aufkommen dieser Versandapotheken eher mit Sorge als mit Freude.

Quellen:

Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz

Verbrauchernews.de

Raphaela Hofmann, Fotograf: Lars Feller

Raphaela Hofmann - Raphaela Hofmann wurde 1981 im Ruhrgebiet geboren und lebt seit 2002 im Vorgebirge. Sie schließt zur Zeit ihr Bachelor-Studium im ...

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