
- Orientierungsfähigkeit bei Azubis - Stefan Dassler
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Auszubildender kommt zum Ausbilder mit folgenden Fragen: „Ich hatte in der letzten Zeit sehr viel Routinearbeit. Kann ich eine neue Aufgabe ausprobieren?“ „Welchen Marktanteil und welches Image hat eigentlich unser Unternehmen in der Branche?“ „Welche Zweigwerke haben wir an welchen Standorten?“ „Ich habe eine Idee, wie man Material einsparen kann. Soll ich mir noch genauer Gedanken machen?“
Orientierungsfähigkeit und Handeln
Handeln setzt Orientierungsfähigkeit voraus. Handeln in der Berufsausbildung heißt, zielgerichtet, bewusst, aktiv zu werden. Man sollte sich dabei an der aktuellen Ausbildungssituation (beispielsweise gegenwärtige und zukünftige Aufgaben am Arbeitsplatz und der Situation des gesamten Unternehmens) und an Werten (beispielsweise Gerechtigkeit/Fairness, Umweltschutz) orientieren.
Weiterhin bedeutet Handeln und Problemlösen als Auszubildender auch, neue Aufgaben (gemeinsam mit dem Ausbilder) zu planen, sich einen möglichen Ablauf vorzustellen, alles vorzubereiten, dann sich zu entscheiden, die neue Aufgabe durchzuführen und eventuell selbst zu kontrollieren.
Wer Ideen für Verbesserungen im Betrieb hat, sollte sich auch überlegen, wie er diese umsetzen kann – also handeln kann. Diese Ideen können sich auf Arbeitsabläufe am Arbeitsplatz, das Ablagesystem, Organisatorisches in der Ausbildung oder Materialeinsparungen/Umweltschutz beziehen.
Fragestellungen in einer Orientierungsphase
In der Orientierungsphase des Handelns sollte man sich folgende Fragen stellen:
- Ist das Ziel, das ich erreichen möchte, erstrebenswert, lohnend?
- Kann ich es in meiner derzeitigen Situation erreichen?
- Genügen meine finanziellen Mittel dafür?
- Habe ich Unterstützung von meinem Vorgesetzten?
Wer erfolgreich handeln will, muss sich vorher orientieren. Dies bedeutet, sich Klarheit und einen Überblick über augenblickliche und zukünftige Aufgaben am Arbeitsplatz sowie über die Situation des Gesamtunternehmens zu verschaffen. Wenn ich selbst über das Unternehmen orientiert bin, kann ich das Unternehmen auch Lieferanten, Kunden und Interessenten erklären und zeigen. So bin ich handlungsfähig.
Erste Trainingsaufgabe zur Orientierungsfähigkeit
Bearbeiten Sie folgende Fragen schriftlich: Notieren Sie sich einige Routineaufgaben aus der letzten Arbeitswoche. Was war daran genau Routine? Welche neuen Aufgaben würden Sie am Arbeitsplatz interessieren? Welche Ideen haben Sie für Verbesserungen im Unternehmen, die Sie gern umsetzen möchten?
Zweite Trainingsaufgabe zur Orientierungsfähigkeit
Erstellen Sie ein Mind Map (Begriffslandkarte) zu Ihrem Unternehmen. Beginnen Sie in der Mitte Ihres Blattes mit dem Begriff „Unser Unternehmen“. Führen Sie davon Pfeile zu Unterthemen. Diese können beispielsweise „Anzahl der Mitarbeiter“, „Jahresumsatz der letzten Jahre“, „Arten von Produkten oder Dienstleistungen“, „Gliederung in Abteilungen“, „Standorte des Unternehmens“ sein. Die Unterthemen unterteilen Sie dann wiederum mehrfach. Finden Sie wichtige Informationen über Ihr Unternehmen heraus.
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Handeln Sie und bearbeiten Sie Ihre Aufgaben am Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsplatz konsequent, sorgfältig und zuverlässig – unabhängig davon, ob es sich um alltagsmäßige oder besondere Aufgaben handelt. Bleiben Sie trotzdem beweglich und verlieren Sie Ihre Zielsetzungen nicht aus den Augen.
- Machen Sie sich Ihre Ziele in der Ausbildung bewusst und überprüfen Sie diese ab und zu.
- Versuchen Sie sich und andere am Arbeitsplatz zu begeistern und zeigen Sie Freude an der Arbeit und der Ausbildung.
- Versuchen Sie aber auch die Grenzbereiche Ihres Handelns in der Berufsausbildung zu erkennen und versuchen Sie, dies zu akzeptieren.
- Erfassen Sie bei Ihrer Arbeit das Wichtige und setzen Sie sich Schwerpunkte.
- Wenn Sie einen großen "Berg" an Problemen in der Arbeit haben, versuchen Sie ihn in kleine "Hügelchen" zu zerlegen und tragen Sie diese schrittweise ab. So bleiben Sie aktionsfähig.
- Entspannen Sie sich regelmäßig, um den Belastungen des Berufs Stand zu halten und damit noch aktionsfähiger zu werden.
- Denken Sie mit. Handeln und arbeiten Sie so selbstständig wie möglich.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
