Jeden Mittwochabend wartet die Finsternis auf ihn. Halb sieben trifft sich Leif Bader am Jägerpark in Dresden-Nord mit anderen Orientierungsläufern. Jetzt, im Dezember, ist es dann schon seit drei Stunden dunkel. Besonders in der Dresdner Heide, wo eine präparierte Strecke auf die Läufer wartet. Im Winter trabt Leif Bader nicht nur mit Karte und Kompass durch den Wald, sondern mit Beleuchtung. "Ich trage beim Nacht-Orientierungslauftraining eine kräftige Stirnlampe. Außerdem sind die Kontrollstationen durch 'Katzenaugen' erkennbar. Bei Tagesläufen stehen dort Stoffschirmchen", sagt der 25jährige.

Training in der Gruppe motiviert auch in der kalten Jahreszeit

Heute abend hat Leif Bader seine Lampe nicht gebraucht. Nach einer Stunde Tempoläufen durch den Großen Garten ziehen Bader und seine Trainingskameraden vom Postsportverein Dresden im Turnhallenfoyer ihre schlammigen Joggingschuhe aus. Draußen gießt es in Strömen. Ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt. Wohl aber einen Orientierungsläufer. Denn der legt im Winter die Grundlagen für das, was er im Sommer leisten wird. Nicht ganz einfach, sich dafür mehrmals wöchentlich zu motivieren. "Manchmal laufe ich allein. Aber in der Gruppe geht es besser", meint Leif Bader. Fünfundzwanzig Frauen und Männer liegen jetzt im Kreis in der Halle und heben rhythmisch die Beine gegen den Widerstand des Therabands, um die Beinmuskeln zu stärken. Eine Übung, die bei weniger trainierten Menschen als den Orientierungsläufern für Muskelkater sorgen würde. Als ein Band reißt, gibt es gedämpftes Gelächter. Das Soziale, das Kameradschaftliche, das mag Bader an seinem Sport. "Wir sind wie eine große Familie. Man lernt bei Wettkämpfen viele Leute kennen, ist schnell per du." Auch dass man in der Natur läuft und kein Lauf dem anderen gleicht, schätzt der gebürtige Bielefelder. "Es ist einfach abwechslungsreicher als im Stadion oder in der Halle." Und die Natur zeigt sich ja sogar in unseren Breiten mitunter von ihrer netten Seite.

Gute Läufer brauchen Kondition und räumliches Vorstellungsvermögen

Den ungewöhnlichen nordischen Vornamen verdankt Leif Bader seinen Eltern. Die sind ebenfalls Orientierungsläufer und starteten oft in Skandinavien. Der Ursprungsregion dieses Sports, wo viele Wettkämpfe stattfinden und woher zahlreiche gute Läufer stammen. "In den letzten zehn Jahren belegten auch Tschechen, Schweizer, Esten, Litauer und Letten vordere Plätze bei internationalen Ausscheiden." Leif Bader trainiert seit 1989 und beschreibt routiniert, was Orientierungslauf ist: "Man bekommt die Karte eines Waldgebietes und muss die Kontrollpunkte in vorgegebener Reihenfolge ablaufen. Die Route kann man frei wählen und orientiert sich mit dem Kompass." Herren laufen zwölf bis vierzehn Kilometer, Damen um die zehn. Dazu muss man oft beachtliche Höhenunterschiede überwinden. Am Ende entscheidet die Zeit. "Gute Kondition reicht dafür nicht. Man braucht räumliches Vorstellungsvermögen, muss sofort auf der Karte erkennen können, was man im Gelände sieht. Deshalb sind auch Ältere oft gut, obwohl sie nicht mehr so schnell laufen."

Leif Bader nimmt sich neben dem Studium viel Zeit für den Sport

Bader ist noch jung genug, um sich steigern zu können. 2007 wurde er deutscher Meister auf der Mittel- und Langstrecke, bei der Weltmeisterschaft in der Ukraine belegte er den 22. Rang. "Zur WM 2008 in Tschechien der 20. Platz – das wäre schön." Bader weiß, dass er nicht viel öfter üben kann als fünf bis acht Mal pro Woche wie jetzt. Denn er studiert: Werkstoffwissenschaft an der TU Dresden. "Ein bisschen mehr muss ich noch trainieren. Zum Glück bin ich im Hauptstudium und kann individuell mit den Professoren Prüfungstermine vereinbaren." Und wenn er mal nicht laufen will, schwingt sich Bader aufs Rad oder schnallt die Ski unter. "Abwechslung motiviert mich."