
- Organhandel: Schwarzmarkt blüht - Knipsermann/piqs.de
Der Organhandel nimmt weltweit zu. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat die Medizin große Fortschritte im Bereich Organverpflanzung gemacht. Somit hat ein Patient mit einer defekten Niere, Lunge, Bauchspeicheldrüse bis hin zum Herz gute Überlebenschancen, falls er ein Spenderorgan bekommt. Da es aber bei einigen Religionen gegen die Ethik verstößt und die Gesetzeslage mancher Länder eine Organspende verlangsamt, blüht der Schwarzmarkt.
Organe vom Schwarzmarkt
In Österreich und Deutschland konnten noch keine illegalen Organverpflanzungen nachgewiesen werden, jedoch Gewebehandel - wie etwa unerlaubt entnommene Hirnhaut. Bekannt sind auch Fälle, in denen speziell deutsche Patienten nach Indien zur Organtransplantation gereist sind. Dort verkaufen Slumbewohner für etwa 1000 Dollar Nieren. Der Organempfänger muss für die Transplantation etwa 25.000 Dollar bezahlen. Doch auch aus den Oststaaten und Südamerika werden Organe angeboten. Die Gefahr dabei ist für die Spender die mangelhafte Nachbehandlung und für die Empfänger die Ansteckungsgefahr zum Beispiel mit AIDS.
Geschichte des Organhandels
Begonnen hat die Entwicklung im 19. Jahrhundert, als Hauttransplantationen durchgeführt wurden. Nach erfolgreicher Forschung in der Gefäßchirurgie, Narkoseverfahren und Keimabtötung stand der Weg frei für die Organtransplantation. 1905 verpflanzte der Vertreter der Wiener Schule, Dr. Eduard Konrad Zirm, erfolgreich die Hornhaut eines verunglückten Elfjährigen einem Tagelöhner. Nachdem der amerikanische Chirurg Dr. Joseph Murray 1954 eine Niere unter eineiigen Zwillingen transplantiert hatte, wurden Experimente der Xenotransplantation (Verpflanzung der Organe unterschiedlicher Spezies) durchgeführt. Doch die menschlichen Patienten stießen die tierischen Organe ab. Also griff man wieder auf menschliche Spender zurück. Seit Mitte der 1960er Jahre ist es sogar möglich, Multitransplantationen durchzuführen, zum Beispiel Herz-Lungen-, Pankreas-Nieren- und Leber-Darmtransplantationen. Nach wie vor wird an der Xenotransplantation geforscht und auch künstliche Organe bekommen immer mehr Gewicht.
Pro und Contra Xenotransplantation
Die Xenotransplantation wird verneint, da Tiere – vorwiegend Schweine, genetisch dem Menschen sehr ähnlich und nicht vom Aussterben bedroht, wie etwa die – dem Menschen biologisch nahestehenden – Menschenaffen, mit menschlichen Genen behandelt werden müssten und nur zum Zwecke der Organspende gezüchtet würden sowie getötet. Es besteht die Übertragungsgefahr von Krankheiten auf den Menschen beziehungsweise für das Tier unbedenklicher, jedoch für den Menschen gefährlicher Bakterien. Auch das Unbehagen gegenüber der Vorstellung einen Teil eines nicht menschlichen Lebewesens in sich zu tragen, spielt eine Rolle. Weiters würden so Mischspezies – die Chimären – entstehen. Dafür spricht jedoch die kürzere Wartezeit auf ein Spenderorgan, das ein künstliches nicht ersetzen kann – zumindest dem Stand der heutigen Medizintechnik nach. Auch der illegale Organhandel würde radikal zurückgehen.
Pro und Kontra Organspende allgemein
Um Missverständnisse auszuräumen: Hirntot ist nicht klinisch tot. Wenn das Herz eines Patienten nicht mehr schlägt, spricht man von „klinisch tot“. „Hirntot“ bedeutet das Verlöschen sämtlicher Hirnfunktionen und ein tiefes Koma. Nur in diesem Zustand, der von unabhängigen kommissionierten Ärzten diagnostiziert wird, dürfen dem Sterbenden Organe entnommen werden. Gegen die Entnahme wehren sich meist die Angehörigen, sie haben oft die falsche Vorstellung der Verstümmelung beziehungsweise die Hoffnung, der Betreffende würde wieder gesund. Weiters wird angenommen, dass der Mensch im Sterben liegt und daher nicht obduziert werden dürfe, sondern den Sterbevorgang abschließen müsste. Hirntod wird nicht als tatsächlicher Tod hingenommen. Für diese Art der Organspende spricht, dass ein Hirntoter aus medizinischer Sicht tot ist und keine Chance auf ein selbständiges Weiterleben, ohne künstliche Lebenserhaltungssysteme, hat. Organe müssen entnommen werden solange sie noch funktionstüchtig sind. Selbst dann geht es um Stunden, in denen das entnommene Organ verpflanzt werden kann.
Pro und Kontra der Religionen
Zusammengefasst kann man sagen, dass nur die Katholische und Evangelische Kirche ein klares „Ja“ zur Organspende sagen. Die meisten anderen Religionen sind sich durch die unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften untereinander nicht einig.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
