Oregano (Origanum vulgare), ist ein Gewächs aus der Pflan­zenfamilie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Die getrockneten Blätter weisen einen stark aromatischen Ge­ruch und etwas bitteren Geschmack auf und fördern Appetit und Verdauung.

Inhaltsstoffe wirken gegen Bakterien und Pilze

Das ätherische Oregano-Öl (maximal vier Pro­zent im blühenden Kraut) wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Es enthält unterschiedliche Mengen (60 bis 80 %) an den beiden Phenol-Isomeren Carvacrol und Thymol, sowie eine Viel­zahl von Monoterpen-Kohlenwasserstoffen und -Alkoholen (zirka 25 %), Sesquiterpenen (wie Beta-Caryophyllen) und Ketonen. Kom­merziell angebotene Oregano-Öle wei­sen in Zusammensetzung und Preis große Unterschiede auf. Die bakteriziden und fungiziden Eigenschaften wurden bereits im alten Ägypten erkannt, da man Thymian, der beide Phenole ebenfalls enthält, zur Konservierung von Mumi­en einsetzte. Dem Oregano nahe ver­wandten kleinasiatischen Majoran feh­len Phenole in seinem ätherischen Öl. Im Mittelalter bis hin in die Neuzeit galten Zubereitungen ätherischer Öle als „Antibiotika für die Armen“.

Oregano gilt als Heilmittel für Verdauungsbeschwerden und Erkrankungen der Atemwege. Da die Konzentration der im Kraut vorkommenden Wirkstoffe zur therapeutischen Anwendung meist nicht ausreicht, wird zu Heilzwecken das ätherische Öl verwendet. Antibakterielle und fungizide Wirkun­gen werden insbesondere bei ätheri­schen Ölen beobachtet. Diese stark duftenden fettlöslichen Substanzen dienen den Pflanzen zum Schutz gegen Mikroben und Fraßfeinde, aber auch zur Fortpflanzung, da bestäubende Insekten angelockt werden.

Oregano-Öl gegen Candida albicans

Im Vergleich der Wirksamkeit von 33 ätherischen Ölen (u.a. Thymian, Geranium, und Tee­baum) gegenü­ber pathogenen Mikroorganismen im Darm zeigte Oregano die höchste spezifische Wirksamkeit nicht nur gegenüber Candida albicans, son­dern auch gegenüber bakteriellen Keimen.

Wissenschaftler des Georgetown University Medical Center in Washington untersuchten Oregano-Öl im Labor und im Tierversuch. Im Labortest wurde eine hochgradige dosis-abhängige Wachstumshemmung von Oregano-Öl auf Candida albicans-Kulturen festgestellt: 0,0625 mg/ml hemmten zu mehr als 50 % und bei 0,25 mg/ml fand kein Pilzwachstum mehr statt. Die therapeutische Wirksamkeit von Oregano-Öl wurde auch im Tierversuch bestätigt. Schwerstgradig mit Candida albicans infizierte Mäuse erhielten Oregano-Öl gelöst in Ölivenöl als Nahrungszusatz. Mit dieser Mischung über 30 Tage gefüttert überlebten 80 %, die nur mit Olivenöl gefütterte Gruppe starb innerhalb von zehn Tagen.

Im Laborversuch braucht Oregano-Öl einen Wirksamkeitsvergleich nicht zu scheuen. In Kombination mit herkömmlichen Anti-Pilzmitteln wie Nystatin zeigte Oregano-Öl eine Verstärkung der Candida-abtötenden Wirkung (synergistischer Effekt).

Oregano-Öl wirkt genauso effektiv gegen Bakterien wie Antibiotika

In einem weiteren Versuch wurden Mäuse mit Staphylokokken infiziert – eine Bakterienart, die als immer schwerer zu behandelnder Krankenhauskeim gefürchtet ist (MRSA). Sechs Mäuse erhielten 30 Tage lang Oregano-Öl, drei Mäuse lebten noch nach 30 Tagen. Mit Olivenöl gefütterte Mäuse starben innerhalb von drei Tagen. Weitere Versuche der Georgetown-Forscher ergaben, dass schon relativ geringe Mengen des Kräuteröls das Wachstum der Krankheitserreger Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Helicobacter pylori und Mycobacterium terrae hemmten - und zwar im selben Maße wie die Standard-Antibiotika Streptomycin, Penicillin und Vancomycin. Sie schließen daraus, dass Oregano-Öl allein oder in Kombination mit Antibiotika sich auch bei der Vorbeugung und Behandlung selbst schwerer Infektionen mit resistenten Keimen als nützlich erweisen könnte, sozusagen als Bio-Breitband-Antibiotikum.

