
- Anatomischer Aufbau des Gedächtnisses - wissen.de
Jeder Student stellt sich die Frage, wie er optimal lernen soll, damit er das Erlernte nicht wieder vergisst. Um diese Frage zu klären, muss man verstehen, wie Gedächtnisprozesse funktionieren, herausfinden, welcher Lerntyp man selbst ist und einige Faktoren beachten, die das Lernen beeinflussen können. Wenn man diese Faktoren beachtet, kann sehr viel Zeit gespart werden.
Gedächtnis
Die wichtigsten anatomischen Bestandteile des Gehirns sind das Großhirn und das limbische System. Das Großhirn ist der Hauptteil des Gehirns und in zwei Hemisphären unterteilt. Die linke Hemisphäre ist verantwortlich für Logik, Mathematik und verbale Kommunikation, die rechte Hemisphäre für Emotionen, Musik, Kunst und visuelles Denken. Beide Hirnhälften agieren zusammen. Das Großhirn ist sozusagen das Gedächtnis- und Lernzentrum des Menschen. Es ermöglicht Bewusstsein und Intelligenz. Das limbische System ist für die Erinnerung zuständig und befindet sich unter dem Balken. Alles, was wir lernen, wird als Reiz über die Sinnesorgane, wie Haut, Auge, Nase, Zunge oder Ohr, aufgenommen und über das zentrale Nervensystem zum Gehirn weitergeleitet. Das zentrale Nervensystem ist willkürlich beeinflussbar und besteht aus dem Rückenmark und dem Gehirn.
Aufbau des Gedächtnisses
Das Gedächtnis wird unterteilt in das Ultrakurzzeit-, das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis. Wenn Informationen über die Sinnesorgane aufgenommen werden, gelangen sie in das Ultrakurzzeitgedächtnis. Das Ultrakurzzeitgedächtnis ist auch bekannt als das sensorische Register, dort werden die aufgenommenen Informationen wenige Sekunden gespeichert, alle unwichtigen Informationen werden gelöscht, etwa Nebengeräusche beim Lernen. Alle wichtigen Informationen, etwa der Lernstoff, werden in das Kurzzeitgedächtnis weitergeleitet. Diese Funktion des Gedächtnisses ist wichtig, damit keine Reizüberflutung im Gehirn ausgelöst wird.
Zwischen den drei Gedächtnisarten finden Kontrollprozesse statt. Alle unwichtigen Informationen werden im Hintergrund gehalten, etwa visuelle und auditive Reize. Im Kurzzeitgedächtnis werden die weitergeleiteten Informationen wenige Minuten aktiv gehalten, aufgearbeitet und verschlüsselt, um im Langzeitgedächtnis gespeichert werden zu können. Im Langzeitgedächtnis werden alle verschlüsselten Informationen sinngerecht miteinander verknüpft und gemeinsam weiterverarbeitet. Die neu gespeicherten Informationen werden mit dem bereits vorhandenen Wissen verknüpft. Das Langzeitgedächtnis besitzt einen unbegrenzten Speicher, dennoch eine begrenzte Kapazität. Die Kapazität beträgt rund sieben Elemente. Durch die begrenzte Kapazität können die gespeicherten Informationen nur kurz abrufbar gehalten werden. Daher ist es wichtig, den gelernten Stoff ständig zu wiederholen, um ihn nicht zu vergessen.
Lernvorgang
Ausschlaggebend für den Lernvorgang sind Nervenzellen mit markhaltigen Axonen, auch Rezeptoren genannt. Diese befinden sich vermehrt an den Sinnesorganen um Informationen über die Rezeptoren der Augen beim Lesen oder über die Rezeptoren der Ohren beim Hören aufzunehmen und von Nervenzelle zu Nervenzelle bis ins Gehirn weiterzuleiten. Der aufgenommene Lernstoff wird in dem Zellinneren der Nervenzelle in einen elektrischen Impuls (Reiz) umgewandelt und zur nächsten Nervenzelle weitergeleitet. Die Reizübertragung von Nervenzelle zu Nervenzelle erfolgt über die Synapsen. Der elektrische Impuls löst in der Synapse eine chemische Reaktion aus, die über den synaptischen Spalt an die Präsynapse der Nachbarnervenzelle gelangt und dort aufgenommen wird. In der Nachbarsynapse wird die chemische Reaktion wieder in einen elektrischen Impuls umgewandelt und zur nächsten Nervenzelle weitergeleitet. Dieser Vorgang wiederholt sich so oft, bis der elektrische Impuls, der Lernstoff, im Gehirn ankommt und dort weiterverarbeitet, gespeichert und abrufbar gehalten wird.
