Onlinesucht eine Gefahr?! Oder überbewertet?!

Ist Onlinesucht überbewertet, oder ein wirkliches Problem?

Onlinesucht ein aktuelles Thema unserer Gesellschaft. Bewerten Psychologen das Thema über, oder steht unsere Gesellschaft einer neuen Entwicklung gegenüber?

Vor dem Hintergrund, dass unter der Leitung des Psychologen und Experten auf dem Gebiet Onlinesucht Klaus Wölfling, dieses Jahr der 2. Kongress „Kampf gegen Onlinesucht“ stattfindet, flammt die Diskussion wieder auf. Waren es in den 80er Jahren die Videospiele, in den 90er Jahren die damals noch graphisch und darstellerisch ungelenkten Computerspiele, die man als suchterzeugend verteufelte, fällt der Blick heute auf Onlinespiele, wie World of Warcraft (WoW), Everquest, etc.

Sind sie wirklich so gefährlich suchterzeugend, wie die Experten behaupten, oder kommt es hier nur zu einer Überbewertung übervorsichtiger Soziologen, die eine Plattform für ihre Erkenntnisse in einer sich ständig verändernden Gesellschaft suchen.

Zahlen und Fakten

Der Begriff Online- beziehungsweise Internetsucht, ist im Jahr 1996 erstmals gefallen. Schon 1997 wurde der ersten Mutter in Amerika das Sorgerecht für ihre beiden Kinder entzogen, weil diese onlinesüchtig waren.

Die Zahlen sind kaum zu leugnen, circa 1,5 Millionen Erwachsene, Tendenz steigend und circa 2,9% der schulpflichtigen Kinder ab 14 Jahren sind in Deutschland onlinesüchtig. Die Dunkelziffer liegt ungleich höher. Da es sich um eine neue, bisher kaum bekannte Art der psychischen Erkrankung handelt, konnten noch keine konkreten Studien erhoben werden.

Was ist Onlinesucht, wie kann man sie definieren?

Experten, Ärzte und Krankenkassen streiten sich momentan über die genaue Definition der Erkrankung. Laut des Psychologen Thomas Hintz handelt es sich hier hauptsächlich um ein Problem, das Jungendliche und junge Erwachsene haben, die sich ihrer Identität noch nicht bewusst sind und Annerkennung und soziale Bindungen in Spielen, wie WoW suchen. Hier ist man auf einer gewissen Art und Weise Anonym und doch nicht alleine. Die Communities haben unter sich eine starke, soziale Bindung. Hier ist man wer, je höher das Level der Figur, je mehr "Schätze“ man erlangt, desto höher das Ansehen.

Onlinesucht selber, wird in Deutschland nicht als Krankheit angesehen, vielmehr, ist Onlinesucht die Folge psychischer Defizite. Der Süchtige kompensiert seine Probleme im Netz, ohne sich dessen bewußt zu sein, dass er therapeutische Hilfe benötigt. Psychologen sprechen hier von einer Impuls-Kontroll-Störung. Meist sind traumatische Erlebnisse aus der Kindheit, Depressionen, mangelndes Selbstbewusstsein und ausgeprägter Narzissmus das vorrangige Krankheitsbild der Onlinesüchtigen.

Der Teufelskreis

Hier beginnt der Teufelskreis: unfähig, sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen „flieht“ der Onlinesüchtige vor der Realität in eine fiktive Welt, in der er sich nach und nach verliert. Essstörrungen, soziale Vereinsamung sind die Folge, die den Süchtigen immer tiefer in die Onlinewelten hineinführen, er ist nicht mehr dazu in der Lage, sich selbständig aus dieser Situation zu befreien. Die meisten Onlinesüchtigen sind sich dieser Tatsache durchaus bewusst, aber nicht fähig dem einen Riegel vorzuschieben.

Laut Experten verbringen sie circa 35-40 Stunden pro Woche im Netz, in ihrer gesamten Freizeit sehen sie nichts außer dem Bildschirm und ihren vier Wänden. Kommunikation findet nur noch über das Netz statt. Viele verlieren im Laufe der Zeit den Kontakt zur realen Welt. Sie kündigen ihre Arbeit, Freundschaften, lassen ihre Wohnung vermüllen, nur um noch längere Zeit in der fiktiven Welt verbringen zu können.

Die Folgen sind gravierend. Laut dem Experten Thomas Hintz vereinsamen diese Menschen. Es kommt zu einer psychosozialen Gefühlskälte, die sie in die Isolation und Einsamkeit treibt. Um dieser sozialen Einsamkeit zu entgehen, geraten die Süchtigen noch tiefer ins Netz, weil dort scheinbar ein Kontakt zu anderen Menschen besteht.

Wer hilft den Betroffenen?

Hilfe wird aufgrund der Tatsache, dass Onlinesucht noch keine anerkannte Erkrankung in Deutschland ist, kaum angeboten. An der Universität Mainz hat der Psychologe Klaus Wölfling ein einmaliges Projekt der ambulanten Therapie ins Leben gerufen. Einige wenige Kliniken haben sich angeschlossen. Zu wenige für die große Anzahl der Erkrankten. Aber noch fehlen die finanziellen Mittel. Erst im nächsten Jahr wird das Bundesgesundheitsministerium laut Angabe der Pressestelle Stellung zu dieser Problematik nehmen und auf ihrer Homepage über Gefahren und Therapiemöglichkeiten Auskunft geben.

Vor dem momentanen Hintergrund, dass die Zahl der Onlinesüchtigen stetig steigt, sind gerade Soziologen der Meinung, dass ein schnelles Handeln erforderlich ist. Sonst heißt es bald nicht mehr, „Treffen wir uns heute Abend noch in der Kneipe?“, sondern, „Wer hat noch Lust auf ein virtuelles Bierchen!“