Therapeutische Anwendun­gen bei chronischer Candida-Infektion

Anwendungsstudien von Oregano-Öl beim Menschen sind dünn gesät. Bei chronischer Candida-Infektion des Magen-Darm-Trakts wird die Einnahme von Oregano-Öl von vielen naturheilkundlich orientierten Ärzten und Heilpraktikern bereits genutzt. Um einen übermäßigen Candida-Befall des Verdauungstrakts zurück zu drän­gen, wird eine Einnahme verschiede­ner Pflanzenöle empfohlen:

  • Am ersten und am zweiten Tag der Behandlung: fünf bis zehn Mal ein Tropfen Oregano-Öl alle 90 Minuten;
  • am dritten Tag reduziert man die Dosis des Oregano-Öls um die Hälfte und nimmt stattdessen eine entsprechende Menge Geranium-Öl ein;
  • am vierten Tag ersetzt man Oregano-Öl ganz durch Geranium-Öl;
  • danach empfiehlt sich ein Wechsel verschiedener Öle wie Niaouli, Teebaum, Lavendel.
Origanum vulgare ist weiterhin Bestandteil homöopathischer Präparate, die in der antimykotischen Immunotherapie ein­gesetzt werden (beispielsweise in Oricant®: D2 Dil. ex herba recent. 0,9g). Die Dosierung bestimmt der behan­delnde Therapeut.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Oregano-Öl sollte nicht unverdünnt angewendet, sondern 50/50 mit nativem Olivenöl gemischt werden. Innerlich und in kleinen Dosen (je­weils nur ein Tropfen pro Anwendung) in Mahlzeiten verabreicht, werden unerwünschte Ne­beneffekte (Schleimhautreizungen) reduziert. Es ist für die innere Anwendung bei Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern nicht geeignet. Äußerlich ange­wendet kann Oregano-Öl Hautirrita­tionen hervorrufen. Äußere Anwendung bei Säuglingen ist nur in geringen Konzentrationen (0,5%) erlaubt.

Auch in der Tierzucht ist Oregano ein Antibiotika-Ersatz

In der Massentierhaltung ist der Einsatz von Antibiotika zur Eindämmung von Infektionskrankheiten und Appetitförderer verbreitet. Diätergänzungsfuttermittel auf Basis von Oregano-Pflanzenhybriden (Amex-10%) werden zur Reduzierung/als Ersatz von Antibiotika in der Tier­mast angeboten – auch in der konventionellen Tierzucht. So kann mit dieser „Biowaffe“ unter anderem die Infektion und Ausbreitung von Salmonellen eingedämmt/verhindert werden.

Konservierung von Lebensmitteln und Holz

Oregano ist ein beliebtes Küchengewürz in heißen Regionen und auch bei Gerichten, die in warmen Klimazonen leicht verderblich sind. Keimhemmende Eigenschaften nutzt man schon seit Jahrhunderten bei Lebensmitteln, z.B. in Hackfleisch, wo Oregano das Wachstum von E.Coli-Keimen verhindert. Im Institut für Lebensmitteltechnolo­gie der Universität Bonn wurde der Gewürzzusatz unter anderem von Oregano als biologisches Schimmelverhütungsmittel von Brot erfolgreich getestet. Auch die Holzkonservierung durch die Anwen­dung antimykotisch aktiver Pflanzen­bestandteile wird für möglich gehal­ten.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Literatur :

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  • Stein M: Oregano - hochwirksam und mehr als nur ein Pizzagewürz.
  • Veröf­fentlichungen zur Tiergesundheit.