Orchesterprobe für die Bayreuther Festspiele

Festspielhaus in Bayreuth - Orchesterprobe - adlugokinski
Festspielhaus in Bayreuth - Orchesterprobe - adlugokinski
Dirigent Christian Thielemann probt den 2. Akt der Oper „Siegfried" aus dem „Ring des Nibelungen" von Richard Wagner mit Sängern, aber ohne Bühne.

Musikfetzen hängen in dem Raum, der in der Festspielzeit als Restaurant genutzt wird. An den Seiten stehen die Tische und Stühle für die hungrigen Festspielgäste. Ein Vorhang trennt das Mobiliar von den Musikern – aus akustischen Gründen. Einige Musiker sitzen schon und üben die kniffligen Stellen wie Siegfriedmotiv oder Waldvögelchen. Allmählich füllt sich der Saal mit Musikern des Festspielorchesters. An den Seiten werden auf Tischen die Instrumente ausgepackt.

Durchlaufprobe – an einem Stück, ohne Unterbrechung mit Sängern

Ring-Dirigent Christian Thielemann sucht Augenkontakt mit seinen Assistenten, setzt sich auf den erhöhten Stuhl mit Blick auf das Orchester und hebt den Taktstock. Konzentriert heben 120 Musiker ihre Instrumente. Auf sein Zeichen fangen sie an zu spielen und hören – bei einem vollständigen Durchlauf – erst nach eineinhalb Stunden wieder auf. Die Korrekturen erfolgen nach der Pause.

Heute probt das Orchester mit den Sängern, die auf der Galerie Platz genommen haben; wie alle in legerer Freizeitkleidung, die Aktentasche mit den Noten in der einen Hand, in der anderen die obligatorische Wasserflasche. Sie setzen sich hinter die kleinen Tische, breiten die Noten aus, selbst wenn sie auswendig singen. Für die Korrekturen benötigen sie für ihren Einsatz die entsprechende Taktzahl. Sind sie fertig, packen sie die Noten wieder ein, verabschieden sich lautlos und gehen in die Pause.

Streicher und Bläser formen den Klang

Während unten im Orchester die Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe kaum einmal den Bogen ruhen lassen können, haben die Bläser sehr viel Pausen. Das wird vielleicht manchen Opernkenner wundern, denn was wären die Wagneropern ohne die charakteristischen Bläserstellen, wie die Tuben beim Auftritt der Riesen, das Horn mit dem Siegfriedmotiv oder der Trauermarsch in der „Götterdämmerung“?

Stimmt. Die ersten Bläser spielen viele Solostellen, während zweiten und dritten der jeweiligen Holz- und Blechbläsergruppen pausieren. Trompeten und Tuben stehen auf dem Boden, Posaunen hängen in ihren Gestellen, Hörner liegen auf den Oberschenkeln, Oboen auf den Knien und die Flöten auf der Ablage des Notenständers. Einige Bläser hören zu oder hängen verträumt ihren Gedanken nach. Die Fleißigen und Aktiven nutzen die geschenkte Zeit zur Unterhaltung oder Bildung. Die Trompeter in der letzten Reihe lesen ein Buch; lassen das Lesezeichen immer von einer Seite zur anderen mit wandern, um die Stelle nach dem schnellen Zuschlagen wieder zu finden. Weiter vorn liegen Zeitschriften auf den Notenpulten; bei den Herren dominieren Autos, bei den Damen Mode. Schon einige Minuten vor ihrem Einsatz legen sie das Buch oder die Zeitschrift zur Seite, erheben ihr Instrument und schauen konzentriert zwischen Noten und Dirigent hin und her. Pünktlich und scheinbar mühelos erklingen die bekannten Motive.

Bayreuther Opernaufführungen:

Walküre – Bayreuther Festspiele 2010 Traditionelle, stimmige Inszenierung von Tankret Dorst mit hervorragenden Sängern und dem einmaligen Festspielorchester unter Christian Thielemann.

Parsifal in Bayreuth 2010 – (auf)reizende Blumenmädchen In dieser Opernszene mobilisiert der böse Zauberer Klingsor seine Helferinnen, die Parsifal betören und vom Weg abbringen sollen - laut Libretto vergebens.

Tannhäuser für Kinder - Bayreuther Festspiele 2010 Oper von Richard Wagner in einer Fassung für Kinder, verkürzt auf eine Stunde Spielzeit. Aufführungen mit kleinem Orchester und Sängern.

Elke Wilkenstein, adlugokinski

Elke Wilkenstein - Natur und Kultur sind meine Hauptinteressen, über die ich gern schreibe: Blumen im April, Mai, Juni oder im Jahreslauf Ich esse ...

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