
- Büffel - Steve Degenhardt
Auch in heutigen Zeiten wird das blutige Gadhimai-Fest in Nepal gefeiert. Die Zeremonie beginnt mit Gebeten im Morgengrauen. Scharenweise versammeln sich unermesslich viele Menschen in Tempelbezirken, um den Feierlichkeiten beizuwohnen. An den heiligen Stätten warten bereits Metzger, die während der Eröffnungszeremonie, mit einem Krummschwert die Köpfe zweier Ratten, zweier Tauben, einem Hahn, einem Lamm und einem Schwein abhacken.
Büffel als Verkörperung des Bösen
Zeitgleich erleiden asiatische Büffelkälber in einem nahegelegenen Gehege das gleiche Schicksal. Diese monophyletische Gattung repräsentiert neben der Verblendung, Seinsvergessenheit und dem Egoismus, auch den geistigen Tod, infolgedessen den Verlust des bewussten Wahrnehmens von Welten außerhalb des Materialeismus. Das Enthaupten der Büffel symbolisiert somit, dass dem "Bösen" der Kopf abgeschlagen wird.
Freiwillige Helfer fungieren als Metzger
Nach diesem blutigen Vorspiel müssen noch zahllose Ziegenböcke, Hähne, Ratten, Erpel, Widder, Büffelkälbchen, sowie diverse Vögel ihr Leben lassen und werden von freiwilligen Helfern aus allen Berufsschichten regelrecht hingerichtet.
Geköpft wird im Fünfjahresrhythmus
Die genauen Termine der Festivitäten werden nach dem "Bikram Sambat-Kalender" errechnet, erstrecken sich über zwei Tage und werden alle fünf Jahre zelebriert. Dabei sterben mehr als 200.00 Tiere durch Dekapitation. Einzig die Kühe, die mit weiblichen Gottheiten gleichgesetzt werden, sind von der Prozedur ausgeschlossen, denn die weiblichen Hausrinder gelten als heilig und genießen überdies gesetzlichen Schutz.
Selbstverpflichtungen und Opfergabenversprechung
Der Glaube an Hexerei und übernatürliche Kräfte vereint hunderttausende Hindus, die oftmals von weit entfernten Regionen zu den Tempelstätten pilgern. Die meisten Beteiligten bringen eigene Tiere mit, um sicher zu stellen, das ihre Bittgesuche an Göttin Gadhimai, Gehör finden.
Darunter vorwiegend Bauern oder Menschen aus sozialschwachen Schichten, die im Laufe der Zeit der Göttin ein Versprechen gaben und dieses nun einlösen. Stellvertretend für Familienangehörige, die während der fünfjährigen Pause verstarben und zu Lebzeiten eine Opfergrabenversprechung eingingen, übernehmen Verwandte diesen Part und tilgen deren Verbindlichkeit, denn Gadhimai kann durchaus strafend sein, wenn man Selbstverpflichtungen nicht erfüllt.
Doch nicht nur die Bevölkerung aus der ärmeren Gesellschaftsschicht wohnt der umstrittenen Veranstaltung bei. Das Tieropferritual ist auch bei gut verdienenden, gebildeten Hindus sehr beliebt.
Blumen und Obst anstatt blutiges Fleisch?
Tierschutzorganisationen versuchen seit Jahren, dem barbarischen Treiben ein Ende zu setzen, scheiterten jedoch an den Verfechtern alter Traditionen, die überzeugt sind, dass Blut fließen muss, um Wohlstand, Glück und Gesundheit zu sichern. Auch das Verspeisen, der zu Tode gekommenen Tiere, sei zwingend notwendig, um das Böse fernzuhalten, rechtfertigen die Gläubigen ihr Handeln.
Da diese Zeremonie seit Generationen vollzogen wird, ist ein Umdenken nur schwer zu verwirklichen, aber nicht unmöglich. Einige "modernere" Hindus umgehen den grausamen Akt des Abschlachtens durch das Spenden von Blumen und Obst. Anstatt Fleisch essen sie Früchte und hoffen, dass die Göttin diese unblutigen Gaben annimmt. Bleibt zu hoffen, dass sich die vegetarische Variante des Opferfestes zu Ehren Gadhimais durchsetzen wird.
