Open Doors veröffentlichte den Weltverfolgungsindex 2012

Wo auf der Welt ist die Christenverfolgung am stärksten? Jährlich wird von der christlichen Hilfsgemeinschaft Open Doors ein Bericht veröffentlicht.

Pünktlich zum Jahresbeginn veröffentlichte Open Doors seinen aktuellen Weltverfolgungsindex (WVI) 2012. Damit werden die Länder genauer unter die Lupe genommen, in denen für Christen eine stark eingeschränkte Religionsfreiheit vorherrscht. Laut Einschätzung von Open Doors werden weltweit rund 100 Millionen Menschen aufgrund ihres Glaubens verfolgt. Im WVI werden die fünfzig Länder betrachtet, in denen für Christen die größte Gefahr herrscht. Zugrunde gelegt wurden dafür Befragungen vor Ort im Zeitraum zwischen dem 1. November 2010 und dem 31. Oktober 2011, darüber hinaus Experteneinschätzungen und ausgewertete Berichte über verschiedene Übergriffe. Vielerorts können sich die Mitarbeiter von Open Doors allerdings nur im Untergrund bewegen, denn die Gefahr einer Entdeckung kann in einigen islamischen Ländern mit dem Tod bestraft werden.

Am stärksten werden Christen in islamisch geprägten Ländern verfolgt

Die Lage in den islamisch geprägten Ländern hat sich für die dort praktizierenden Christen seit dem „arabischen Frühling“ noch erheblich verschlechtert. Gerade Ägypten ist der traurige Spitzenreiter unter diesen Staaten – von Platz 19 im Vorjahr hat sich das Land um vier Positionen auf Platz 15 verschlechtert. Etwa dreiviertel der im Nahen Osten lebenden Christen haben ihre Heimat in Ägypten und leben seit dem Tod des Diktators Mubarak in ständiger Angst vor extremistischen Übergriffen. Über 100000 Menschen haben ihren Wohnort verlassen müssen, mehrere Kirchen wurden angezündet und laut Berichten von Open Doors fanden 38 Christen den Tod.

Von den fünfzig betrachteten Ländern mit starker Christenverfolgung sind dreiviertel islamisch geprägt. Den ersten Platz hält allerdings seit zehn Jahren das kommunistische Land Nordkorea, wo schätzungsweise zwischen 50 000 und 70 000 Christen in Arbeitslager interniert sind.

Große negative Veränderungen

Der neu entstandene Staat Sudan und der Norden Nigerias machen dem Hilfswerk besonders große Sorgen, denn hier sind die negativen Veränderungen eindeutig spürbar. So machte der Sudan im Weltverfolgungsindex mit 19 Positionen den größten Sprung nach vorn und landete damit auf Platz 16. Begründet wird der Positionswechsel durch eine höhere Zahl an Übergriffen auf Christen und Kirchen. Die neue sudanesische Regierung setzt die konsequente Anwendung des islamischen Rechts durch, womit sie den Christen ihrer Religionsfreiheit beraubt. Viele Christen haben bereits das Land Richtung Südsudan verlassen. Auch Nigeria rückte im Berichtszeitraum von Platz 23 auf Platz 13 vor. Es ist außerdem das Land mit der höchsten Anzahl getöteter Christen – laut Bericht von Open Doors fanden über 300 Menschen den Tod aufgrund ihres christlichen Glaubens.

Ganz neu im Index von 2012 ist das südamerikanische Kolumbien auf Platz 47 und das zentralasiatische Kasachstan auf Platz 45.

Platz eins bis zehn des Weltverfolgungsindex 2012

  1. Nordkoreas
  2. Afghanistan
  3. Saudi-Arabien
  4. Somalia
  5. Iran
  6. Malediven
  7. Usbekistan
  8. Jemen
  9. Irak
  10. Pakistan

Es gibt Hoffnung – Verbesserungen 2012

„Es ist ein trauriger Trend, dass sich die Verfolgung der Christen verschlimmert hat“, so Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland. Dennoch gibt es auch kleine Erfolge zu verzeichnen, die im Großen und Ganzen doch auch Mut machen. Im Iran zum Beispiel entstehen viele neue christliche Hausgemeinden aus ehemaligen Muslimen. In China und Eritrea berichten gefangene Christen von ihrem Mut, Mitgefangenen und Wärtern von ihrem Glauben zu berichten und auch in Nordkorea steigt die Zahl der Christen, die sich trotz massiver Verfolgung heimlich treffen. In Bhutan, welches auf Platz 17 liegt, kam es nach erfolgreichen Gesprächen zwischen der Regierung und den christlichen Minderheiten zu ersten Annäherungen. Außerdem ist das im Vorjahr noch auf Platz 49 gelegene Land Sri Lanka nicht mehr unter den fünfzig Ländern des Verfolgungsindex zu finden. Eine Bilanz, die trotz großer Widrigkeiten Mut macht. Das sagt auch Markus Rode und fordert gleichzeitig, die Menschen in diesen Ländern nicht zu vergessen und vorrangig im Gebet zu unterstützen.

Sandra-Maria Erdmann, Sandra-Maria Erdmann

Sandra-Maria Erdmann - Ich bin Jahrgang 1980, geboren und aufgewachsen am Rande des Spreewaldes im Örtchen Cottbus. Während meiner Schulzeit habe ich ...

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