Open Air Gallery an der Oberbaumbrücke

Mittelteil der Oberbaumbrücke - Marta Kudratova
Mittelteil der Oberbaumbrücke - Marta Kudratova
Seit 2003 findet zweimal jährlich die Open Air Gallery an der Oberbaumbrücke in Berlin statt. So auch dieses Jahr.

Zwei Sonntage im Jahr wird die Oberbaumbrücke, das Wahrzeichen von Berlins Stadtbezirk Friedrichshain - Kreuzberg, zur Kunst- und Fußgängerzone erklärt. Bereits das achte Mal findet die Open Air Gallery an der Oberbaumbrücke statt. Organisiert und angefacht vom Stadtteilausschuss Kreuzberg e. V. fielen die Daten 2010 auf den 04. Juli und den 01. August.

Das Konzept

Vertreter zeitgenössischer Kunst stellen hier ihre Werke aus. Aus den Bereichen Malerei/Grafik, Bildhauerei/Skulptur und Fotografie haben zahlreiche etablierte, aber auch weniger bekannte Künstler an über 100 Ständen die Möglichkeit sich zu präsentieren. Gebrauchskunst, Schmuckdesign, Videokunst, etc. hingegen geben hier nicht den Ton an. Allein am 4. Juli haben an die 15.700 Besucher einen Spaziergang über die Kunstmeile gewagt, denn zu verlieren hat man nichts- der Eintritt ist kostenlos.

Kunstliebhaber können von 10 bis 22 Uhr an den Kunstständen entlang flanieren, zwischendurch selbst einen künstlerischen Beitrag auf der 120 Meter langen Leinwand, die einladend zwischen Ständen ausgerollt ist, leisten oder auch ab 16 Uhr die Fertigkeiten der Tänzer an der Tangobühne genießen oder gar mittanzen. Die inspirierende Veranstaltung verführt dank der entspannten Atmosphäre auch Laien zu einer Schlenderei durch die Open Air Gallery.

Zur Geschichte der Oberbaumbrücke

Außergewöhnlich erscheint die Veranstaltung nicht bloß wegen des sprühenden Summerfeelings unter freiem Himmel, sondern auch aufgrund der Ortswahl. Bereits 1723 am Stralauer Tor aus Holz erbaut, begann die Oberbaumbrücke ihren Werdegang als Wahrzeichen des Bezirks. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie dann durch eine Eisenbahnkonstruktion ersetzt, was schließlich 1902 den oberen Gleisbau der Linie U1 erlaubte. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Oberbaumbrücke auf Hitlers Befehl hin erheblich zerstört, in der Hoffnung so den Einmarsch der sowjetischen Truppen zu verhindern. Notdürftig repariert diente sie bis 1961 als Begegnungsraum zwischen Ost- und West-Berlin. Mit dem Mauerbau war die Oberbaumbrücke elf Jahre lang nahezu ungenutzt, bis 1972 ein Grenzübergang für Fußgänger eröffnet wurde. Erst nach der Wiedervereinigung begann sie jedoch wieder aufzublühen. Mit dem Gewinn der internationalen Wettbewerbsausschreibung für Architekten konstruierte Santiago Calatrava einen neuen Mittelteil für die Brücke , wodurch 1995 die Strecke der U1 erneut aufgenommen werden konnte.

Friedrichshain und Kreuzberg

Die Oberbaumbrücke hat für Friedrichshain - Kreuzberg eine ganz besondere Bedeutung. Sie ist kultureller Treffpunkt für die so genannte Gemüseschlacht zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, die einst getrennte Bezirke waren und es im Volksmund noch immer sind. Einmal im Jahr treffen sich die Bewohner beider Stadtteile, um sich mit Gemüse zu bewerfen, was den Kampf um die Vormachtstellung symbolisiert. Diese Veranstaltung ist allerdings nicht mit einem Straßenkampf zu verwechseln, denn die Gemüseschlacht ist lediglich ein Auftakt zu einem großen Straßenfest. Die Oberbaumbrücke, die zwischen den Stationen „Warschauer Straße“ und „Schlesisches Tor“ liegt, ist stets Schauplatz diverser Veranstaltungen, nicht zuletzt auch aufgrund der kiezgegebenen Kneipen- und Clubkultur in unmittelbarer Nähe.

Marta Kudratova, Marta Kudratova

Marta Kudratova - Ich schreibe, darum bin ich. Seitdem ich lesen und schreiben gelernt habe, bediene ich mich beider Fähigkeiten leidenschaftlich ...

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