
- Tee mit leuchtend grüner Farbe - Fabian Forban/pixelio.de
Der Legende nach soll sich ein Teebauer beim Anblick einer Giftschlange so erschrocken haben, dass er mitten während der Ernte weglief. Als er einige Tage später zurückkam, waren die geernteten Blätter trocken. Er nahm sie trotzdem, brühte sich einen Tee auf, und der Oolong-Tee war erfunden.
Seit ungefähr 400 Jahren wird Oolong in China und Taiwan (Formosa) hergestellt, ein halbfermentierter Tee, für dessen Herstellung viel Zeit, Handarbeit und Können nötig ist. Früher wurden die Teeblätter so gedreht, dass sie die Form von kleinen schwarzen Drachen bekamen. Daher kommt auch sein Name: das chinesische „Wu Long“ bedeutet übersetzt schwarzer Drache.
Die Herstellung von Oolong
Traditionell wird Oolong nach Daten der alten chinesischen Landwirtschaftskalender geerntet. Die erste Pflückung beginnt dabei am 20. April, die beste Erntezeit ist um den 6. Mai herum.
Die Teetriebe müssen eine bestimmte Größe haben und dürfen nicht zu früh und nicht zu spät gepflückt werden, um das besondere, duftige Aroma des Tees zu erreichen. Im Gegensatz zu anderen Teesorten werden für Oolong die Blätter eine kurze Zeit an der Sonne getrocknet - andere Tees verlieren ihr Aroma beim Trocknen in der Sonne, Oolong bekommt es dadurch erst.
Die Blätter welken an der Sonne und werden weich. Die angewelkten Blätter werden bei traditioneller Herstellung in Bambuskörbe gelegt und kräftig geschüttelt. Dabei werden die Blattkanten und die äußeren Bereiche der Blätter verletzt, aufgerieben und bekommen eine rote Farbe, während die Mitte der Blätter grün bleibt. Anschließend werden die Teeblätter im Schatten zum Trocknen ausgelegt. Dieser Vorgang wird in kurzen Abständen wiederholt, bis die Blattadern durchsichtig werden.
Wenn die Blätter einen Duft wie Orchideen bekommen, ist das ein Zeichen für die beginnende Fermentation (Oxidation und Gärung der Zellsäfte). Sie wird gestoppt, indem die Blätter in einer großen Eisenpfanne geröstet und dabei immer wieder gewendet werden. Beim Rösten wird der Oolong stark erhitzt und dadurch gut haltbar. Die Blätter werden gerollt und im Ofen getrocknet.
Ähnlich wie Wein kann Oolong unter kühlen und dunklen Bedingungen gelagert werden und dadurch reifen: Sein Geschmack verändert sich im Laufe der Zeit.
Sorten, Qualitäten und Preise von Oolong
Entscheidend für den Geschmack ist vor allem der Grad der Fermentation, der von etwa 20 bis 70 Prozent reichen kann. China-Oolong ist eher stark fermentiert, eng gerollt, der Geschmack würzig. Die besten Oolongs kommen traditionell aus Taiwan (Formosa), sie sind meistens weniger fermentiert, zart und aromatisch. Eine Besonderheit ist der Jade-Oolong, der so wenig fermentiert ist, dass er fast zu den Grüntees zählt und ein leichtes, duftiges Aroma hat.
In den letzten Jahren wurde in anderen Anbaugebieten mit der Oolong-Produktion begonnen, wodurch der Tee andere Geschmacksnuancen bekommen hat: Aus Darjeeling schmeckt er blumig, aus Nepal sanft-nussig, von Sumatra kommt frischer und aus Sri Lanka (Ceylon) fein aromatischer Oolong. Auch in Kenia, Malaysia, Vietnam und Thailand werden heute kleine Mengen Oolong hergestellt.
Eine Besonderheit ist der Milky Oolong (Milk Oolong), der im Milchdampf gewelkt wird und ein weiches, süßliches Aroma hat. Eine traditionelle Aromatisierung hat auch der Kwai Flower Oolong: Osmanthus-Blüten werden zugegeben, wodurch der Tee eine pfirsichähnliche Note bekommt. Die Zugabe von Rosenblüten ist in China eine altbekannte Aromatisierung. Neu ist das Aromatisieren mit künstlichen Aromen, die bei billigem Oolong eingesetzt werden.
Ein guter Oolong hat einen hohen Preis. Für Spitzentees muss man mit 20-25 Euro/50 Gramm rechnen, mittlere Qualitäten kosten 8-15 Euro/100 Gramm. Einfache Tees werden oft mit Aromen versetzt und sind für 3-5 Euro/100 Gramm zu haben.
Die Zubereitung von Oolong
Für eine Tasse werden zwei Gramm Tee gerechnet, ein gestrichener Teelöffel. Vor allem für die zarteren Tees ist kalkarmes Wasser wichtig. Würziger Oolong wird mit 90-100 Grad heißem Wasser aufgegossen und zieht 2-3 Minuten. Wenig fermentierter und fast grüner Tee wird mit 70 Grad aufgebrüht und nach 2 Minuten abgegossen.
Traditionell wird Oolong in kleinen Tonkannen mehrmals aufgebrüht. Dabei werden reichlich Teeblätter genommen, die Ziehzeit wird verkürzt. In China wird der erste Oolong-Aufguss der Tee des guten Geruchs genannt, der zweite Aufguss ist der Tee des guten Geschmacks, der dritte der Tee der guten Freundschaft.
Die Wirkung von Oolong
Oolong hat ähnliche positive Wirkungen wie grüner Tee, ist er stark fermentiert, sinken die gesundheitsfördernden Eigenschaften. Der Gesundheits- und Abnahmeffekt ist Studien zufolge vorhanden, um aber Krebs, Osteoporose, Cellulite oder Übergewicht zu beseitigen, braucht es mehr als nur ein paar Tassen Tee.
Da der Stoffwechel, auch der Fettstoffwechsel, durch das Trinken von Oolong erhöht wird, ist der Tee ein gutes Getränk zu oder nach reichhaltigem und fettem Essen. Für hohen Konsum eignet sich der Tee nicht, da er Koffein (Tein) enthält: Je nach Sorte und Zubereitung sind es 10-60 Milligramm Koffein pro Tasse (200 Milliliter), was ungefähr halb soviel ist, wie in Filterkaffee vorhanden ist.
Verwendete Literatur:
Grösser, Hellmut: Tee für Wissensdurstige. 1995.
Vollers, Arend: Die Kunst Tee richtig zu geniessen. 1998.