Lerntypen
Wissenschaftler konnten dank vieler Tests die verschiedenen Lerntypen der Menschen herausfinden. Jeder Mensch kann im Internet seinen Lerntyp testen und somit die für ihn perfekte Lernmethode herausfinden. Man unterscheidet drei Haupttypen: den akustischen, den optischen und den motorischen Lerntyp. Der akustische Lerntyp ist der sogenannte Hörtyp. Dieser Typ lernt am effektivsten über das Gehör und hat somit einen großen Vorteil gegenüber den anderen beiden Lerntypen, da in den meisten Unterrichtsfächern und Vorlesungen hauptsächlich mündlich gelehrt wird. Der optische oder visuelle Lerntyp lernt hingegen am effektivsten über das Sehen, daher ist es wichtig, sehr übersichtlich und mit vielen Farben zu arbeiten. Der motorische Lerntyp hat die meisten Nachteile. Alle theoretischen Informationen muss der Fühltyp für ein effektives Lernen in die Praxis umsetzen. Ihm liegen meist naturwissenschaftliche Fächer, wie Physik, Biologie und Chemie. In diesen Fächern wird der motorische Lerntyp dank vieler Experimente am meisten gefördert. Dennoch gibt es auch sogenannte Mischtypen, die am besten lernen, indem sie ihre Sinne kombinieren.
Lerntipps
Hörtypen sollten sich den Lernstoff laut vorlesen, ihn etwa über MP3-Player aufnehmen und anhören oder in Lerngruppen den Stoff gemeinsam wiederholen und diskutieren. Optischen Typen wird geraten, sich den Unterrichtsstoff bildlich vorzustellen oder ihn in Form von Bildern, Statistiken oder Diagrammen darzustellen. Schemen und das farbige Darstellen von Überschriften und wichtigen Informationen erleichtern dem Sehtyp das Lernen enorm. Der motorische Typ sollte versuchen, in allen Fächern Experimente und eigene Ausarbeitungen durchzuführen. Wichtig für jeden Lerntyp ist es zu versuchen, so viele Sinne wie möglich beim Lernen einzusetzen, um diese Sinne zu stärken, indem man etwa den Lernstoff durchliest, wichtige Informationen farbig markiert, das Wichtigste übersichtlich, kurz und knapp zusammenfasst und diesen so oft wie möglich wiederholt.
Dennoch spielen die Selbstmotivation und das Setzen kleiner Ziele die wichtigste Rolle, um Erfolgserlebnisse und keine demotivierenden Rückschläge einstecken zu müssen. Man sollte immer etappenweise über einen längeren Zeitraum lernen, um unnötigen Stress und Druck zu vermeiden. Ausreichende und angemessene Lernpausen dienen zur Entspannung und Erholung, damit die Konzentration beim Lernen nicht nachlässt. Nach jeden 20 bis 30 Minuten Lernen sollte eine fünfminütige Pause eingelegt werden. Nach eineinhalb Stunden sollte die Pause rund 15 bis 20 Minuten betragen.
Wichtig ist, dass in jeder Pause die Beschäftigung nichts mit dem Lernstoff zu tun hat, um sich erholen zu können. Dennoch sollte in den Pausen kein TV geschaut werden, da zu viele Reize auf den Menschen wirken und die Konzentration nachlassen kann. Ein ordentlicher Arbeitsplatz, mit ausreichend Licht und genügend Sauerstoff, ebenso wie übersichtliches Lernmaterial sind die beste Voraussetzung zum effektiven Lernen. Um das angeeignete Wissen langfristig abrufbar zu halten, sollten die Wiederholungen nicht nachlassen, die Abstände der Wiederholungen können dennoch immer größer werden. Anfangs sollte man den gelernten Stoff einmal wöchentlich wiederholen, nach rund sechs Monaten können die Abstände immer größer werden, nämlich von einmal monatlich bis ein- bis zweimal jährlich. Wer diese Tipps beachtet, vergisst das Erlernte nicht wieder.
