Oprah Winfrey in Indien: Menschen, Chaos und Literatur

Oprah Winfrey in Jaipur - HaveIgotastory4u
Oprah Winfrey in Jaipur - HaveIgotastory4u
Bei ihrem Auftritt im Rahmen des Literaturfestivals im indischen Jaipur verzauberte die Talkshowkönigin Tausende von Besuchern.

Etliche von Oprahs Fans fanden sich am 22. Januar 2012 bereits frühmorgens im Diggi Palace ein, dem Veranstaltungsort des Jaipur Literature Festivals, um sich einen guten Platz zu sichern. Beweis dafür, dass "Die Oprah Winfrey Show" beziehungsweise "Oprah" auch in Indien ihre feste Fangemeinde hat.

Hunderte von Besuchern mussten sogar draußen warten, als die Kapazität der Veranstaltung erreicht war und das grosse Tor geschlossen wurde. Über Lautsprecher konnten sie zumindest das Geschehen akustisch mitverfolgen. Was folgte war eine Stunde, in der die Talkshow-Moderation selbst ausgefragt wurde und für interessante Unterhaltung sorgte.

Oprahs Eindrücke von Indien

Oprahs Reaktion auf Indien war für das größtenteils indische Publikum natürlich von größtem Interesse. Die Antwort auf die Frage von Fernsehmoderatorin Barkha Dutt, die das Gespräch führte, was Oprah an Indien als erstes aufgefallen sei, ließ nicht lange auf sich warten; Oprah nannte gleich drei Besonderheiten: Die erste war, dass Mumbai “etwas chaotisch” sei, “ein bißchen wie in einem Computerspiel” wie Oprahs Patenkind beim Weg durch die Stadt feststellte. Oprah sprach aber auch von einer “unterschwellige Ruhe und Strömung”, von der man sich als Außenstehender einfach mitreißen lassen müsse.

Ferner stellte Oprah fest, dass sie in Mumbai “mehr Menschen getroffen habe als in ihrem ganzen Leben.” Eine interessante Feststellung für eine Frau, die den Umgang mit Menschen zum Beruf gemacht hat und es in die Forbes-Liste der einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt geschafft hat. Trotzdem, sagte sie, habe sie sich nie unsicher gefühlt, da dem Chaos jegliche Aggressivität fehle. Als drittes nannte Oprah das Traditionsbewusstsein. Das indische Verkehrsverhalten jedoch gibt Oprah noch einige Rätsel auf. “Was hat es mit den Ampeln auf sich? Bedeutet Rot wirklich stopp, oder ist es nur zur Unterhaltung da?” fragte sie ein entspanntes Publikum, das ihr mit einem herzhaften Lachen antwortete.

Oprah zum Thema Armut in Indien

Hauptgrund von Oprahs einwöchigem Indienbesuch waren Dreharbeiten für ihre neue Fernsehshow "Oprah’s Next Chapter", die bereits am 1. Januar 2012 begann. Ihr Indienporträt hat sie bewusst breit gefächert und auf eine Darstellung der schlimmsten Lebensumstände verzichtet, um dem Publikum die Identifikation mit den gezeigten Verhältnissen und Personen zu ermöglichen. “Wenn man jemanden zeigt, der Abfall isst, können die meisten Menschen sich nicht damit identifizieren,” sagte Oprah und erklärte: “Ich möchte Schicksale verbinden.” Deshalb zeigt sie Menschen, die in Armut leben, die aber trotzdem ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sicherlich ein universelles Thema.

Über ihre eigene Kindheit in ärmlichen Verhältnissen im US-amerikanischen Bundesstaat Mississippi sagt sie: “Jeder Mensch ist, wer er ist, aufgrund aller Dinge, die ihm jemals passiert sind. Mein großes Glück war, dass ich niemals eine Schule besucht habe, in der [schwarze und weiße] Kinder getrennt waren.” Sie rechnet ihr Durchhaltevermögen auch ihrer festen Beziehung zu Gott und einem Gefühl der Zugehörigkeit an. “Man kann sich entweder als eine Welle im Ozean oder den Ozean selbst sehen. Ich habe mich immer für den Ozean entschieden,” erklärte sie.

Oprah äußert sich zu Präsident Obama und arrangierten Ehen

Die Frage, ob sie US-Präsident Obama zum zweiten Mal im Wahlkampf unterstützen würde, kommentierte Oprah mit einem schnellen “Ich bin so aus der Politik draußen”, gefolgt von der Versicherung, dass sie ihn bereits unterstützt habe. Über die Fehler befragt, die Obamas Gegner im vorwerfen, bemerkte sie: “Er ist ein Mann.” Und fügte hinzu, als das Publikum zu schmunzeln anfing: “Ich meine das im bestmöglichen Sinn. Er ist ein Mann, er ist nicht Gott. Also macht er Fehler.” Und, ohne zu optimistisch wirken zu wollen, fügte sie hinzu: “Ich denke, die nächsten vier Jahre werden erfolgreicher.”

Das Gespräch wandte sich dann dem Thema Ehe und der Frage zu, warum Oprah nie geheiratet habe. Sie kommentierte: “Ich habe nie geheiratet, weil ich in einem Land lebe, das mir die Wahl gelassen hat.” Aber sie fügte hinzu, dass sie das Konzept der arrangierten Ehe verstehe, nachdem sie mit verheirateten Paaren in Indien gesprochen habe, was Barkha Dutt veranlasste, schnell die Frage einzuschieben, ob sie das Konzept für sich selbst in Erwägung ziehen würde. “Bin ich nicht zu alt? Ich meine, gibt es denn kein Alter, in dem man nicht mehr geeignet ist?” fragte Oprah schmunzelnd. Angeblich nicht, wie die vielen Beifallsrufe bezeugten.

Mehr über Oprah Winfrey

Oprah Winfrey wurde am 29. Januar 1954 in Kosciusko, Mississippi geboren, das Jahr in dem für weiße und schwarze Kinder getrennte Schulen aufgehoben wurden. Mit nur 19 Jahren begann sie ihre Fernsehkarriere und wurde von einem Fernsehsender in Nashville, Tennessee als erste Afroamerikanerin als Nachrichtensprecherin eingestellt. Im Jahr 1984 zog sie nach Chicago, um die Talkshow "AM Chicago" zu moderieren. Innerhalb eines Monats wurde diese zur beliebtesten Talkshow und nach nur einem Jahr in "Die Oprah Winfrey Show" umbenannt.

Die Show bestand über 24 Staffeln, wurde in 150 Ländern ausgestrahlt und damit zur erfolgreichsten Talkshow aller Zeiten. Die letzte Folge wurde am 25. Mai 2011 ausgestrahlt. Mit Oprah’s Next Chapter hat Oprah Winfrey am 1. Januar 2012 tatsächlich ein neues Kapitel angefangen. Die erste afroamerikanische Milliardärin ist auch als Philantrophin bekannt und setzt sich weltweit für verschiedene wohltätige Zwecke ein. Ihre Reise im Januar war der erste Besuch in Indien und auf dem Jaipur Literature Festival.

Simone Preuss, Steffen Löffler

Simone Preuss - Simone Preuss ist freiberufliche Autorin und Übersetzerin (Englisch–Deutsch, Deutsch–Englisch). Nach dem Studium der ...

rss