
- Orte der Stille - Peter Lachnit
"Ich bin im Stress, aber sonst ist alles okay" - Wie oft hört man diesen Satz, wenn man einen Bekannten zufällig auf der Straße trifft. Oder das Telefongespräch des Sitznachbarn in der U-Bahn gezwungenermaßen mithört. Stress, keine Zeit, Hektik. Im Jahr 2011 hat die Statistik Austria eine Zunahme von 20 Prozent an psychisch bedingten Krankenständen wie Burnout oder Depressionen gegenüber 2010 in Österreich registriert. Eine alarmierende Zahl.
Arzt, Medikamente oder einfach nur Ruhe?
In der Tretmühle einmal gefangen ist der erste Schritt der zu einem Arzt. Medikamente und psychologische Behandlung sind der schnelle Weg, wieder besser auf dem alten Weg weiter zu machen. Ist dieser Weg allerdings der sinnvolle? Wäre eine "Langzeitgenesung", eventuell die innere Mitte zu finden, nicht vernünftiger? Diese Entscheidung muss jeder Mensch natürlich für sich selbst finden. Orte der Stille bieten eine "Langzeitgenesung" an, die inzwischen nicht nur von Topmanagern genutzt wird.
Spiritualität an Orten der Stille
Im 21. Jahrhundert sind Klöster und Orden meist keine gänzlich abgeschottete Gemeinschaft mehr, die in ihrer eigenen Welt innerhalb der Welt "draußen" lebt. Neben der gemeinschaftlichen Lebensweise werden Besuchern und auch Suchenden die Tore geöffnet und Möglichkeiten geboten, den aufgebauten Lebenstress auch wieder abzubauen. In der säkularen Gegenwart versuchen die Orden, ihre je eigene Spiritualität zu bewahren und weiterzugeben, auch wenn die Zahl der Ordensleute zurückgeht. Denn die Suche vieler Menschen nach Spiritualität, nach Orten, wo Lebensorientierung und Sinnsuche möglich sind, bleibt ungebrochen. Die Orte der Ordensgemeinschaften und Klöster sind somit weiterhin wichtige Bezugspunkte für Leib und Seele.
Die Vielfalt der Klöster und Orden
Mit der zunehmenden Öffnung der vielen Klöster und Orden in Österreich entstanden auch vielfältige Angebote für Kurzbesucher, aber auch für Menschen die länger hinter Klostermauern verweilen wollen. So verschieden die Ordensregeln, so verschieden die Angebote. So revitalisierten etwa die Benediktiner im niederösterreichischen Seitenstetten den historischen Garten und im Stift Altenburg, ebenfalls in Niederösterreich, macht das interreligiöse Projekt des "Gartens der Religionen" von sich reden. Stifte weisen auch durch ihre Bibliotheken auf, dass sie über Jahrhunderte alte Orte des Geistes sind.
Stumme Zeugen der österreichischen Geschichte
Klöster sind oft auch Zeugen der österreichischen wie auch europäischen Geschichte seit der Zeit der Völkerwanderung. So ist etwa das Zisterzienserstift Rein bei Graz in der Steiermark das älteste Zisterzienserkloster weltweit. das Benediktinerinnenstift Nonnberg in Salzburg das noch älteste bestehende Frauenkloster auf der Welt. Prämonstratenser, Augustiner Chorherren, Trappisten und viele ander Orden prägten und prägen noch immer das Land. 85 männliche und 120 weibliche Ordensgemeinschaften, darunter 31 Stifte und Abteien, gibt es in Österreich. Zur Bündelung ihrer Aktivitäten haben sich 21 Stifte, Klöster und Orden zur Plattform "Klösterreich" zusammengeschlossen, um ihre Angebote Suchenden zur Verfügung zu stellen.
Quelle: Die Furche
